250 Jahre L76: Rettungsmission für vergessene Meisterleistung

Vor 250 Jahren wurde die heutige L76 gebaut. Nun fahren wieder Bagger auf. Die Meisterleistung drohte aber in Vergessenheit zu geraten.

Rettungsaktion für ein vergessenes Denkmal. Die Restauratoren retteten die Marmortafel, die an den 2590 Jahre alten Straßenbau in Landeck erinnert. Foto: Reichle
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Von Matthias Reichle

Landeck – 152 Pfund Schießpulver, 337 Zentner Eisen und 200 Tagesschichten waren nötig – Edmund Hirn, Wegins­pektor des Oberinntals, notierte 1776 penibel den enormen Aufwand. Zwei Jahre lang hatten seine Männer eine neue Straße in den Fels gesprengt. Es muss eine extrem gefährliche Arbeit in der Landecker Innschlucht gewesen sein – ohne die Bagger und Lastwagen von heute. Zuletzt drohte diese Leistung aber komplett in Vergessenheit zu geraten.

Es ist eine Rettungsaktion, zu der sich die kleine Gruppe an diesem Morgen an der südlichen Stadtausfahrt von Landeck getroffen hat. Die drei Männer, allen voran Res­taurator Johann Falkeis, lassen die Marmortafel, die an das historische Megaprojekt erinnert, vorsichtig zu Boden. Das rund 250 Jahre alte Denkmal am Straßenrand der L76, gleich hinter der Südausfahrt von Landeck, ist nur noch ein Schatten seiner selbst – mit zahlreichen Rissen, Löchern und verblassten Buchstaben in Latein.

Und doch erzählt es die Geschichte dieser Meisterleistung. Zur Regierungszeit von Kaiserin Maria Theresia wurde die Straße von Landeck nach Urgen verlegt. Damals hatte ein Jahrhunderthochwasser sieben Brücken auf der anderen Talseite zerstört. Die neue Trasse sollte sicherer und bequemer sein. Von einer „unglaublichen“ Herausforderung für die damalige Zeit spricht Baubezirksamtchef Günter Heppke.

Heuer rücken wieder die Arbeitstrupps für ein Großprojekt auf eben dieser Straße an. Der Bau der Schlossgalerie, die die Strecke vor wiederkehrenden Steinschlägen schützen soll, ist im vollen Gang. Das Denkmal, das zuletzt kaum noch einer kannte, soll der Baustelle aber nicht zum Opfer fallen.

Auf Initiative des Landecker Chronistenstammtischs wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt. „Sie haben mich kontaktiert“, betont Heppke. Gemeinsam mit dem Denkmalamt wurde nun eine Lösung erarbeitet. Besonders eingesetzt hat sich auch der Land­ecker Chronist Georg Zobl, der die Geschichte des Denkmals recherchiert und bereits vor Jahren auf dessen „erbärmlichen Zustand“ hingewiesen hatte.

Das Denkmal wird restauriert und bekommt in Absprache mit der Stadt einen neuen Platz, wie Robert Zach von der Landesstraßenverwaltung betont. Einer, der auch zugänglich ist, um die Hintergründe des Straßenbaus besser erzählen zu können. Nach dem Abschluss der Arbeiten an der Schlossgalerie wird es dann wieder aufgestellt.

Unterdessen sind die Arbeiten an der L76, die seit Montag in der Früh für den Verkehr gesperrt ist, im vollen Gang. Und wenn auch das Projekt von damals mit dem von heute kaum vergleichbar ist, auch dieses Mal wird gesprengt. „Derzeit laufen die Vorbereitungen“, betont Baubezirksamtsmitarbeiter Günther Köhle.

Aktuell wird der Fels mit dem Bagger abgetragen, gleichzeitig wird eine Rampe gebaut, um mit den Bohrgeräten auf den Fels hinaufzugelangen. In „Etagen“ wird der Stein dann von oben bis unten abgetragen. Wann scharf „geschossen“ wird, sei derzeit noch offen.


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