Warten auf Ende der Beschränkungen: Rosenheim will mehr

Weiß-blaue Gelassenheit rund um die Obergrenze und der Wunsch, wieder nach Tirol zu dürfen: Rosenheim wartet auf das Ende der Beschränkungen.

Langsam kehrt die Normalität in Rosenheim zurück
© iStock Editorial

Von Wolfgang Otter

Rosenheim – Die Autonummern aus Kufstein sind seit Wochen im Bild der oberbayerischen Stadt selten geworden. Genauso wie die RO-Kennzeichen in Kufstein. Doch jenseits und diesseits der Grenze wird der Wunsch nach einem Wiedersehen größer. „Es sagt eigentlich fast jeder, mit dem man sich unterhält, dass die Grenzen wieder aufgehen müssen“, sagt Thomas Bugl, Pressesprecher der Stadt Rosenheim.

Kein Wunder: Die knapp 64.000 Einwohner zählende kreisfreie Stadt lebt auch von den Nachbarn. Und besonders die Bekleidungsbranche leide unter dem Shutdown. Auch in der oberbayerischen Stadt hätten sich die Bewohner an die Maßnahmen strikt gehalten, der Erfolg stelle sich ein. Langsam würden sich die Plätze und Geschäfte wieder füllen. Schmerzlich sei, dass die Lokale zubleiben müssen, wie man erfährt. Die Halbe Bier und die Weißwurst samt Breze muss zuhause genossen werden. Da schaut man mit etwas Neid auf die Tiroler, wo die Gasthäuser früher aufmachen dürfen.

Lieferdienste sind auch in der kreisfreien Stadt gefragt
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Über der langsam wieder zurückkehrenden weiß-blauen Leichtigkeit schwebt aber das Damoklesschwert der Zahl 50. So viele Neuerkrankungen innerhalb einer Woche und hochgerechnet auf 100.000 Einwohner sind der magische Wert, ab dem die Rollläden wieder runtergelassen werden müssen. Und da sind die Rosenheimer teilweise knapp drüber oder drunter. So wie vorgestern, als man die 50 überschritt, um dann am Montagvormittag zu erfahren, dass man laut Robert-Koch-Institut wieder darunter liegt. Ein großes Problem? „Nein, wir sehen das ganz entspannt“, sagt Pressesprecher Bugl im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Die Oberbayern vertrauen auf den Punkt vier der Vereinbarung mit dem Bund. Dort steht, dass im Falle von lokal begrenzbaren Hotspots die Regelung nicht gilt. Und diese Hotspots habe man in Form vom Asylwerberheimen. Gleich drei Unterkünfte sind in Rosenheim vorhanden und bei den Testungen sorgen sie für die Ausreißer, wie Bugl erklärt. Da sie unter Quarantäne stehen, bleiben sie ohne Auswirkungen.

Für den neuen Oberbürgermeister Andreas März ist die Krise auf alle Fälle ein „Sprung ins kalte Wasser.“ Aber sie brachte ihm wegen der 50er-Grenze auch deutschlandweite Medienpräsenz. „Das hat noch kein Oberbürgermeister geschafft, innerhalb einer Woche Amtszeit in der Tagesschau interviewt zu werden“, witzelt man.


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