Krampf lass nach! Was man gegen Wadenkrämpfe tun kann

Ob beim Sport oder auch daheim auf der Couch, vor einem Wadenkrampf ist niemand gefeit – auch Profisportler nicht. Bedenklich ist dies aber nicht, ein Experte gibt Tipps.

Übertreibt man es beim Sport, kann ein Krampf die Folge sein. In den meisten Fällen ist die Wade betroffen.
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Von Manuel Lutz

Innsbruck – Es scheint ein perfekter Tag zu sein, die Sonne lacht vom Himmel, kein Wölkchen ist zu sehen. Einer schönen Wanderung steht nichts im Wege. Auf halber Strecke kribbelt und zwickt es in der Wade – ein heftiger Krampf scheint den weiteren Aufstieg unmöglich zu machen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein richtiger Krampf.

„Dabei handelt es sich um eine Überlastungsreaktion. Die Balance zwischen Hemmung und Aktivierung des Muskels passt nicht mehr zusammen. Es zeigt, dass man es übertrieben hat“, erklärt Sportmediziner Thomas Scheiring. Mit anderen Worten: „Bei ganz starker Erregung schaltet der Muskel auf maximale Spannung. Der Entspannungsmechanismus der Muskeln, der auf Anspannung folgt, schaltet sich kurzfristig aus. Kleine Gefäße werden abgeklemmt und es kann kein Blut mehr durchfließen. Dies führt zu den großen Schmerzen.“

Wer glaubt, dies sei eine Folge von mangelndem Training, den beruhigt der Telfer Arzt: „Auch Profisportler, wie z. B. Tennisspieler, die in der Weltrangliste ganz vorne sind, haben Krämpfe. Und wenn jemand z. B. eine Radtour über vier Stunden macht und gleich am Anfang Vollgas gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls hoch, dass man in der letzten Stunde einen Krampf bekommt.“ Daher rät der Experte, dass man seine Kräfte gut einteilen sollte: „Wenn man die ersten drei Stunden piano macht, sollte dies nicht passieren. Ob gut oder schlecht trainiert, ein zu schneller Start führt zu hoher Belastung, dadurch kommt es zur Übersäuerung der Muskeln und sie verkrampfen sich.“

Während dies am Berg oder beim Laufen im schlimmsten Fall zu einem vorzeitigen Abbruch führen kann, ist ein Krampf beim Schwimmen noch gefährlicher. „Da kann man in akute Lebensgefahr kommen. Wenn das Wasser etwa zweieinhalb Meter tief ist und man beidseitig einen Krampf bekommt, ist man weg. Im See sollte man z. B. nicht alleine schwimmen. Wenn jemand häufig an Krämpfen leidet, sollte man in Ufernähe bleiben“, so der Mediziner.

Sportmediziner Thomas Scheiring
© Scheiring

Doch nicht nur durch Überbelastung beim Sport können Menschen an Krämpfen leiden. So manchen hebt es in der Nacht aus dem Bett mit einer Muskelverhärtung. „Ein Krampf im Schlaf kann krankheitsbedingte Ursachen haben. Ein Elektrolyt-Ungleichgewicht, Diabetes, Nerven- oder Durchblutungsprobleme sind mögliche Auslöser.“

Auch mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit an Krämpfen. Grund zur Panik gibt es jedoch nicht – denn einen Krampf haben die meisten Menschen schon einmal gehabt. „Es ist nichts Schlimmes. Wenn es nur alle paar Monate auftritt, ist es nicht bedenklich. Leidet man regelmäßig an Krämpfen, sollte man jedoch den Hausarzt aufsuchen und ein Blutbild machen. Es könnte dann ein Wink mit dem Zaunpfahl sein.“

Auch Profisportler, wie z. B. Tennisspieler, die in der Weltrangliste ganz vorne sind, haben Krämpfe.
Thomas Scheiring (Sportmediziner)

Am häufigsten („in 90 Prozent der Fälle“) ist die Wade betroffen, danach folgen zumeist die Adduktoren sowie der hintere Oberschenkel.

Einen Ratschlag, der jedermann hilft, gibt es aber immer noch nicht. „Es ist eine oft gestellte Frage. Obwohl es seit Jahrzehnten Forschungen und Fragestellungen gibt, ist derzeit kein patentes Rezept vorhanden. Die Antworten sind verschieden“, meint Scheiring.

Als Hausmittel wird oft geraten, die Wade mit Alkohol oder Magnesium einzuschmieren. Davon hält Scheiring wenig: „Rein aus schulmedizinischer Sicht geht es nicht in den Muskel hinein. Ob es was hilft, bleibt daher fraglich.“ In der akuten Situation rät der Spezialist daher zu anderen Varianten: „In der Akutbehandlung muss ich den Muskel dehnen. Auch eine Massage kann im ersten Schock helfen.“

In der Folge sollte zuhause z. B. mit einem Selbstmassagegerät nachmassiert werden. Prinzipiell würde Scheiring aber einen Physiotherapeuten oder einen Masseur empfehlen. „Die ganzen Radprofi-Teams haben Physiotherapeuten deshalb immer dabei. Dies kann längerfristig helfen. Jedoch sollte man nicht glauben, dass eine Sitzung ausreichend ist.“

Für viele ist hingegen eine (aufgelöste) Magnesiumtablette das Wundermittel. „Einem Drittel der Menschen hilft das ganz sicher. Hochdosierte Präparate aus der Apotheke bekommt man rezeptfrei. Für einen gesunden Menschen ist die Einnahme auch nicht bedenklich. Nur bei einer Nierenfunktionsstörung sollte man aufpassen, denn überschüssiges Magnesium kann nicht ausgeschieden werden.“

Den Mythos, dass Weißwein am Vorabend die Ursache für die Krampfschmerzen sind, unterschreibt Scheiring nicht: „Einige Leute berichten das, es gibt jedoch keine Untersuchungen dazu. Es ist eine individuelle Empfindlichkeit.“ Um das Risiko, beim Sport einen Krampf zu bekommen, zu minimieren, gibt es andere Tipps: „Aufwärmen ist wichtig.“ Zudem ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig. „Gerade im Sommer bei 30 Grad verschärft die Austrocknung die Gefahr eines Krampfes“, so Scheiring.

📽 Video | Sportmediziner Thomas Scheiring hat für die TT Videos mit Übungen für Wadenkrämpfe zusammengestellt:


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