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Offene Museen, offene Fragen: Druck auf Lunacek wächst

Die Tiroler Landesmuseen wollen ab Freitag schrittweise wieder öffnen. Dann soll auch der weitere Kulturfahrplan der Regierung präsentiert werden. Der Druck aus der Branche auf Staatssekretärin Lunacek wächst.

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Für die Umsetzung der neuen Sicherheitsregeln haben die Tiroler Landesmuseen verschiedene Szenarien erarbeitet.
© Tiroler Landesmuseen

Von Joachim Leitner

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Wien, Innsbruck – Vor gut einem Monat wurde sie angekündigt, jetzt liegt die Verordnung für die Wiedereröffnung von Museen, Bibliotheken und Archiven vor. Die dürfen ab diesem Freitag unter Einhaltung von Sicherheitsvorgaben wieder aufsperren (siehe Infokasten). Es obliege den Häusern selbst, wie die neuen Regeln umgesetzt werden, heißt es dazu aus dem Büro von Kulturstaatssekretärin Ulrike ­Lunacek (Grüne).

Museumsdirektor Peter Assmann: „Wir begrüßen die Verordnung und haben Szenarien erarbeitet, der Verantwortung gerecht zu werden.“
© Foto TT/Rudy De Moor

Man habe sehnsüchtig auf diese Verordnung gewartet, sei sich der Verantwortung für die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern bewusst und habe Szenarien erarbeitet, dieser gerecht zu werden, sagt der Direktor der Tiroler Landesmuseen Peter Assmann. Für die von ihm geleiteten fünf Ausstellungsstätten (Ferdinandeum, Volkskunstmuseum, Tirol Panorama und Zeughaus) gibt es einen Stufenplan. Während manche Museen – etwa das Kunsthistorische Museum, die Albertina oder das Belvedere – erst in den nächsten Wochen aufsperren wollen, soll dieser bereits ab Freitag umgesetzt werden. „Wir werden schrittweise erste Häuser öffnen“, kündigt Assmann an. Konkrete Details dazu wolle er aber erst am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) nennen.

Tags darauf dürfte in Wien der weitere Kulturfahrplan der Bundesregierung bekannt gemacht werden. „Ich würde am liebsten alles in den kommenden Tagen öffnen, aber das erlaubt uns das Virus nicht. Mein Ziel ist, noch diese Woche einen Stufenplan für die nächsten Monate auf den Weg zu bringen, um möglichst bald konkrete Lockerungen anzustoßen für den Veranstaltungsbereich – also etwa das Theater oder die Kinos“, so Lunacek dazu gestern.

Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek: „Mein Ziel ist, noch diese Woche einen Stufenplan für die nächsten Monate auf den Weg zu bringen.“
© APA

In zahlreichen offenen Briefen und bisweilen vehementen Brandreden haben Kulturschaffende aus verschiedenen Sparten klare und umsetzbare Vorgaben in diesen Bereichen gefordert. Zuletzt etwa die Intendanten der Landestheater und acht österreichische Orchester, darunter das Tiroler Landessymphonieorchester Innsbruck. Gestern wandten sich auch die heimischen Literaturhäuser in einem Schreiben an Lunacek: Die aktuelle Situation sei für den literarischen Betrieb eine Katastrophe, weshalb man Planungssicherheit „zum jetzigen Zeitpunkt“ einfordert. Die Herbstprogramme würden jetzt erarbeitet, daher sei es notwendig zu wissen, was überhaupt angeboten werden kann. Das die Literatur in der kulturpolitischen Diskussion kaum angesprochen werde, bereite den Literaturhäusern „große Sorgen“.

