Graf: „Höchste Zeit, dass wir wieder auf die Matte kommen“

Judo hat dieser Corona-Tage wie andere Kampfsportarten einen schweren Stand. Die Elite hofft auf baldige Lockerungen und ein Trainingscamp.

Bernadette Graf schoss vom ersten Team-Training in einem Innsbrucker Park ein Selfie.
© judoverband tirol

Von Max Ischia

Innsbruck – Wenn Tirols Judo-Aushängeschilder in die Ferne blicken, dann krümmen sich am Horizont jede Menge Fragezeichen. Wann kann wieder „im Normalmodus“ trainiert werden? Wann steigen die ersten Wettkämpfe? Wann wird die Olympia-Qualifikation fortgesetzt? Finden heuer überhaupt noch Judo-Turniere statt? Und gehen die Olympischen Spiele in Tokio mit einjähriger Verspätung tatsächlich im Sommer 2021 in Szene? Fragen, die dieser Tage keiner seriös beantworten kann.

Zumindest tut sich dieser Tage ein Lichtblick auf für die leidgeprüften Judoka. „Wenn alles klappt“, versichert Bernadette Graf, „können die Olympia-Kandidaten und Nationalteam-Kämpfer ab nächstem Freitag in einem Sporthotel in Mittersill ein zweiwöchiges Trainingscamp abhalten.“ Noch fehlt freilich ein positiver Bescheid des Sportministeriums, wie Markus Moser, der Sportkoordinator des Österreichischen Judoverbandes (ÖJV) auf TT-Nachfrage bestätigt. „Wir haben dem Ministerium ein extrem strenges Konzept zur Bewilligung vorgelegt. Mit eigenem Hotelzugang, eigenem Zimmertrakt und exklusiven Trainingsräumlichkeiten.“ Dazu würde sich laut Moser jeder aus der rund 20-köpfigen ÖJV-Abordnung im Vorfeld einem Corona-Test unterziehen und sich in Heim-Isolation begeben. Auch vor der Rückreise sei eine Testung Pflicht.

Für Graf wäre es jedenfalls „höchste Zeit, dass wir wieder auf die Matte kommen“. Langweilig wurde der aussichtsreichen Olympiakandidatin auch in den vergangenen Monaten und Wochen nicht. „Solange wir nicht im Olympiazentrum trainieren konnten, habe ich mir im Trockenraum unseres Mehrparteienhauses ein Rudergerät hingestellt und noch nie so viel im Freien trainiert: laufen, Rad fahren, wandern. Außerdem habe ich die freie Zeit für die Masterarbeit meines Fernstudiums (Master of Business Administration der FH Burgenland, Anm.) genützt.“

Hin- und hergerissen blickt Grafs Vereinskollegin Kathrin Unterwurzacher (Judozentrum Innsbruck) auf die jüngere Vergangenheit zurück. „Die Olympia-Absage war im ersten Moment ein extremer Schock, aber inzwischen versuche ich das Positive daraus zu ziehen.“ Zumal sich die Innsbruckerin bei ihrem Comebackkampf im Februar das bereits drei Monate zuvor lädierte Kreuzband im rechten Knie abermals eingerissen hatte. „Da war ich wohl ein bisserl zu früh dran. Die Aufbauarbeit hat mir gutgetan, bei hundert Prozent bin ich aber noch nicht“, sagt die 27-Jährige, die sich deshalb die Teilnahme am möglichen Mittersill-Camp offenlässt.

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Kathrin Unterwurzacher nützte die Corona-Wochen zum Aufbau ihres lädierten Knies.
© gepa walgram

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