Der Spaß soll nicht baden gehen: Tirols Freibäder öffnen unter strengen Auflagen

Am kommenden Freitag öffnen Tirols Freibäder – Corona-bedingt unter strengen Auflagen. Die Betreiber stehen vor einem Spagat zwischen Regeltreue und Vergnügen für die Gäste.

Pro sechs Quadratmeter Wasserfläche darf laut Verordnung des Bundes nur ein Badegast ins Schwimmbecken. Auch im Wasser soll ein Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter gewahrt werden. (Archivfoto)
© Julia Hammerle

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Später als sonst startet sie heuer, fällt aber immerhin nicht ganz ins Wasser. Die Saison in den Tiroler Freibädern kann am kommenden Freitag, den 29. Mai, beginnen. Corona-bedingt sind die Auflagen streng, die neuen Regeln stellen viele Einrichtungen vor eine große Herausforderung. Dass das Vergnügen der schwimmfreudigen Gäste nicht darunter leidet, ist den Verantwortlichen der Tiroler Bäderbetreiber aber ein großes Anliegen, betonen sie gestern unisono bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

10 Quadratmeter Liegefläche pro Gast

„Die Bevölkerung ist gezwungen, sich an neue Regeln zu halten“, sagt Bernhard Wanner, der für die Bäderbetreiber zuständige Fachgruppengeschäftsführer in der Tiroler Wirtschaftskammer (WK). Beispielsweise sehen die vom Bund erlassenen Sicherheitsbestimmungen vor, dass pro 10 Quadratmeter Liegefläche, die in einer Anlage zur Verfügung stehen, ein Gast eingelassen werden darf. Pro sechs Quadratmeter Wasserfläche darf ein Gast schwimmen gehen. Sprich: In ein Becken, das 60 Quadratmeter groß ist, dürfen zehn Menschen steigen.

Während sich der Zugang zum Gelände der Bäder relativ leicht regeln lasse, sehe es bei der Zahl jener, die sich zeitgleich in einem Schwimmbecken aufhalten dürfen, schon anders aus, meint Wanner: „Appelliere ich als Bademeister an den Hausverstand? Oder packe ich gleich die Trillerpfeife aus? Würden die Vorgaben ganz militärisch durchexerziert, hörte sich der Badespaß bald mal auf“, meint Wanner und plädiert für eine faire und umsichtige Auslegung der Corona-Regeln in den Bädern. Ulrich Mayerhofer, Obmann der Tiroler Bäder, stößt ins gleiche Horn.

Zwar sei eine Missachtung der Bestimmungen grundsätzlich gleichzusetzen mit einem Verstoß gegen die Badeverordnung – was so viel heißt wie, dass ein Gast, wenn nötig mit Unterstützung der Polizei, des Schwimmbades verwiesen werden kann. „Damit rechnen wir aber nur in Ausnahmefällen, wenn sich jemand etwa vorsätzlich falsch verhält und sich gar nicht belehren lässt.“

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Mindestabstand im Becken, Maskenpflicht in Innenräumen

Neben den Zugangsbeschränkungen gibt es weitere Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa das Halten eines Mindestabstandes von einem Meter – das gilt sowohl generell in den Anlagen und auf den Liegewiesen wie auch in den Becken, besonders am Beckenrand und in den Nichtschwimmerbecken.

Die Gäste sind angehalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Außerdem sind in Innenräumen, wie beispielsweise Sanitäranlagen, Masken verpflichtend. Davon ausgenommen sind so genannten „Feucht-Räume“, wie beispielsweise Schwimmhallen. Kein Mund-Nasen-Schutz muss im Freien getragen werden.

„Mir ist derzeit kein Freibad bekannt, das nicht aufsperren will“, sagt Bäder-Obmann Mayerhofer. Anders sehe es bei den Hallenbädern aus, die aufgrund der geringeren Fläche weniger Leute einlassen dürfen. Fachgruppengeschäftsführer Wanner ergänzt: „Wenn sie wirtschaftlich grundsätzlich nicht gut dastehen, werden sie überlegen, überhaupt geschlossen zu halten.“

Hoffen auf Nachbesserungen bei Saunas und Co.

Noch viel dramatischer sei die Lage in Wellnessbereichen, da etwa Saunas nur alleine oder gemeinsam mit Menschen, die im gleichen Haushalt leben, besucht werden dürfen. „Für Hotels oder Anlagen, die speziell darauf spezialisiert sind, ist das problematisch“, meint WK-Experte Wanner. „Hier hoffen wir aber, dass die Bundesregierung noch einmal nachbessert und die Regeln nach Rücksprache mit der Expertengruppe des Gesundheitsministeriums gelockert werden.“

Knapp 80 Prozent der Menschen im Land besuchen in „normalen“ Sommern ein Freibad, wie eine von der WK in Auftrag gegebene Umfrage des Instituts für Marktforschung und Datenanalyse (IMAD) unter 520 Tirolern ergab. „Immerhin sieben von zehn Befragten halten es für sinnvoll, dass auch heuer die Bäder öffnen“, berichtet IMAD-Chefin Barbara Traweger-Ravanelli. Jedoch wollen 62 Prozent der Befragten den Besuch der Freibäder und 42 Prozent jenen in Seebädern heuer zumindest einschränken. Saisonkarten gibt es in den Tiroler Anlagen heuer keine, jedoch soll es, wo möglich, einen Online-Vorverkauf geben, was 56 Prozent der Befragten positiv bewerteten.

Übrigens: Es besteht keine Gefahr, sich über das Wasser mit dem Coronavirus anzustecken, sagt Ulrich Mayerhofer. „Chlor tötet die Erreger ab. Das Risiko besteht weiterhin durch Tröpfcheninfektion. Deshalb: Abstand halten.“


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