Verzweifelte Suche nach Wohnung hat ein Happy End

Vier Jahre lang suchte eine Familie mit schwerstbehindertem Kind nach einer barrierefreien Wohnung. Der Verein RollOn verhalf nun zum Erfolg.

Bisher musste Familie Özbek den 15-jährigen Ilker ständig über eine steile Treppe tragen. Dank RollOn-Obfrau Marianne Hengl (r.) und dem Thaurer Bürgermeister können sie bald eine neue Wohnung beziehen.
© RollOn Austria

Von Michael Domanig

Seefeld, Thaur – Erleichterung und Dankbarkeit sind Ibrahim Özbek deutlich anzuhören, so richtig glauben kann er es noch nicht: Rund vier Jahre lang war seine Familie vergeblich auf der Suche nach einer geeigneten barrierefreien Wohnung (die TT berichtete). Jetzt gibt es doch noch eine Lösung – dank der Unterstützung durch den Verein RollOn um Obfrau Marianne Hengl.

Zur Vorgeschichte: Ilker, der 15-jährige Sohn der Özbeks, ist schwerst behindert, muss mit einer Sonde ernährt werden, kann nicht selbst sitzen, braucht umfassende Pflege. Seit 2013 lebt die Familie in Seefeld in einer Gemeindewohnung, die zwar per Lift erreichbar ist, sich innen allerdings über zwei Stockwerke erstreckt – eine enorme Hürde für die Betreuung von Ilker. Bislang müssen ihn die Eltern mehrmals täglich über eine enge, gewundene, nicht für einen Treppenlift geeignete Stiege hinauf- und hinuntertragen – u. a. frühmorgens zum Ankleiden, Windelwechseln und zur Nahrungsversorgung, bevor Ilker zur Betreuung im Elisabethinum Axams abgeholt wird. Da Vater Ibrahim als Koch oft bis spätabends arbeitet, muss die zierliche Mutter Nejla ihren Sohn vielfach sogar alleine nach oben tragen.

Vor zwei Jahren wandten sich die Özbeks an den Verein RollOn. „Seither haben wir Tag für Tag hartnäckig für eine Lösung gekämpft“, berichtet Obfrau Marianne Hengl. Man habe viele Absagen erhalten, sei oft hängengelassen worden. Im Februar 2020 kam es dann zum entscheidenden Wendepunkt: Hengl erzählte dem Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten und Thaurer Bürgermeister Christoph Walser von der verzweifelten Suche der Familie Özbek. Und der konnte tatsächlich helfen: „Ich bin in Thaur privat im Besitz einer ebenerdigen, barrierefreien und zentral gelegenen Wohnung, die derzeit nicht vermietet wird“, bestätigt Walser auf TT-Anfrage. Nach mehreren Treffen mit der Familie Özbek habe man sich nun über eine Vermietung geeinigt: „Die Familie wird mit 1. Juni einziehen, die Vorarbeiten können jetzt schon beginnen.“ Es seien nur kleinere Anpassungen nötig, eine Spülmaschine wird Walser der Familie spendieren.

Ibrahim Özbeks Dank gilt natürlich Walser und dem Verein RollOn – aber auch dem Seefelder Bürgermeister Werner Frießer, der einverstanden sei, dass die Familie so kurzfristig aus der Gemeindewohnung auszieht, und der auch Unterstützung beim Umzug zugesagt habe.

„Dieser Erfolg ist uns aufgrund unseres großen Netzwerks gelungen“, bilanziert Marianne Hengl: „Wenn wir das nicht hätten, gäbe es immer noch keine Lösung.“


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