Essen frei Haus: Lieferdienste in Tirol nicht erst seit Corona gefragt

Essenslieferungen haben in Corona-Zeiten neue Bedeutung gewonnen. Manche Betriebe setzen schon längst auf die Hauszustellung von Hausmannskost – und fahren gut damit.

Andreas, Fahrer der Firma Deflorian, bringt Schlutzkrapfen und Co. zum Kunden. Infos: www.deflorian.tirol
© Deflorian

Von Nicole Strozzi

Gnadenwald, Erl, Reith i. Alp­bachtal – Wenn die Corona-Zeit etwas gefördert hat, dann ist es die Kreativität. Unternehmen sind einfallsreich geworden. Viele Gastronomiebetriebe haben umgesattelt und begonnen, Essen auszuliefern.

Die Familie Deflorian aus Gnadenwald hat schon seit mehr als zwei Jahrzehnten den Fahrverkauf als Geschäftszweig entdeckt. In einem Klein-Lkw liefern die Tiroler Produzenten von Kitzbühel bis Telfs tiefgekühlte, handgefertigte Hausmannskost wie Knödl, Schlutzkrapfen, Rindsrouladen oder Gerstlsuppe, die daheim einfach zubereitet werden kann.

Andrea Menichelli produziert frische Pasta in Erl und stellt diese auch zu. Infos: www.tirolerpasta.com
© Menichelli

Angefangen hat alles 1991. „Meine Eltern waren beide in der Gastronomie tätig, wollten aber mehr Zeit mit der Familie verbringen und gleichzeitig traditionelle Gerichte am Leben erhalten. Im Keller ihres Reihenhauses begannen sie, Schlutzkrapfen und Knödel selbst zu machen“, berichtet Junior-Chef Daniel Deflorian. Zunächst wurden nur Gastronomiebetriebe und der Großhandel beliefert. 1998 begann die Familie mit dem Fahrverkauf für Privatkunden. Mittlerweile gibt es 80 Produkte im Sortiment, die auch in einigen Supermärkten erhältlich sind.

Auch Gerald Ortner alias „Knödel Geri“ setzt auf den Fahrverkauf. Infos: www.knoedel-geri.at
© knödl geri

Gerade jetzt, in Zeiten wie diesen, sei man froh über dieses zweite Standbein. „40 Prozent unseres Umsatzes ist durch den Wegfall der Gas­tronomie weggebrochen, deshalb sind wir froh, dass wir unsere Kosten decken konnten“, berichtet der 27-Jährige, der selbst in der Küche steht.

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Auch in der anfänglichen Quarantäne-Zeit habe es immer eine Lösung gegeben, die Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen. „Die Kunden sind sehr kreativ geworden und haben uns teilweise Körbe vom Balkon heruntergelassen, damit wir diese befüllen“, lacht Deflorian.

Dass gerade die Corona-Anfangszeit – inklusive Abstandhalten, Verwendung von Mundschutz und Desinfektionsmittel – eine Umstellung war, kann Gerald Ortner vulgo „Knödel Geri“ aus Reith im Alpbachtal nur bestätigen. „Wir haben aber nur positives Feedback bekommen, viele Kunden sind derzeit daheim und dankbar, dass wir liefern“, erzählt Geri. Speziell die älteren Leute würden die Hauszustellung sehr schätzen.

2018, mit Mitte 50, hat der Unterländer, der 30 Jahre lang als Küchenchef tätig war, den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Sein Gedanke war es, in einer schnelllebigen Zeit, in der normalerweise kaum jemand Muße hat, aufwändige Teige zuzubereiten, handgemachte Gerichte anzubieten. Neben Knödeln und Kiachln hat sich Ortner auf Zillertaler Krapfen spezialisiert, die schockgefrostet geliefert und ohne Fritteuse im Backofen zubereitet werden können. Bis jetzt waren die Fahrer von „Knödel Geri“ hauptsächlich im Unterland unterwegs, einmal in der Woche geht es aber auch in andere Bezirke und bis Mitte des Jahres will man in ganz Tirol zustellen.

Was für den Tiroler die Schlutzkrapfen, sind für Italiener gefüllte Ravioli. Der gebürtige Römer Andrea Menichelli produziert und vertreibt seit 2019 frische Teigwaren in seiner Tiroler Pastamanufaktur in Erl. Der 30-Jährige hat vor Corona-Zeiten nur den Einzelhandel in großen Mengen beliefert, seit ein paar Wochen bringt er seine Pastaspezialitäten tiefgekühlt, getrocknet oder frisch an den Endverbraucher. Die neuen Kontakte und die Pflege der Stammkunden seien gerade jetzt enorm wichtig. In München hat Menichelli lange in der Pasta-Industrieproduktion gearbeitet. „Wo Spinatfüllung draufsteht, ist oft Spinatpulver drin“, verrät der Italiener. Genau wie die anderen beiden Betriebe setzt er deshalb auf regionale Zutaten und Nachhaltigkeit.


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