Der Nachwuchs hängt während der Corona-Krise in der Warteschleife

Alle Welt redet vom Profifußball und der Formel 1 – aber was ist mit den Nachwuchssportlern? Eine Umfrage unter Verantwortlichen lässt die große Bandbreite zwischen zartem Hoffen und herber Enttäuschung erkennen.

Die nächste Eiszeit kommt bestimmt – Heinz Thielmann (M.) will mit den jungen Haien mit der gebotenen Vorsicht wieder loslegen.
© Thomas Boehm / TT

Von Florian Madl und Alex Gruber

Innsbruck – Eine Pause kennt man im Eishockey kaum: Nach dem abgesagten U20-Halbfinale und den ausgebliebenen Finalturnieren der U12 und U14 kam Heinz Thielmann, Nachwuchskoordinator des HC Innsbruck, als einer der Ersten auf Tiroler Boden mit dem Corona­virus in Berührung: „Lustig ist das Ding nicht. Ich kenne ein paar Krankheitsverläufe. Vorsicht ist geboten.“

Mit dieser Einstellung werden nach den älteren Nachwuchsteams (vorerst auf individueller Basis) in Kürze auch die Kleineren das Trockentraining beginnen, logistisch ist man da bei beispielsweis­e 36 Kindern in der U10 vor große Aufgaben gestellt.

🔗 >>> Live-Blog: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Sport

„Wir haben als Winter- und Hallensportart durch diese Zwangspause vor allem im unteren Bereich nicht so viel verpasst. Wir bereiten uns in allen Altersklassen auf weitere Lockerungen seitens der Regierung vor, müssen aber sicher nicht die Ersten sein, die wieder beginnen.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Thielmann setzt mit seinen Trainerkollegen auf Videos, die Stickhandling-Übungen oder Koordinationselemente zeigen. Eines schickt er voraus: „Wir wollen unsere Einheiten so gut es geht mit null Risiko bestreiten. Wir werden alle Anordnungen strikt befolgen, denn man darf sich in diesen Zeiten weder als Trainer noch als Organisation Leichtsinn erlauben.“

Leichtathletik: Bei der Innsbrucker Turnerschaft wirft Sektionsleiter Hermann Juen ein Auge auf den Nachwuchs, die Situation lockerte sich seit dieser Woche. Einzig die Empfehlungen der Instanzen sind unterschiedlich: „Der Tiroler Leichtathletikverband fordert Kleingruppen mit maximal sechs Leuten, die Olympiaworld verlangt lediglich die Einhaltung des Sicherheitsabstands und der Österreichische Leichtathletikverband hat wieder ander­e Vorgaben.“ Man gehe mit Fingerspitzengefühl vor, zwei Trainings wöchentlich stünden am Plan, den Kleinen (5 bis 11 Jahre) steht das Angebot vorerst nicht zur Verfügung. Man gehe, betont Juen, „auf Nummer sicher“.

Handball Tirol: In Innsbruck, beim Nachwuchs von HIT medalp Tirol, begann gestern wieder das Training mit der U13, alle weiteren Teams folgen im Lauf dieser Woche. „Man kann die Lage nicht groß ändern. Natürlich wurde etwas Zeit verpasst, sich zu verbessern, aber ich hoffe, dass nach der Paus­e alle weitermachen und es zu keiner Zäsur kommt“, sagt Nachwuchskoordinator Klaus Hagleitner. „Wir haben uns vorgenommen, als Reaktion auf die Geschichte die Corona-­Pause als Sommerpause zu betrachten und dann durchzutrainieren.“ Da stünde Mitte August mit dem ganzen Verein das Trainingslager in Maria Alm auf dem Programm. Bei Partner Schwaz starten die Nachwuchsteams nächste Woche wieder.

