Alpiner Tropfen: Kaunerberger Wein mit einem Hauch Alm-Aroma

Weinanbau auf 1550 Metern Seehöhe – kann das funktionieren? Eine Kaunerberger Familie wagt das Experiment. Ihr Ziel ist ein alpiner Tropfen.

Vergangenen Herbst wurden die ersten Trauben auf 1550 Metern geerntet.
© Hafele, Reichle

Von Matthias Reichle

Kaunerberg – „Seid ihr trittsicher“, Reinhard Hafele fragt vorsichtshalber nach – der steile Hang hinter seinem Bergbauernhof ist nichts für Flachländer. Dafür blickt man geradewegs auf die schneebedeckten Gipfel des Kaunergrats.

Unzählige Serpentinen führen hinauf zum Kaunerberger Weiler Schnadigen, wo Hafele und seine Familie wohnen. Auf 1550 Metern Seehöhe erwartete man sonst saftige Almwiesen und Berghütten.

Dort, wo andere nicht einmal mehr Erdäpfel anbauen würden, verfolgt die Familie seit vier Jahren eine „Spinnerei“, die inzwischen aber sogar Früchte trägt. „Wie ich Fotos der ersten Trauben im WhatsApp-Status gepostet habe, glaubten einige, die hab’ ich nur auf die Reben aufigepickt“, schmunzelt Hafele inmitten seines kleinen Weinbergs. Am Südhang unterhalb seines Hofs gedeihen 120 Weinstöcke – es ist wohl der höchstgelegene Kulturweingarten Österreichs.

Reinhard und Lucia Hafele inmitten ihres alpinen Weingartens.
© Hafele, Reichle

Den Zweiflern kann man eigentlich nicht böse sein – die Geschichte ist wirklich unglaublich. „Weinbau hat mich immer schon gereizt“, erklärt Hafele, wie es zu dem Projekt kam. An einem Sonntagmorgen vor über vier Jahren wurde das Thema dann im Familienrat ein für alle Mal geklärt. „Wenn Claus sagt, es geht, probieren wir es, sonst rede ich nicht wieder davon“, erinnert sich Hafele an die Ansage, die er damals gemacht hatte. Gemeinsam mit seiner Frau fuhr er an diesem Tag ins Tal zum bekannten Prutzer Weinbauern Claus Aniballi – und der war wider Erwarten „Feuer und Flamme“, wie sich Lucia Hafele erinnert.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

„Es ist echt eine lässige Geschichte“, schmunzelt Aniballi heute – er ist inzwischen als Fachmann tatkräftig mit von der Partie, wenn es darum geht, den Wein zurückzuschneiden oder neue Stöcke zu pflanzen. Der Weinexperte hatte den Hafeles die robuste Sorte Solaris empfohlen, die man sich aus Südtirol holte.

Und obwohl diese extra-widerstandsfähig ist, ist Weinbau auf dieser Höhe alles andere als einfach. „Die Gletscherwinde machen viel kaputt“, sagt Aniballi. Der Winter ist dabei gar nicht das Problem, sondern das Frühjahr. „Am Nachmittag ist es brutal sonnig. In der Nacht wird es kalt“, betont Lucia Hafele. Immer wieder sterben Pflanzen aufgrund dieser Schwankungen ab.

Andere Stöcke gedeihen prächtig. Über 2,5 Meter hat einer in einem Jahr zugelegt. Trotzdem brauchen die Pflanzen aufgrund der Höhenlage ein Jahr länger, bis sie den vollen Ertrag bringen. Im letzten Jahr konnte man endlich aufatmen, als die ersten Beeren geerntet werden konnten. Und die Früchte, die bis Ende Oktober brauchten, um richtig reif zu werden, schmecken sogar richtig fruchtig und süß.

„Wenn uns allen vom Naschen schlecht wird, fangen wir an, Wein zu machen“, schmunzelt Lucia Hafele. Denn reizen würde es sie schon, einige Flaschen zu keltern. Vielleicht kann man schon bald einen alpinen Kaunerberger Tropfen probieren.


Kommentieren


Schlagworte