Banges Warten auf Auflagen bereitet Tirols Seilbahnern Kopfzerbrechen

Für manche Seilbahnen könnten Mindestabstände zum echten Problem werden.

Wie sehen die Auflagen für den Betrieb von Pendelbahnen aus? Bei den Venet Bergbahnen macht man sich Sorgen.
© Reichle

Landeck, Innsbruck, Tux, Kitzbühel – Statt 45 nur noch ein einziger Fahrgast pro Kabine – so sieht das Horrorszenario aus. Venet-Vorstand Werner Millinger möchte es sich gar nicht ausmalen. Er bleibt „Berufsoptimist“. Am 29. Mai will die Landecker und Zammer Venetbahn wie viele andere Bergbahnen in die Sommersaison starten. Was für Auflagen auf den Seilbahner nun zukommen, weiß er noch nicht.

Es ist ein Spezifikum von Pendelbahnen – mit nur zwei Kabinen bringen sie die Fahrgäste auf den Berg und wieder ins Tal. Normalerweise stehen diese dabei dicht gedrängt

In Einkaufszentren gelte die Vorschrift „ein Gast pro 10 Quadratmeter“, weiß Millinger. „Wir haben in der Kabine eine Nettofläche von 10,2 m2“, rechnet er vor. Sollte stattdessen ein Sicherheitsabstand von einem Meter reichen, habe man nur sechs Personen Platz. Beide Fälle seien nicht wirtschaftlich. „Die Kapazität geht dann gegen null.“

Millinger glaubt derzeit allerdings, dass es nicht so weit kommt und man mit rund 50 Prozent der Auslastung fahren darf. „Alles andere widerspricht der Logik.“ Denn in öffentlichen Verkehrsmitteln – und dazu zähle er Seilbahnen – darf man inzwischen den Mindestabstand, wenn nicht anders möglich, unterschreiten. Ob das aber auch tatsächlich für Seilbahnen zutrifft, weiß man nicht, und so überlegt man sich am Venet alle möglichen Alternativen – von Trennwänden über das Öffnen der Panoramafenster in den Kabinen.

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Andere Seilbahner sind optimistischer: Die Unsicherheiten bei der Planung kennt zwar auch Beate Rubatscher, Geschäftsführerin der Kaunertaler Gletscherbahn. Sie startet von 29. Mai bis 7. Juni noch einmal in die Wintersaison. Bei der Reaktion auf bestimmte Auflagen sei man aber flexibler, betont sie. „Es ist hart, in zehn Tagen geht es wieder los und wir haben keine Angaben über Bedingungen und Kapazitäten“, ärgert sich auch Thomas Schroll, Geschäftsführer der Nordkettenbahnen. Auch er geht allerdings davon aus, dass man zu einer „verträglichen Lösung“ kommt.

Die Tuxer Gletscherbahnen sind momentan ebenfalls in Warteposition – auch dort kann man ab 29. Mai wieder Ski fahren. „Wir sind gespannt auf die Maßnahmen. Aber was auch kommt, es dürfte realisierbar bei uns sein“, sagt Geschäftsführer Matthias Dengg in Hinblick auf Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz. Der auf drei Sektionen aufgeteilte Gletscherbus kann normalerweise bis zu 3000 Personen stündlich ins ewige Eis befördern. „Aber mit großem Ansturm ist jetzt eh nicht zu rechnen“, meint Dengg.

Kein Kopfzerbrechen bereitet man sich derzeit bei Kitzbüheler Bergbahnen. Dort gibt es nur eine Pendelbahn – und die startet erst am 11. Juni, heißt es. Bis dahin dürfte man mehr wissen.

Anfrage der TT im Tourismusministerium: Dort verweist man auf das Gesundheitsministerium, das die Richtlinien erarbeitet. Man geht aber davon aus, dass Ähnliches gelten werde wie im öffentlichen Verkehr, betont Sprecher Daniel Kosak. „Abstand und Mund-Nasen-Schutz, und wo der Abstand nicht möglich ist, nur Mundschutz.“ In den nächsten Tagen wisse man mehr. (mr, ad, mm)


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