Tiroler Landesmuseen öffnen: „Mundschutz ist die neue Tracht“

Die Tiroler Landesmuseen öffnen schrittweise, zuerst mit Urtirolerischem: Ab heute ist die neue Ausstellung zum Thema Tracht im Volkskunstmuseum öffentlich zugänglich.

© Wolfgang Lackner

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Eigentlich wäre für gestern die Eröffnung von „Goethes italienische Reise“, der großen Sommerausstellung der Tiroler Landesmuseen und ersten von ihm selbst konzipierten Schau, geplant gewesen. Wäre! Aber statt über Goethe zu plaudern, ging es für Peter Assmann, der seit November 2019 an der Spitze der Tiroler Landesmuseen steht, am Donnerstag bei der ersten Pressekonferenz seines Hauses seit März in erster Linie um Sicherheit.

Mit heute startet nämlich die schrittweise Wiedereröffnung der Tiroler Landesmuseen nach der Corona-bedingten Schließung – und dies erfordert etliche Vorsichtsmaßnahmen: Desinfektionsmittel stehen am Eingang bereit, Plexiglasscheiben wurden angebracht, der Mund-Nasen-Schutz ist für Besucher und Besucherinnen Pflicht. Nicht nur als Schutzmaßnahme, sondern gar als Tracht sieht Assmann die Spuck-Bremse inzwischen. Und lenkt damit geschickt auf die neue Sonderschau zum Thema Tracht hin, die seit heute im Volkskunstmuseum zu sehen ist.

Palfrader: „Erster Schritt in Richtung Kulturnormalität“

Für Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) ist die frühe Öffnung der TLM ein „erster Schritt in Richtung Kulturnormalität“. Tirolerinnen und Tiroler seien jetzt aufgefordert, in die „Kultur-Schatzkiste“ zu blicken, so Palfrader. Ein klarer Aufruf der Landesrätin: Bleiben die Touristen aus, müssen die TLM auf das Interesse der Einheimischen setzen. Die erste Maßnahme, um dieses Interesse anzuheizen: Pro Monat wird es für ein Haus der Landesmuseen einen Sonntag mit kostenlosem Eintritt – und Sonderprogramm geben. Schon am kommenden Wochenende lädt das Volkskunstmuseum mitsamt angegliederter Hofkirche zum ersten Gratis-Sonntag.

Das Haus am Rennweg wird heute nicht nur wieder-, sondern neu eröffnet. Einheimische treffen derzeit – wie passend – auf Urtirolerisches, auf Stoff zur eigenen Geschichte. Aber keine Sorge, die Tracht kommt bei Kurator Reinhard Bodner nicht altbacken daher. Im Gegenteil, traditionelle Trachtenkunde wird hier einem kritischen Update unterzogen. Neben Variationen und regionalen Ausprägungen beschäftigt sich die Schau auch mit dunklen Kapiteln der Geschichte und thematisiert erstmals die Rolle des Volkskunstmuseums zur Zeit des Austrofaschismus. Im Volkskunstmuseum fährt man eine bewährte Route: Wer Zeitgenossen ansprechen will, muss die Gegenwart mitdenken. Und die Dirndlschürze der Wiener Aktivistinnen von „Reclaim the Dirndl“ bringt Wind in die Diskussion. Dass die Ausstellung es schafft, junges Publikum anzusprechen, bleibt zu hoffen, zumal neben Touristen derzeit auch Schulklassen wegfallen.

Zeughaushof soll im Sommer genutzt werden

Andere Aktivitäten sollen diesem Manko entgegenwirken: So stand Assmann, was das Sommerprogramm betrifft, bereits mit Leokino, Theatergruppen und Musikern in Kontakt. Der Plan: Der Zeughaushof soll genutzt werden – so weit es die bundesweiten Verordnungen eben zulassen. Infos dazu werden demnächst folgen.

Beim Thema Sommer fällt der Fokus erneut auf „Goethes italienische Reise“, die in Zeiten des Daheimbleibens doch wenigstens die Erfahrung einer Reise vermitteln soll, sagt Museumsverein-Präsidentin Barbara Psenner. Eröffnet werden soll sie am 25. Juni – mitsamt der „Außenstelle“ im oberitalienischen Garda. Dabei ist derzeit noch unklar, ob die Grenze bis Ende Juni überhaupt passierbar wird. Assmann geht es bei seinem Konzept um die Symbolkraft eines grenzübergreifenden Projekts.

Weitaus zurückhaltender gaben sich die TLM auf Nachfrage nur in puncto Umbau, der eigentlich bis zum Jubiläumsjahr 2023 über die Bühne hätte gehen sollen: Konkrete Beschlüsse sollen Anfang Juni im Landtag folgen, so Palfrader. Das Umbauprojekt sieht die Landesrätin ganz klar als konjunkturbelebende Maßnahme, als weiteren Schritt in Richtung Normalität.

Schrittweise Öffnung der fünf Standorte

15. Mai: Das Volkskunstmuseum eröffnet mit der Sonderausstellung „Tracht. Eine Neuerkundung“, am 17. Mai ist der Eintritt kostenlos.

15. Mai: Die Hofkirche öffnet ihre Pforten, am Sonntag, 17. Mai, ist auch hier gratis Einlass.

15. Mai: Das Tirol Panorama

Kaiserjägermuseum zeigt die Anfang März eröffnete Ausstellung „Flottenbesuch. Die k. u. k. Marine im Kaiserjägermuseum“.

20. Mai: Das Ferdinandeum lockt mit Neupräsentationen. Die Kunst vom Barock bis 1900, die Musiksammlung, Grafische Sammlung und die Moderne wurden neu konzipiert.

20. Mai: Im Zeughaus ist weiterhin die im Februar eröffnete Schau „So fern – so nah“ zur Kulturgeschichte der Telekommunikation zu sehen.

Für alle Häuser gelten die normalen Öffnungszeiten, 9–17 Uhr – alle Infos: tiroler-landesmuseen.at


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