Maske als Urlaubsdämpfer? Die Sorgen der Tiroler Hoteliers

Die Ferienhotellerie sieht die Maskenpflicht als Stolperstein. Die Stadthotellerie braucht internationale Gäste und Veranstaltungen. Hauptsache offen, heißt es aus Kitzbühel.

Keine Maske, aber zehn Quadratmeter pro Person sind in der Sauna vorgeschrieben. Das bringt Schwierigkeiten für Wellness-Hotels.
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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Ab 29. Mai dürfen Hotels wieder aufsperren. Unter welchen Voraussetzungen, liegt nun auf dem Tisch (siehe Kasten unten). Ob alle Hotels die Türen öffnen, bleibt fraglich. Die Urlaubslaune bei den Gästen halte sich in Grenzen, meint Hotelier Johann Rieser. „Wir haben immer noch mehr Stornos als Buchungen. Solange die Maskenpflicht nicht fällt, haben wir keine Chance.“ Der Mund-Nasen-Schutz vernichte das Urlaubsfeeling. Rieser betreibt ein großes, gehobenes Familienhotel in Maurach am Achensee.

Die gesamte Region ist stark vom Sommer abhängig, wo insgesamt 6,2 Millionen Gäste nach Tirol kommen. „Wir überlegen noch, ob wir im Juni aufsperren. Wir haben Stornos in der Höhe von zwei Millionen Euro.“ Einfacher sei es, den Betrieb im Juni zuzulassen. „Da würden wir mehr verdienen.“ Aber geschlossene Hotels seien wohl kaum eine Alternative. Normalerweise ist das Hotel ganzjährig, außer im November, im Betrieb. 85 Mitarbeiter hat Rieser. Wenn er wieder aufsperrt, will er mit 40 Angestellten, die derzeit in Kurzarbeit sind, anfangen. Ein halbvolles Haus, da müsse er eigentlich einen höheren Preis verlangen. „Wenn die Gäste gleich viel zahlen wie das letzte Jahr, dann wollen sie auch das Hallenbad, die Sauna, den Kinderclub und das Buffet uneingeschränkt nützen können.“

Ebendas ist durch die Corona-Maßnahmen nicht möglich. In der Sauna sind pro Person zehn Quadratmeter vorgesehen. „Da brauch’ ich die Sauna gar nicht einzuschalten“, sagt Harald Ultsch. Er hat mit seiner Kette sechs Standorte in München, Zürich und Österreich. In Innsbruck betreibt er ein gehobenes Stadthotel im Zentrum. „Vom Geschäftmachen reden wir noch gar nicht.“ Einen Teil der Auflagen, wie abgepackte Sachen am Buffet bereitzustellen, hält er für handhabbar. „Gut ist auch, dass nicht der gesamte Betrieb geschlossen wird, wenn ein Corona-Fall auftritt.“ Ansonsten mangle es am Urlaubsfeeling. „Die Unsicherheit, wie es weitergeht, schlägt den Leuten auf die Psyche.“ Auch Ultsch möchte die Maskenpflicht überdacht wissen. Die Stadthotellerie sieht er in einer noch schwierigeren Lage als die Ferienhotellerie. Ohne internationale Gäste, ohne Veranstaltungen würden die Übernachtungen in Städten ausbleiben.

In Kitzbühel sitzt Christian Harisch auf der Terrasse seines Restaurants. „Am Freitag haben wir geöffnet, am Montag hatten wir sechs Anzeigen am Tisch.“ Anonyme Anrufer hätten zu wenig Abstand, zu laute Musik, eine Corona-Party, jemanden ohne Maske und zu viele Gäste bei den Behörden gemeldet. „Wie im Überwachungsstaat“, sagt Harisch. Die Vorwürfe würden nicht stimmen. Im Hinblick auf die Hotelöffnung fordert er ein Umdenken. Die Behörden mögen mit Hausverstand agieren und die Einheimischen froh um die Gäste und die Zweitwohnsitzler sein. „Die brauchen wir wie einen Bissen Brot.“ Die Gastfreundschaft gehöre gelebt wie in den 1950er-Jahren. „Da war jedem klar, dass wir von den Deutschen leben.“ Die Nachfrage im Hotel sei verhalten. Harisch rechnet mit einem Minus von 30 Prozent, im schlimmsten Fall von 50 Prozent im Sommer. „Und im Winter ist vieles offen und ungewiss.“

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Optimismus will der Sprecher der Branche in der Wirtschaftskammer, Hotelier Mario Gerber, verbreiten. „Wir haben schärfere Maßnahmen abgewandt. Jetzt sind sie sicher und praxistauglich.“ Österreich – und Tirol – wolle zum „sichersten Urlaubsland“ werden. Das sei bei der Buchungsentscheidung wichtig, die Testung der Mitarbeiter hält er für einen Startvorteil.

Gerbers Hotel im Kühtai ist im Sommer immer geschlossen. Der Branchensprecher ist zuversichtlich, dass die meisten Betriebe in Tirol öffnen, räumt aber ein, dass sich die Städtehotellerie besonders schwertue. „Die trifft es bombastisch hart.“

Abstand halten im Becken

Verordnungen zur Lockerung der Corona-Maßnahmen gibt es derzeit viele. Einen Überblick bietet www.sichere-gastfreundschaft.at. Ab 29. Mai können Hotels aufsperren.

Für Gäste gilt: Abstand halten, die üblichen Hygieneregeln, der Mund-Nasen-Schutz muss an der Rezeption und im Eingangsbereich des Hotels getragen werden.

📌 Selbst am Beckenrand oder im Schwimmbad gilt die Abstandsregelung. Bei den Liegen ist ein Meter Abstand einzuhalten.

📌In der Sauna sitzt man am besten allein oder mit Menschen aus demselben Haushalt. Ansonsten gelten pro Person zehn Quadratmeter. Empfohlen wird den Hoteliers, Termine für die Sauna auszugeben. Aufgüsse kann man sich abschminken. Vom Wedeln mit dem Handtuch wird abgeraten.

📌 Weitaus mehr zu beachten haben die Gastgeber. Es gibt Anweisungen wie, das Infektionsrisiko gering zu halten ist, welche Reinigungsmaßnahmen es braucht und wie die Mitarbeiter auf ein Leben in Corona-Zeiten zu schulen sind.

📌 Die Verweildauer des Gastes an der Rezeption soll demnach möglichst kurz sein, Stausituationen gelte es durch Besucherlenkung zu vermeiden. Die Leitlinien sehen vor, beispielsweise die Essenszeiten zu staffeln.

📌 Buffets sind zugelassen, Übernachtungsgäste können mit Handschuhen, nach dem Händewaschen oder mit Einwegbesteck die offen präsentierten Speisen und Getränke entnehmen.


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