Einer, der jede Lücke füllt: Löwenzahn trotzt sogar Klimawandel

Die Schönheit der leuchtend gelben Wiesen birgt die Gefahr der Monokultur. Der Löwenzahn ist schließlich ein wahrer Platzhirsch und trotzt sogar dem Klimawandel.

Der Löwenzahn nützt jede Lücke, um sich auszubreiten.
© Michael Kristen

Von Susann Frank

Innsbruck – „Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider“ – das bekannte Kinderlied könnte derzeit beliebig auf Autos, Gartenmöbel und Fahrradsitze ausgeweitet werden. Was länger im Freien steht, wird schließlich von einer dünnen Schicht Löwenzahn-Pollenstaub überzogen.

In den vergangenen Jahren scheint das Phänomen weiter zugenommen zu haben. Aber warum? „Weil die Lücken in den Böden mehr geworden sind. Und der Löwenzahn jede davon nützt, um sich auszubreiten“, klärt Lukas Peer auf. Für den Grünlandreferenten der Landwirtschaftskammer Tirol ist der Grund dafür zum einen die Feldbearbeitung mit schweren Maschinen und zum anderen das Vieh, welches in Berggebieten zu steil weidet. Beides hinterlässt Löcher auf den Wiesen.

Und weil der Korbblütler sehr früh blüht und darauffolgend in den Fruchtstand gelangt, finden seine Samen vor jenen anderer Pflanzen den Weg auf den Boden.

Auch der Klimawandel unterstützt seine Ausbreitung. „Gegen Trockenheit ist der Löwenzahn resistenter als Gräser, weil er mit seiner längeren Pfahlwurzel tiefer in den Boden kommt“, sagt der nebenberufliche Landwirt. Zudem beschattet die krautige Pflanze durch ihr schnelles Wachstum nach dem Mähen andere Pflanzen und verdrängt sie damit. Das Ganze kann bis zur ungewollten Monokultur führen.

Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, die Lücken in den Flächen schnellstmöglich mit einem hochwertigen Saatgut wertvoller Gräser zu schließen. Wertvoll für die Natur, aber auch für die Tiere hinsichtlich Futterpflanze.

Auch mit der Gabe von 200 bis 300 Kilogramm Kalkstickstoff pro Hektar kann der Löwenzahn vor dem Knospenstadium zurückgedrängt werden.

Der Bürgermeister von Navis vergisst jedoch nicht, auch die Nützlichkeit des Löwenzahns hervorzuheben. „Er ist für Bienen und andere Nektarsammler eine der wichtigsten Pollen- und Nektarlieferanten im Alpenraum. Zudem ist er mineralstoffreich und schmackhaft im Futter für Weidetiere.“ Doch übersteigt der Anteil der sattgelb blühenden Pflanze „15 Prozent der Fläche, wird er als Unkraut angesehen“, erklärt Grünlandreferent Peer weiter.

Bei dieser Prozentzahl kann Susanna Gasser nur schmunzeln. Die Gärtnerin weiß aus Erfahrung, dass Löwenzahn bei 99 Prozent der Menschen mit Garten als „ungeliebtes Pflanzen-Kind“ angesehen wird. Und das, obwohl er die von vielen so geliebten Bienen und Schmetterlinge anlockt und auch in der heimischen Küche immer öfter Anwendung findet. „Die meisten fragen trotzdem, wie sie ihn loswerden können“, sagt Gasser.

In der Landschaftsgärtnerei Eiterer in Zams, bei der sie seit acht Jahren tätig ist, wird das Ausstechen mit einem speziellen Unkrautausstecher empfohlen. Gasser: „Wichtig ist es, tief zu gehen, die Wurzel wirklich ganz zu erwischen.“ Für größere Flächen gebe es ein Gift, welches zwar ungefährlich für die Bienen sei, aber trotzdem ein Gift bleibe. Auch Peer weiß von chemischen Maßnahmen in der Landwirtschaft, erwähnt sie jedoch nicht. Schließlich handelt es sich meist um Wiesen, die Futterzwecken dienen und deswegen nicht verseucht werden sollen. Da ist es ihm lieber, wenn der gelbe Blütenstaub weiter aufwirbelt.


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