Überraschung in Reutte: 500 Jahre alter Felsgang auf Ehrenberg entdeckt

Ein außergewöhnlicher Fund wurde auf Ehrenberg gemacht. Bei Grabungsarbeiten kam ein verschütteter Stollen zum Vorschein.

Ein bislang verborgener Felsgang konnte auf Ehrenberg freigelegt werden.
© Burgenwelt Ehrenberg

Von Simone Tschol

Reutte – „Es ist eine Sensation und stellt sowohl geschichtlich und burgenkundlich, aber auch kulturtouristisch ein weiteres Highlight im Burgen­ensemble dar“, strahlte der Geschäftsführer der Burgenwelten Ehrenberg, Armin Walch, Mittwochvormittag inmitten der Burgruine über das ganze Gesicht.

Bei Grabungsarbeiten für das Fundament der absturzgefährdeten Wehrmauer fanden Baggerfahrer Bernhard Retter und Armin Walch durch Zufall den Ausgang eines spektakulären Felsganges. Das Hausmeisterteam mit Werner Entstrasser, Murad Dalgatov und Edmond Kle Boua machte sich sogleich daran, den komplett verschütteten Gang auszugraben. „Es dürfte sich um einen Ausfall- oder Fluchtstollen handeln. Dieser muss Teil des Verteidigungskonzeptes der frühen Burgenanlage, also vor 1550, gewesen sein. Gerade das exakte Herausarbeiten des Ganges aus dem gewachsenen Felsen inklusive aller Stufen zeugt davon, dass er fixer Bestandteil des Verteidigungskonzeptes der Burg Ehrenberg war“, ist Walch überzeugt. Eine genaue Datierung muss erst noch erfolgen. Aber nicht nur für Walch, auch für Alexander Oberlechner vom Bundesdenkmalamt und Burgenforscher Joachim Zeune stellt der Zufallsfund eine burgenkundliche Besonderheit dar.

Der 20 Meter lange Stollen wurde händisch in den Fels gehauen und könnte als Fluchtweg gedient haben.
© Burgenwelt Ehrenberg

Der Gang ist komplett begehbar. Allerdings müssen noch Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden, bevor Besucher ihn betreten können.

Die Eröffnung für das Publikum ist Ende des Jahres geplant. Walch: „Aber da müssen wir uns echt sputen, zumal auch im Bereich des Eingangs noch Mauern gesichert werden müssen.“ Auch die Finanzierung der zusätzlich nötigen 102.000 Euro ist noch nicht zur Gänze gesichert. Das Bundesdenkmalamt beteiligt sich mit 9000 Euro, die Marktgemeinde Reutte, der TVB Reutte und der Verein Burgenwelt Ehrenberg haben je 10.000 Euro zugesagt, die highline 179 fördert das Projekt mit 7000 Euro und 56.000 Euro erhofft sich Walch von der Kulturabteilung des Landes Tirol und der Landesgedächtnisstiftung.

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Der neue Felsgang soll künftig mit der Aussichtsplattform am Dürnitz, der Rekonstruktion des Wehrganges im Vorhof der Ruine und dem Falkenturm einen Rundweg an spektakulären Besichtigungspunkten durch die Burg­ruine Ehrenberg bilden.


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