Skitour auf den Glockturm: Mit Blick auf König Ortler

Der Glockturm (3353 Meter) im Kaunertal überzeugt vor allem als Frühjahrs-Skitour. 1000 Höhenmeter im Aufstieg garantieren ein Panorama der Extraklasse.

Der Blick vom Gipfelkreuz aus.
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Feichten – 26 Kilometer, 29 Kehren und ein Höhenunterschied von ca. 1500 Metern: Die Eckdaten zur Kaunertaler Gletscherstraße von Feichten ausgehend sprechen für sich.

Es ist nicht verwunderlich, dass die Auffahrt vor allem bei Radfahrern als äußerst beliebt gilt. So war die Gletscherstraße mehrmals Bestandteil der Österreich-Radrundfahrt. Zuletzt machte sie sich im Zuge des legendären Kaunertaler Gletscherkaisers (heuer abgesagt), einem Radrennen für Amateursportler, einen echten Namen.

Ursprünglich aber und noch lange bevor es den heutigen Wegverlauf überhaupt gab, war es ein Pfad der Besinnung. Vom Wallfahrtsort Kaltenbrunn (Kaunertal) wanderten Pilger über das Weißseejoch (2960 Meter) bis nach Melagg im Langtauferer Tal (Südtirol).

In tieferen Gefilden ist mittlerweile der Frühling eingekehrt. Weiter oben hingegen, ab einer Seehöhe von etwa 2300 Metern, ist die Schneelage noch erstaunlich gut. Deshalb nützten wir zur Wochenmitte am Kaunertaler Gletscher den höheren Ausgangspunkt aus und schnallten uns noch einmal die Tourenski an.

Über schön gestuftes Skigelände geht es auf den Glockturm zu (im Bild ganz hinten).
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Unser Ziel war der 3353 Meter hohe Glockturm, ein echter Frühjahrsklassiker. Ein Berg in den Ötztaler Alpen, der von Osten über das Riffltal nicht wirklich schwierig zu besteigen ist. Von Westen aus gesehen hingegen gilt er als furchteinflößender, fast senkrecht abfallender und unbezwingbarer Koloss.

So kommt man hin: Von Feichten aus folgen wir der Gletscherstraße mit dem Auto, vorbei am Stausee, hin­auf bis zum Eingang ins Riffltal. Etwa 1,1 Kilometer unterhalb des eigentlichen Gletscherparkplatzes (gelbe Hinweisschilder, Seehöhe 2350 Meter) parken wir neben der Straße (kleiner Parkplatz) unser Auto.

Die einzigen Tourengeher sind wir zwar nicht, doch die Menge an Glockturm-Besuchern ist auf zwei Händen abzählbar. Im Gletscher-Skigebiet hingegen herrscht dafür schon recht reges Treiben, auch wenn es erst 6.30 Uhr ist. Ein Grund: Österreichs Skiasse (Herren) haben nämlich wieder mit dem Schneetraining begonnen.

Für Langschläfer ist die Tour also nichts. Ein früher Aufbruch ist ob der Exposition definitiv notwendig. Vor allem sollte man von Innsbruck aus eine Anfahrtsdauer von gut 1,5 Stunden einkalkulieren.

Wir marschieren los. Während die hohen Gipfel längst majestätisch im Licht der Morgensonne erstrahlen, beginnt für uns die Tour „noch“ im Schatten. Aber nur für wenige Höhenmeter, bis auch uns die Sonne erreicht. Entlang des Riffltales und des Baches folgen wir der Spur in Richtung Westen.

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Den Track für die Tour finden Sie unter unter https://go.tt.com/36kmpA2

Nie wirklich steil, und doch ist die eine oder andere Spitzkehre ob der Wegführung zwischen einigen großen Steinen notwendig. Eine erste und leichte Steilstufe ist bald geschafft. Es wird flacher und je höher wir kommen, desto winterlicher wird es.

Über schön kupiertes Skigelände und immer mit Blick auf den Glockturm geht’s taleinwärts weiter, bevor es wieder steiler wird.

Rechts oben in die Einsattelung, also dort, wo die Spuren zu sehen sind, müssen wir hinauf. In Spitzkehren und nun doch ziemlich steil erreichen wir die Einkerbung. Ein guter Platz für das Skidepot, denn jetzt wird es richtig steil.

Wer nicht wirklich sicher auf seinen Ski steht, sollte den finalen Gipfelanstieg eher stapfend absolvieren, zumal ein Ausrutscher in Richtung Westen (senkrecht abfallend) absolut fatal enden würde. Je nach Verhältnissen sind Steigeisen und Pickel empfehlenswert.

Heute passt der Hang. Er ist leicht aufgeweicht und griffig – also perfekt. Also geht’s mit den Ski bis ganz nach oben und somit bis kurz vor das Gipfelkreuz. Die letzten zehn Meter über den felsigen Grat bewältigen wir zu Fuß. Trittsicherheit ist aber auch hier noch gefordert.

Bei der Abfahrt beeindruckt dann das faszinierende Panorama.
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Jene Tourengeher, die vor uns gestartet sind, liegen doch noch etwas zurück, und deshalb gehört der Gipfel für die nächsten Minuten uns. Eine Seltenheit am Glockturm. Fantastisch, unglaublich – die Aussicht in Worte zu fassen, fällt schwer. Ortler, Königspitze, Watze, Wildspitze, Cevedale, Weißkugel, Piz Bernina und viele mehr – man sieht sie einfach alle – hautnah.

Vor allem aber überzeugt uns der mächtige Gepatschferner, übrigens Österreichs zweitgrößter Gletscher nach der Pasterze (Glocknergebiet). Und es ist windstill. Mittlerweile sind auch einige andere Tourengeher am Glockturm eingetroffen und aus einem Smalltalk wird bald eine nette Unterhaltung.

Doch dann gehts für uns wieder retour. Denn zum Mittagessen wollen wir zu Hause sein. Entlang der Aufstiegsroute und bei doch eher bescheidenen Abfahrtsverhältnissen sind wir kurz nach 10 Uhr wieder beim Auto, bevor es über die Kaunertaler Gletscherstraße in Richtung Land­eck geht.

Ein Foto am Stausee muss aber noch sein. Als einer der bedeutendsten Stauseen Österreichs wurde er zwischen den Jahren 1961 und 1964 erbaut und ist der zehnthöchste Schüttdamm der Welt und zugleich mit 153 Metern der höchste Schüttdamm in Österreich. Seine Krone ist 600 Meter lang und in einem durchschnittlichen Wasserjahr können 661 Gigawattstunden elektrische Energie erzeugt werden, was einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 189.000 Haushalten entspricht. (flex)

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