Angst vor sozialer Krise in Tirol im Fahrwasser von Corona

Die Landesregierung verweist auf Hilfsangebote – und appelliert an Solidarität und sozialen Zusammenhalt in der Bevölkerung.

Behindertenvertreter fürchten Kürzungen für Hilfsmittel und Betreuung aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage.
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Innsbruck – Die wirtschaftlichen Folgen abfedern und damit eine soziale Krise abwenden – das müssen laut Tirols Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) nun die vorrangigen Ziele sein. So werde beispielsweise die Delogierungsprävention neben den Standorten Wörgl und Innsbruck auch aufs Oberland ausgeweitet und künftig in Imst angeboten.

Bei der Wohnungslosenhilfe könne man mit einer Notschlafstelle, deren Nutzungsmöglichkeit bis Mai verlängert wurde, sowie einer weiteren ganzjährigen Notschlafstelle in Innsbruck eine umfassende Tagesstruktur anbieten. Die Kontaktadressen zu den Hilfs- und Unterstützungsangeboten sind auf der Homepage des Landes unter tirol.gv.at zu finden. Mit einem starken und solidarischen Zusammenhalt sei es möglich, eine soziale Krise abzuwenden, ist Fischer überzeugt.

Dass es diesen Zusammenhalt in Tirol gibt, das hätten die vergangenen Wochen deutlich gezeigt, meint Caritas-Direktor Georg Schärmer und verweist auf die zahlreichen Hilfsinitiativen und Nachbarschaftshilfen, die sich binnen kürzester Zeit formiert haben. Er sieht daher in der Krise und im Abschied vom Alltag, wie man ihn bisher kannte, auch eine Chance für Neues und Besseres. „Teilen und verzichten sind die Leitplanken in eine neue und gerechtere Welt“, appelliert er an die Bevölkerung, mit Rücksicht und Sorge um die unmittelbaren Mitmenschen zu handeln.

Kritik an Politik und Behörden kommt von Marianne Hengl, Obfrau des Vereins RollOn Austria. „In den vergangenen Wochen wurde vor allem über uns gesprochen, aber nicht mit uns.“ Sie fürchtet, dass aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation Gelder für Hilfsmittel oder Betreuung gekürzt werden und damit ein selbstbestimmtes Leben der Betroffenen erschwert werde. Hengl wünscht sich daher, dass Menschen mit Behinderung künftig besser miteinbezogen und Gespräche auf Augenhöhe geführt werden. „Zudem ist es auch wesentlich, dass vor allem das Gesundheitspersonal auf die stationäre Aufnahme von am Coronavirus erkrankten Menschen mit Behinderung umfassend vorbereitet wird“, betont Hengl.

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Laut Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) wurden in Tirols Behinderteneinrichtungen – ähnlich wie in den Altenpflegewohnheimen – umfangreiche Coronavirus-Testungen beim Personal durchgeführt. Insgesamt wurden bereits knapp 2000 Abstrichproben entnommen, davon gibt es bereits für knapp die Hälfte Ergebnisse: 963 Testungen waren negativ. Derzeit sind sieben Personen im Behindertenpflegebereich noch am Coronavirus erkrankt, drei sind genesen. (np)


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