Klage wegen Mitgift: Kein Geld zurück für gekaufte Braut

Nach Flucht der Braut wollte der Bräutigamvater die Aussteuer zurück. Das Brautgeld war aber sittenwidrig.

Mitgift-Partnerschaft: In manchen Kulturen besiegeln noch immer Geldgeschäfte den Bund fürs Leben.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Aussteuer und Mitgift – Begriffe, die bei Eheschließungen vor Jahrzehnten auch noch in Tirol ihre Verwendung fanden. Die Zeiten haben sich geändert. Durch den Zuzug von Mitbürgern aus anderen Kulturkreisen sind bereits vergessene Traditionen aber auch in Tirol offenbar wieder aufgelebt. Wie sehr diese Denkmuster und Gebräuche in Familien weiter verwurzelt sind, zeigte nun eine Klagsführung am Landesgericht.

Dort hatte ein serbischstämmiger Tiroler einen nun in der Schweiz lebenden Landsmann auf die Rückzahlung von 22.000 Euro geklagt. Grund: Der Mann hatte das Geld als Bräutigamvater als eine Art Brautgeld der Familie der künftigen Schwiegertochter übergeben. Doch die junge Frau hatte es in Tirol nur einen Monat lang ausgehalten – und war dann trotz Verlobungs- und Hochzeitsfeier wieder zurück zu ihrer Familie geflohen.

Da der Bräutigamvater darauf überhaupt den Verdacht hegte, dass die Schweizer Familie in Wahrheit eine Verehelichung nie geplant, sondern es nur auf die Tiroler Aussteuer abgesehen hatte, klagte er das Geld „wegen rechtswidriger und schuldhafter Täuschungshandlung“ des Vaters der 21-Jährigen wieder ein. Nach Entgegnung der Schweizer, dass das Innsbrucker Landesgericht dafür doch gar nicht zuständig sei, hatte dazu das Oberlandesgericht eine Zuständigkeit zur Prüfung des „deliktischen Schadenersatzanspruches“ nämlich bejaht.

Im Verfahren vor Richterin Claudia Zimmermann-Ganahl kamen dann Verehelichungsmodalitäten zu Tage, die man in unseren Breitengraden nicht mehr unbedingt mit dem Jahr 2020 verbindet.

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So dienten Verlobungs- und Hochzeitsfeier (ohne je kirchlich oder standesamtlich geheiratet zu haben) nicht nur zur Unterhaltung der Familien, sondern auch zur Regelung finanzieller Angelegenheiten. 4000 Euro hatte der Vater des Bräutigams so gleich bei der Verlobungsfeier gezahlt. Dabei wurde in die Mitte des Saals ein Tisch gestellt und ein Preis für die Frau genannt. Darauf folgte unter reger Anteilnahme der Gäste ein Feilschen über dessen Höhe und die Qualitäten der Braut. Deren Großvater gab laut Zeugen preistreibend unter anderem zu bedenken, dass es sich hier ja „nicht um eine Kuh, sondern um eine Jungfrau“ handle.

25.000 Euro war die 21-Jährige letztlich insgesamt wert. Bei der Hochzeitsfeier wurde die geschmückte Frau dann in einer Besenkammer eingeschlossen, bis man ihrem Bruder so viel Geld zugesteckt hatte, dass er die Türe öffnete. Ein Video belegt den Gesichtsausdruck der Frau – es dürfte sich um keine Liebesheirat gehandelt haben.

Richterin Zimmermann-Ganahl fand für diese Art von Brautkauf klare Worte und wies die Klage wegen Sittenwidrigkeit des „Geschäfts“ ab. So hatte der Oberste Gerichtshof bereits ausgeführt, dass Eheschließungen nur unter Willensfreiheit und ohne Anknüpfungen an Bedingungen erfolgen dürfen: „Trotz ihres Migrationshintergrundes müssen die Streitteile zur Kenntnis nehmen, dass Töchter keine Handelsware sind und die Vereinbarung eines Brautpreises sittenwidrig und unerwünscht ist“, so die erfahrene Richterin des Landesgerichts im Urteil (nicht rechtskräftig).

Der Kläger steht nun ohne Schwiegertochter und Arbeitskraft (laut Braut sollte sie ohne Anmeldung in einer Firma arbeiten) da. Zudem muss er den Schweizern 10.590 Euro Prozesskosten überweisen.


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