Pötschger: „Die breite Masse vermisst den Boxsport nicht“

Tirols Box-Trainer Joachim „Jopo“ Pötschger sieht seinen Sport auf schwere Zeiten zusteuern. Profi-Kämpfe erwartet er heuer keine mehr.

Auf schweißtreibende Trainings-Einheiten im Athletic Camp Austria (Telfs) mit seinen Box-Schützlingen muss Joachim „Jopo“ Pötschger (r.) wohl noch etwas warten.
© Tilk

Von Daniel Suckert

Innsbruck, Telfs – Im Athletic Camp Austria in Telfs wird derzeit geschwitzt. Nicht aber etwa am Sandsack oder im Box-Ring, sondern mit Bohrmaschinen und Schraubschlüsseln in der Hand. Joachim Pötschger lässt gerade seine Trainingshalle adaptieren. Für die Zeit nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Was seinen geliebten Vollkontakt-Sport betrifft, sieht er augenblicklich schwarz.

„Derzeit steht national wie international alles ruhig und ich glaube auch nicht, dass sich das so schnell ändern wird. Meiner Meinung nach werden wir heuer keinen Box-Kampf mehr sehen“, holt der gebürtige Wiesinger aus. „Wenn man weiß, wie viel und wie weit der Schweiß bei einem Treffer gegen den Kopf fliegen kann, macht das auch wenig Sinn. Ich respektiere die Entscheidung der österreichischen Regierung. Auch wenn es schwer für uns alle ist.“

Was einen ganz schnell zum Thema „Geisterkämpfe“ bringen würde, von denen der Coach aber nichts hören will: „Der Sport lebt von den Emotionen im und rund um den Ring. Und so leid es mir tut: Schon vor der Krise hat sich das Fernsehen rund um das Boxen zurückgezogen. Die breite Masse vermisst das nicht. So ehrlich muss man sein.“

Profis wie sein Schützling Manuel Charr (Schwergewichts-Weltmeister) würden derzeit – ebenso wie die Amateure – die Handschuhe in der Ecke liegen lassen. „Durchbeißen“ heiße die Devise. Das sei natürlich für die heimischen Athleten und Förderer besonders hart.

Pötschger, der zuletzt mit Formel-1-Pilot Daniil Kwjat, Tirols Doppelweltmeister Wolfgang Kindl (Rodeln) oder Tennis-Ass Tamira Paszek zusammengearbeitet hat, sieht sich selbst gut aufgestellt. Die Unterstützung sei da, wenn man sich darum kümmere. Mit Einzeltrainings könnte es nach einem eventuellen „Go“ auch im Bereich Otto­normalverbraucher wieder losgehen.

Auf Profi-Ebene würde sich der Weltenbummler einen Neustart nach einem kampflosen Jahr wünschen. Ein Neubeginn, bei dem „sich die zwielichtigen Promoter und Manager, die sich gegenseitig übers Ohr hauen, verabschieden“.

Er hoffe auf Querdenker, die neue Ideen und Konzepte entwickeln würden. Pötschger: „Bedenklich finde ich Leute, die trotz alldem, was wir gerade erleben, nicht mit Routinen brechen wollen. ,Wir sind früher in Baumärkte gegangen, jetzt tun wir es wieder. Egal, wie viele Menschen anstehen.‘ Jede Krise bietet die Möglichkeit für Veränderung. Man muss es nur wollen.“


Kommentieren


Schlagworte