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Moldau vor dem Kollaps: „Wenn nicht am Virus, dann sterben wir an Hunger“

Die Corona-Pandemie trifft die Republik Moldau schwer. Das ärmste Land Europas steht vor dem wirtschaftlichen wie sozialen Kollaps. Das Gesundheitssystem liegt am Boden und die Regierung ist maßlos überfordert.

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Die österreichische Hilfsorganisation Concordia versorgt die völlig verarmte Bevölkerung mit Lebensmittelpaketen.
© TT/Concordia

Von Benedikt Mair

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Chisinau, Innsbruck – Ein Blick auf die offiziellen Corona-Zahlen lässt kaum erahnen, wie schwer die Pandemie die Republik Moldau trifft. In dem Land, dessen Fläche in etwa mehr als doppelt so groß ist wie jene Tirols und das 3,5 Millionen Einwohner beheimatet, gibt es bisher 4476 bestätigte Fälle, 143 Menschen starben an dem Virus. „Vertrauenswürdig sind diese Angaben nicht“, sagt Tatiana Balta, Sozialarbeiterin bei der österreichischen Hilfsorganisation Concordia in der Hauptstadt Chisinau. Moldau, das ärmste Land Europas, steht wirtschaftlich wie sozial vor dem totalen Kollaps, glaubt Balta. „Das Schlimmste steht uns erst noch bevor.“

Das Gesundheitssystem liege am Boden, die Regierung sei maßlos überfordert, sagt die Sozialarbeiterin. „Die Landbevölkerung wird medizinisch kaum versorgt.“ Die Menschen blieben einfach zuhause, würden versuchen, das Virus selbst auszukurieren und daran nicht selten sterben. „Ins Krankenhaus geht kaum jemand.“ Auch, weil es nur zwei für die Behandlung von Covid-Patienten ausgestattete Spitäler gibt. Und die standen eine Zeit lang unter Quarantäne. „Etwa 30 Prozent der Ärzte sind infiziert“, schätzt Tatiana Balta. Es fehle an Masken, Brillen, Anzügen.

Für die Bewohner der vielen kleinen Dörfer am Land ist mangelnde Schutzausrüstung das kleinste Übel. „Dort fehlt es an allem“, sagt Balta und meint damit auch Lebensmittel und sauberes Wasser. Hunderte Hilfspakete mit dem Nötigsten zum Überleben haben die Mitarbeiter der Hilfsorganisation Concordia in den vergangenen Tagen verteilt. „Wir können aber nicht alle unterstützen, die es brauchen.“ Es seien einfach zu viele.

Und es werden mehr, prognostiziert Balta. „Im Juni und Juli werden die großen Probleme erst starten. Dann nämlich sind die geringen finanziellen Reserven vieler Familien restlos aufgebraucht.“ Denn: Ökonomisch ist die Republik Moldau von jenen abhängig, die im Ausland arbeiten und Geld nach Hause schicken – das sind Zehntausende, die derzeit ohne Beschäftigung dastehen. Viele der Menschen verdingen sich außerdem als schlecht bezahlte Tagelöhner, beispielsweise in der Landwirtschaft. „Die kleinen Farmen werden aber schließen“, sagt die Concordia-Mitarbeiterin. Aufgrund der düsteren Aussichten würden die Moldauer auch den Schutz vor einer Infektion nicht ernst nehmen. „Wenn nicht am Virus, dann sterben wir an Hunger“, will Balta von vielen gehört haben, die alles versuchen, um an Geld zu kommen. Corona zum Trotz, ohne Rücksicht auf Verluste.

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