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Auf der Onlineplattform ohne-uns.at haben sich zahlreiche Veranstalter und Veranstaltungstechniker organisiert. Auch sie fordern konkrete Maßnahmen, um der Corona-Krise Herr zu werden, etwa die Verlustverwertung der während der Pandemie entstandenen Verluste. Via www.ohne-uns.at veröffentlichte auch der Kabarettist Lukas Resetarits seine inzwischen tausendfach angeklickte Wutrede, in der er den Umgang der Bundesregierung mit Kulturschaffenden scharf kritisierte. Vor allem von den Grünen zeigt sich der 72-Jährige enttäuscht. „Geigen wir die ganze grüne Kulturpartie ham – unter vier Prozent, wo sie hingehören“, fordert er. Kulturstaatssekretärin Lunacek sei eine „schwarze Aussicht“ für alle Künstler auf, hinter und neben der Bühne. Bis zur ZiB 2 am Montagabend war Resetarits’ Furor der Ernüchterung gewichen. Armin Wolfs Frage, ob er den Rücktritt von Kulturstaatsekretärin Lunacek fordere, beantwortete Resetarits lakonisch: „Es ist eh schon wurscht. Wenn man es nicht schafft, das so zu besetzen, dass da wirklich was passiert, dann wäre es okay, auch ohne Staatssekretärin oder ­Staatssekretär auszukommen.“

Lukas Resetarits zählt auch zu den Mitinitiatoren einer Petition, die gestern auf www.open-petition.eu online ging. Gemeinsam mit anderen Künstlern, etwa dem Perkussionisten Martin Grubinger oder den Schauspielern Erwin Steinhauer und Adele Neuhauser, aber auch dem ehemaligen Kulturminister und nunmehrigen SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda fordert er einen „Rettungsschirm für Kreative, Künstler und Künstlerinnen“. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kunst, Kultur, Event- und Kreativwirtschaft sind dramatisch“, wird unterstrichen. In einer Krise wie der aktuellen brauche es von der Politik „besonderes Engagement, Klarheit, Wissen um künstlerische Lebens- und Arbeitsrealitäten, Verlässlichkeit und Mut. Dies vermissen wir aktuell.“ Die Maßnahmen der Regierung, um die Auswirkungen der Krise abzumildern, seien „bei Weitem nicht ausreichend“. Gefordert wird unter anderem finanzielle Kompensation für fehlende Einnahmen, die Möglichkeit, auch für kurzfristig Beschäftigte Kurzarbeit beantragen zu können, und die Verlängerung der Corona-Hilfsfonds, „bis all jene, die in der Event- und Unterhaltungsbranche tätig sind, wieder voll arbeiten können“. Bis gestern Abend wurde die Petition mehr als 5000 Mal unterschrieben.

In der Kritik steht aber nicht nur Staatssekretärin Lunacek, sondern auch der für Kultur offiziell zuständige Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Dieser sei seit seinem Amtsantritt vor kulturpolitischen Fragen in Deckung gegangen, sagt Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Wiener Albertina, Er habe Kogler in den vergangenen fünf Monaten weder getroffen noch gesprochen.

Ungeachtet der anstehenden Wiedereröffnung von Museen und Ausstellungshäusern seien nun auch Antworten auf andere Fragen gefordert, so Schröder im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Der Schaden durch den Corona-bedingten Stillstand gehe schon jetzt in die Millionen. Auch die nunmehrige Wiedereröffnung sei mit Zusatzkosten verbunden, „und das alles ohne die geringste Zusicherung einer Abgeltung“. Hier sei der Kulturminister gefragt, der als Vizekanzler und Regierungskoordinator auch der Einzige sei, der Verhandlungen mit dem Finanzministerium führen könne.

Die behördlichen Vorgaben für die Wiedereröffnung der Museen

Mindestabstand. Zwischen allen Personen, die sich in einem Museum aufhalten, muss der Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Ein- und Ausgängen, dem Sanitär-, Kassen- und Garderobenbereich. Von der Regelung ausgenommen sind Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben. Wie diese Vorgaben umgesetzt werden, liegt in der Verantwortung der jeweiligen Ausstellungshäuser.

Schutzmaßnahmen. Beim Museumsbesuch müssen Masken bzw. so genannte Face-Shields getragen werden. Für Kassen oder Entleihstellen in Bibliotheken sind wie in anderen Geschäften Schutzvorrichtungen – etwa gläserne Trennwände – verpflichtend.

Gesamtanzahl der Personen pro Einrichtung. Zulässig ist jeweils eine Besucherin oder ein Besucher pro 10 Quadratmetern. In einem Haus mit 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wären demnach 100 Besucherinnen und Besucher erlaubt.

Vermittlungsprogramme. Führungen oder Workshops sind erlaubt. Allerdings nur in Gruppen von maximal zehn Personen. Auch hier sind der Mindestabstand und das Tragen von Nasen-Mund-Schutz verpflichtend.


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