Milizoffizier kritisiert Corona-Einsatz: „Hat nichts mit unserem Auftrag zu tun“

Brigadier Michael Schaffer, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, übt harsche Kritik an den Umständen der Mobilmachung.

Milizsoldaten an der steirisch-slowenischen Grenze in Bad Radkersburg, wo sie die Polizei unterstützen.
© APA

Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien, Salzburg – Vergangenen Montag hat die Anfang Mai wegen der Corona-Krise eingerückte Miliz offiziell ihren Einsatz begonnen. Vom Bewachen von Botschaften, Patrouillen entlang der Grenzen bis zur Unterstützung im Logistikzentrum der Post (siehe Einspalter) reichen die Aufgaben. Es ist die erste Teilmobilisierung der Miliz in der Zweiten Republik, rund 1400 Milizionäre versehen diesen historischen Dienst.

Michael Schaffer (Milizverbände): „Die Aufgabenstellung will ich nicht kommentieren. Jetzt sind die Soldaten halt da und bemühen sich sehr.“
© Huber

Brigadier Michael Schaffer, Präsident der Bundesvereinigung der Milizverbände, ist allerdings nicht in Jubelstimmung. Gegenüber der TT bilanziert er in einer ersten Manöverkritik ziemlich erbarmungslos: „In der Schweiz, wo innerhalb von drei Tagen die Mobilmachung erfolgte, rüstet die Armee schon wieder ab. Bis bei uns die Miliz zum Einsatz kommt, ist das Gröbste schon vorbei“, urteilt der streitbare Milizoffizier. Wobei er die Einberufung an sich sehr wertvoll findet, „aber so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung, ist nicht okay“, erklärte Schaffer im TT-Gespräch. Er spricht von Chaos in den ersten beiden Wochen, was auf den Umstand zurückzuführen sei, dass es keine wiederkehrenden, verpflichtenden Milizübungen mehr gibt.

„Bei der Feuerwehr wäre es undenkbar, dass nicht geübt wird. Oder dass ein Orchester, das nie zusammenspielt, ein Konzert geben muss. Man mag sich nicht vorstellen, was in Österreich los ist, wenn einmal wirklich ein militärischer Einsatz notwendig ist“, kritisiert der Brigadier. Für ihn ist klar: Der jetzige Einsatz ist „weit weg vom Grundauftrag des Bundesheers“. Sollte es etwa eine Bedrohung durch Terror geben, „ist hinten und vorne Feuer am Dach, wenn die Mobilmachung Wochen oder Monate dauert“. Die Anzahl der Befreiungen habe mit 40 Prozent ein „unvertretbares Ausmaß“ angenommen, so der Milizexperte. Das habe freilich auch mit dem langen Vorlauf zwischen Bekanntmachung und Einberufung zu tun: „Müsste bei uns die Miliz binnen drei Tagen bereitstehen, wären vermutlich 90 Prozent anwesend“, schätzt Schaffer.

Der Brigadier hat bereits in der Vergangenheit mit Kritik am Generalstab nicht hinter dem Berg gehalten. Dort sei über Jahre ein Berufsheer befürwortet und die Miliz ausgehungert worden. Dass die historische Mobilmachung nun etwas daran ändert, das bezweifelt er freilich.

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