Klaus Hagleitner (Nachwuchskoordinator Handball Tirol).
© Michael Kristen

„Es wäre gut, wenn wir das Programm kontinuierlich steigern können und dann auch irgendwann die Hallen öffnen“, sagt Hagleitner, der mit der ersten HIT-Mannschaft auf Kurs Richtung Titel in der italienischen Serie A2 war, ehe der Abbruch kam. „Ich glaube aber, dass ein paar die Pause sehr gut genützt haben, um sich in körperlichen Bereich zu verbessern“, sagt Hagleitner und fügt schmunzelnd hinzu: „Ein Arm wie ein Baum bringt aber auch nichts, wenn man ihn nicht mehr richtig bewegen kann.“ Vorerst wird klarerweise in Kleingruppen auf größeren Freiflächen im physischen Bereich gearbeitet: „Wir versuchen, das Best­e daraus zu machen.“ Dass Spielplätze so lange geschlossen hatten und Sportplätze immer noch zu sind, kostet Hagleitner als Familienvater aber immer noch ein Kopfschütteln.

Turnen: Jasmin Mader lebt in zwei Welten. Die Nationalkader-Athletin ist seit zwei Wochen wieder auf der Matte, in jeweils zwei Kleingruppen (5 Personen) ginge man im Innsbrucker Turnleistungszentrum der Profession nach. Anders in Telfs, wo sie für den Nachwuchs das Vereinstraining leitet: „Wir sind über Trainingspläne miteinander in Kontakt. Ich glaube aber nicht, dass dieses Schuljahr noch etwas passiert.“ Ihr­e mittlerweile nicht mehr aktive Kollegin Hanna Grosc­h ist indes mit den besten Nachwuchssportlern betraut, kürzlich habe man vom österreichischen Verband eine Bestätigung für drei Junioren-Kaderathleten erhalten. Und ab 15. Mai sollen dann auch jüngere Leistungsgruppen zum Zug kommen. Grosch bedauert die siebenwöchig­e Auszeit vor allem für jene, „die zu Hause nichts machen konnten“. Die seien bisweilen auch schwierig zu motivieren. So lange Pausen gebe es in der Szene nämlich nie: „Selbst in den Sommerferien sind zwei Wochen das Maximum.“

Streckt sich wie alle anderen Sportler in Corona-Zeiten nach der Decke – Tirols Turn-Aushängeschild Jasmin Mader.
© ÖFT

Fußball: Roland Kirchler weiß um die Tragweite einer Auszeit. „Als ich 18 war, musste ich nach einem Kreuzbandriss ein Jahr pausieren“, erinnert sich Tirols Nachwuchskoordinator an die Zeiten, da der Liegegips noch zum Standard gehörte. Der Wattener bracht­e es dennoch auf über 30 Länderspiele, was wohl auch an seiner Leistungsbereitschaft lag. „Ich bin oftmals alleine laufen gegangen, aber um wieder in den Rhythmus zu kommen, brauchte es.“ Das wird auch seine Akademie-Fußballer noch eine Zeit lang beschäftigen. Erst kürzlich standen zwei seiner Spieler bei Hoffenheim und Stuttgart ante portas, nun seien die geplanten Transfers fraglich.

Einer jener Tiroler Akademie-Kicker, die auch im Ausland Interesse wecke­n – Tizian-Valentino Scharmer (r. hier gegen Rapid).
© Michael Kristen

Einmal wöchentlich würde man sich mit dem Physiotherapeuten zu Videokonferenzen und kleinen Einheiten zusammenrufen, ein Rückstand würde sich zweifellos auftun. „Es gibt Fußballer, die brauchen das Gemeinsame, um Leistung zu bringen.“ Kleiner Lichtblick: Eine ÖFB-Sitzung soll demnächst die Möglichkeit eines Trainings im Leistungsbereich ausloten.

Die Folgen der Pandemie seien jedoch auch für die Jahrgänge unterhalb der U15 feststellbar: Das Landesausbildungszentrum (Vor-LAZ, LAZ) werde diese Saison keinen Betrieb mehr aufnehmen, auch in den Vereinen des Landes würde man die Pause spüren.


Kommentieren


Schlagworte