Sonderzug für Pflegerinnen: „Keine Lösung für den Westen“

Tiroler Agenturen haben den Zug für 24-Stunden-Betreuerinnen nicht genutzt. Nun wird an anderen Konzepten gearbeitet.

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Zu teuer? Sonderzug für Pflegerinnen aus Rumänien.
© APA

Von Wolfgang Sablatnig

Innsbruck – Die Agentur von Christian Schönherr vermittelt 24-Stunden-Betreuerinnen aus Rumänien an 35 Familien im Außerfern und im Oberland. Viele warten seit Wochen auf eine Ablöse. Den Korridorzug aus Rumänien hat er dennoch nicht genutzt. Im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung verweist er auf die hohen Kosten – vor allem dann, wenn eine Frau positiv auf Corona getestet wird und dann vier Frauen, die gemeinsam im Liegewagen waren, zwei Wochen in Quarantäne müssen.

Diese Quarantäne müssten die Frauen in einem Hotel am Flughafen Schwechat verbringen – auf Kosten der Besteller, also der Agenturen und der Familien. Schönherr: „Wenn eine Betreuerin positiv getestet wird, würde mich das 4100 Euro kosten. Das wäre finanziell eine massive Belastung für die Familien.“

Einen zweiten Grund, warum der Austausch noch nicht angelaufen ist, kennt eine TT-Leserin aus dem Außerfern. Die Betreuerin ihrer Eltern hat mit ihren drei Kindern seit Wochen nur Kontakt über Telefon und Internet. Eine Rückreise komme für sie bisher dennoch nicht in Frage: „Sie sagt, bevor sie 14 Tage in staatliche Quarantäne geht, bleibt sie lieber da.“

Rumänien hat die Bestimmungen aber gelockert. Möglich ist nun auch häusliche Quarantäne. Schönherr hofft, ab nächster Woche einen Austausch mit Kleinbussen organisieren zu können. Auf diesem Weg rotieren die Frauen auch in normalen Zeiten. Er geht davon aus, dass der Transit durch Ungarn und die Reise nach Tirol mit den entsprechenden Dokumenten möglich sein müssten.

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Das Land Tirol würde dieses Modell unterstützen, bestätigt der Sprecher des zuständigen Landesrats Bernhard Tilg (ÖVP). Den Transport müssten die Agenturen organisieren. Das Land würde den Corona-Test bezahlen und die Kosten für ein Ersatzquartier übernehmen, wenn Quarantäne nötig ist.

Pro Kleinbus ist wegen der Corona-Bestimmungen Platz für fünf Frauen, der Bedarf geht aber in die Hunderte. Also doch der Zug? Schönherr: „Wir hätten das gern gehabt. Es war aber nicht möglich, eine Lösung zu finden, die auch für den Westen passt.“

Die neue Lösung wäre auch ein Hoffnungsschimmer für die Leserin im Außerfern bzw. ihre Eltern. Sie wünscht sich aber mehr, nämlich grundsätzliche Verbesserungen. „Es ist ja schön, was alles für die Pflege gemacht wird. Ich habe aber das Gefühl, auf die 24-Stunden-Betreuung wird dabei vergessen.“


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