Die Hebamme kommt in Corona-Zeiten übers Netz

Die Corona-Krise ermöglicht telemedizinische Betreuung vor und nach der Geburt.

Frauen sind vor und nach der Geburt bei Hebammen in guten Händen. Heute ist der Internationale Tag der Hebamme.
© Getty Images/iStockphoto

Innsbruck – Nabelpflege, Rückbildung, Stillen, Baby-Blues. Die Geburt eines Baby­s bringt viel Freude, frischgebackene Mamas haben aber oft viele Fragen und das Familienleben wird auf den Kopf gestellt. Zur Nachsorge betreuen Hebammen Mutter und Baby acht Wochen lang im Wochenbett. Ein Angebot, das etwa 30 Prozent der Frauen in Tirol in Anspruch nehmen. Seit aufgrund des Coronavirus Sozialkontakte möglichst reduziert werden sollten, kommt die Hebamme nicht nur zum Hausbesuch, sondern berät auch über Telefon oder Internet. „Wir freuen uns sehr, dass wir schnell nach Beginn der Corona-Krise eine Vereinbarung mit der Österreichischen Gesundheitskasse treffen konnten, dass Hebammen Beratung auch telemedizinisch anbieten und über die Krankenkasse abrechnen können“, sagt Petra Welskop, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums und Landesgeschäftsführerin des Gremiums in Tirol.

Anders als in deutschen Kliniken konnten in den Tiroler Kreißsälen Väter bei der Geburt überwiegend dabei sein. Besuch durfte danach im Krankenhaus aber keiner empfangen werden. Diese Ruhe hätten viele Frauen zur Erholung genossen, so Welskop. Aus Sehnsucht nach den Papas und Geschwisterkindern daheim wollten viele dennoch möglichst bald nach Hause gehen. So werde derzeit der Großteil der Frauen schon am zweiten Tag nach der Entbindung entlassen.

„Uns ist wichtig, die Frauen gerade dann nicht alleine zu lassen“, sagt Hebamme Lisa Schnaufert aus Tulfes. Denn bei den meisten Jung-Eltern sei während der Ausgangssperre das familiäre Netzwerk weggebrochen. Schnaufert ist freiberuflich tätig und eine der tirolweit 254 Hebammen. Neben der Nachsorge im Wochenbett werden momentan Mutter-Kind-Pass-Beratungen, Termine in der Schwangerschaft, Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse online durchgeführt. Die Erfahrungen sind positiv: „Über einen Kommunikationskanal, in dem Daten sicher sind, kann ich etwa Stillpositionen begutachten und direkt Rückmeldung geben“, sagt die Hebamme. Sie registrierte auch, dass sich Schwangere derzeit deutlich früher als üblich um eine Nachsorgehebamme kümmern. Lisa Schnaufert hat schon Anfragen für Dezember. (bea)


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