„Wir brauchen Sensibilisierung im Käuferverhalten“

Zu oft würden große bekannte Marken genutzt und einheimische Start-ups und Unternehmen gehen im Angebot unter, betont Business Angel Berthold Baurek-Karlic.

Start-ups kalkulieren oft mit laufenden Umsätzen, Liquidität kann plötzlich fehlen.
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Welche Risiken ergeben sich für existenzbedrohte Start-ups momentan?

Berthold Baurek-Karlic: Das größte Problem besteht darin, dass Start-ups meist sehr hart am Wind segeln. Sie planen ihre Liquidität sehr genau und investieren massiv in Wachstum. Insbesondere größere Start-ups kalkulieren hier auch mit den laufenden Umsätzen (im digitalen Sektor ist das meist wiederkehrend und somit gut planbar). Wenn diese nun zu 80 oder gar 100 Prozent wegbrechen, dann geht das Geld sehr schnell aus, weil die Fixkosten weiterlaufen und Rücklagen geringer ausfallen als bei etablierten Firmen.

Wie muss ein Start-up-Hilfsfonds aussehen, damit junge österreichische Innovations­treiber durch die Krise kommen?

Baurek-Karlic: Ein solcher Fonds muss schnell und effektiv Eigenkapital in 50-75 Start-ups investieren, um diesen den Zugang zu Kreditgarantien des Bundes via AWS ergänzend zu öffnen. Unter einem traditionellen Ansatz ist dies nicht durchführbar, da hier üblicherweise Beteiligungsverträge ausverhandelt und die Bewertung des Start-ups im Einzelnen oft über Monate verhandelt wird. Meine Lösung wäre ein standardisiertes Eigenkapital-Instrument, welches gänzlich anders strukturiert ist – etwa über eine Rückkaufoption oder in Verbindung mit einer fixen Verzinsung.

Wie kann das österreichische Start-up-Ökosystem langfristig und nachhaltig durch die Krise gebracht werden?

Baurek-Karlic: Ein Ansatz, der mir sehr gut gefällt, wäre eine Sensibilisierung im Käuferverhalten oder auch das alleinige Bewusstsein um diese aufstrebenden „Hidden Champions“ hierzulande. Viel zu oft nutzen wir, ohne groß nachzudenken, international etablierte Services. Beispielsweise locken in der Krise große Firmen, die es sich durch ihre Größe leisten können, mit Gratis-Angeboten, um neue Kunden (langfristig) an sich zu binden. Hier würde es schon helfen, wenn beim Kauf oder bei Ausschreibungen auf österreichische Lösungen zurückgegriffen wird, die international auch durchaus konkurrenzfähig sind.

Welchen Entwicklungen muss die Bundesregierung jetzt entgegensteuern, um z. B. den Ausverkauf an ausländisches Kapital, also eine Abwanderung der Unternehmen zu stoppen?

Baurek-Karlic: In Österreich haben wir rund 40 Jahre dabei zugesehen, wie chinesische bzw. generell Nicht-EU-Käufer führende Betriebe aufgekauft haben. Jetzt da einen Riegel vorzuschieben, ohne Alternativen zu mobilisieren (wie dies mit dem Investitionskontrollgesetz geplant ist), halte ich für gefährlich.

Das Gespräch führte Verena Langegger


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