Lehrer „empört“: Kimberger wirft Faßmann Gesetzesbruch vor

Die Lehrergewerkschaft bleibt angesichts des wieder anlaufenden Schulbetriebs auf Konfrontationskurs. Ihr Vorsitzender Paul Kimberger wirft Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nun sogar Gesetzesbruch vor.

„Das ist eine Frechheit. Die Lehrer hätten sich etwas anderes verdient.“ - Paul Kimberger
 (Lehrergewerkschafter)
© APA

Von Wolfgang Sablatnig

Wien – Unterrichtsminister Heinz Faßmann (ÖVP) steuert auf eine Konfrontation mit der Lehrergewerkschaft zu. Deren Vorsitzender Paul Kimberger hatte bereits am Freitag das Tempo des Schul-Neustarts kritisiert; das Risiko neuer Ansteckungen sei zu groß. Nun legte er nach und wirft dem Minister „Gesetzesbruch“ vor, wenn dieser die Zwickeltage nach den Feiertagen Christi Himmelfahrt (21. Mai) und Fronleichnam (11. Juni) jedenfalls für Unterricht nutzen will.

Stein des Anstoßes ist nicht nur der Etappenplan des Unterrichtsministers für die Schulen. Am Samstag gab Faßmann außerdem ein ausführliches Interview für das Ö1-„Mittagsjournal“. Dort sprach er über die Zwickeltage, kündigte aber auch an, dass der Notenschluss nach hinten verlegt werden solle, weil in den letzten Schultagen bisher ohnehin niemand gewusst habe, was zu tun sei.

„Schlicht und einfach eine Frechheit“

Kimberger berichtet im Gespräch mit der TT von „empörten Reaktionen aus der Lehrerschaft“: „Das ist schlicht und einfach eine Frechheit. Die Lehrer hätten sich etwas anderes verdient. Wir müssen darauf reagieren, weil ich nicht will, dass die Motivation kippt.“

Hinsichtlich der Zwickeltage ortet Kimberger einen „Gesetzesbruch“, weil die schulautonomen Tage in der Jahresarbeitszeit der Lehrer berücksichtigt sind. Manche Schulen haben die autonomen Tage bereits in Anspruch genommen, andere hätten sie an den Zwickeltagen geplant. Kimberger: „Ich finde es bedenklich, dass eine Ankündigung gemacht wird, die ein Gesetzesbruch ist, und dann soll das nachträglich durch das Parlament legitimiert werden.“ Es würden jene bestraft, die in den letzten Wochen „Großartiges geleistet“ hätten, neben den Lehrern auch die Schüler und Eltern.

„Es geht mir nicht um die freien Tage“

Wie verträgt sich diese Haltung aber mit der Tatsache, dass derzeit viele Menschen von der Krise betroffen sind und Abstriche hinnehmen müssen? Kimberger: „Es geht mir nicht um die freien Tage. Wir sind allemal bereit, uns über das Maß hinaus zu engagieren. Das haben wir auch in der Karwoche bewiesen.“

Der von Faßmann vorgelegte Etappenplan sei aber „weitgehend ungeeignet“. An Volksschulen etwa sei die Gleichzeitigkeit von Schule und Betreuung organisatorisch kaum durchführbar.


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