Heuer bleibt die Pforte zum ewigen Eis in Angerberg verschlossen

Corona-Auflagen vermiesen den Höhlenkundlern die Führungssaison in Angerberg. Die Spannagelhöhle am Hintertuxer Gletscher will man öffnen.

In der Hundalm-Eishöhle in Angerberg ist ein Blick auf uraltes Eis möglich. (Archivfoto)
© Tobitsch

Von Wolfgang Otter

Angerberg – Die Freude der Tiroler Höhlenforscher und der vielen Besucher der Hundalm-Eishöhle am Angerberg ist verflogen. Der Ausflug in die faszinierende Unterwelt bleibt heuer verwehrt. Zwar könnte man trotz der Corona-Beschränkungen öffnen, „aber die Abwicklung des Besuchs ist nicht möglich“, sagt Renate Tobitsch, Obfrau des Landesvereins für Höhlenkunde in Tirol. Bei einer Führung durch die enge Höhle wären maximal zwei Besucher mit Führer möglich. „Wenn da eine größere Gruppe kommt, muss die den ganzen Tag anstehen“, erklärt die Obfrau.

Für den Verein bedeutet die verschlossene Höhlenpforte auch finanziell große Einbußen. „Wir erhalten für heuer keine Subventionen“, sagt Tobitsch. Trotzdem müssen die Instandhaltungsarbeiten weiter fortgeführt werden. Auch weil sich immer wieder Steine an den Wänden lösen können. Was auch prompt heuer im Winter geschehen ist und für einige Gerüchte in sozialen Medien sorgte. So war zu lesen, dass die Höhle wegen herabgestürzter Felsbrocken gesperrt bleiben muss. „Das hat damit nichts zu tun“, sagt Tobitsch. Auch wenn heuer ein etwas größerer Brocken heruntergefallen sei, könnte der rasch verräumt und die Wände gesichert werden. „Auf Nachfrage habe ich die Auskunft bekommen, dass laut Verordnung Höhlen zwar terminologisch outdoor, öffentliche Orte im Freien sind, aber nach der Verordnung als geschlossene Orte zu werten sind. Daher müssten die Schauhöhlen alle Hygienevorschriften, Regeln und Einschränkungen einhalten, wie sie z. B. auch für Museen gelten. Für unsere Höhle ist das unmöglich“, sagt Tobitsch.

Der Wert des Ausflugszieles für den Tourismus ist unbestritten. Sie ist die einzige für Gäste zugängliche, eisführende Höhle in Tirol, in der in den Sommermonaten Führungen angeboten werden. Auf dem knapp 180 Meter langen Weg, auf dem die Führung stattfindet, sind Eisfiguren und bis zu mehrere Meter dickes Eis zu sehen. Auf dem weiteren Weg finden sich Tropfsteine. Untersuchungen haben ein Alter zwischen 120.000 und mehr als 350.000 Jahren gezeigt. Der tiefste Punkt der Schauhöhle befindet sich 35 Meter unter dem Eingang, wo das älteste Eis besichtigt werden kann.

Höhlenfreunde können ins Zillertal auf den Hintertuxer Gletscher ausweichen. Dort will Maria Anfang, Betreiberin der Spannagelhöhle, am 1. Juli öffnen. „Wir können die geforderten Abstände und Vorschriften einhalten“, ist Anfang überzeugt. Immerhin kann sie jährlich an die 2500 Besucher begrüßen.

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