Tiroler Industrie mit Minus, jeder neunte Job vor Aus

Die Produktionen in Tirol sind im Schnitt nur zu 70 Prozent ausgelastet. Das Land plant ein Konjunkturpaket.

Die Industrie-Umsätze brachen um 30 Prozent ein.
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Innsbruck – Auch die Tiroler Industrie wurde, auch wenn großteils weitergearbeitet wurde, von der Corona-Krise massiv getroffen, zeigt jetzt eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Industriellenvereinigung Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol und der Standortagentur. So werden die Auswirkungen der zur Eindämmung der Pandemie weltweit getroffenen Maßnahmen mit 3,36 (bei einer Notenskala von 1 bis 5) als sehr gravierend eingeschätzt.

Die Auslastung der Produktion der etwa 420 Tiroler Industriebetriebe liegt in den nächsten vier Wochen im Durchschnitt bei nur rund 70 Prozent, bei kleineren Unternehmen bis zu 50 Mitarbeitern sogar bei nur 57 Prozent. Der Umsatzrückgang durch die Corona-Krise wird mit 30 Prozent eingeschätzt.

Das hat auch Folgen auf dem Arbeitsmarkt: Etliche Betriebe sind zurzeit in Kurzarbeit, um die Krise zu durchtauchen. Bis zum Jahresende rechnen die über 100 an der Befragung teilnehmenden Betriebe aber mit einer Reduktion der Beschäftigten um elf Prozent. Damit würde etwa jede neunte Stelle wegfallen, hochgerechnet auf die 42.000 Industrie-Stellen wären das mehr als 4500. Das solle sich aber nicht auf die Lehrlinge durchschlagen.

Als größte aktuelle Probleme werden die geschrumpfte Auftragslage, die teils fehlende Verfügbarkeit von Vorprodukten und Dienstleistungen sowie die Bewegungseinschränkungen der Mitarbeiter gesehen. Die Unternehmen sprechen sich für einfache und schnelle Behördenverfahren, Digitalisierung der Verwaltung, Deregulierung und Förderung bei Zukunftsinvestitionen aus. Sie lehnen neue Belastungen generell ab.

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Diese Ergebnisse präsentierten Industriellen-Präsident Christoph Swarovski und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser auch beim Sozialpartner-Gipfel mit LH Günther Platter. Dort wurde vereinbart, dass die Sozialpartner bis Ende Mai ein akkordiertes Maßnahmenbündel zur Ausgestaltung eines neuen Konjunkturpakets dem Land vorlegen. „Wir wollen keine Einzelmaßnahmen, auch ein Gießkannenprinzip darf nicht entstehen“, sagte AK-Präsident Erwin Zangerl. Auch gelte es, gemeinsam allfällige Lücken im (Bundes-)Fördersystem zu analysieren. Über die Finanzierung werde dann zu verhandeln sein, bestätigt WK-Chef Walser. Einig sei man sich, dass man „ein Konzept entwickeln muss, das auch greift“, wie Zangerl sagt. Platter wolle das Konjunkturpaket im Juni-Landtag beschließen lassen. (va/mami)


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