Mit Weißer Rose aufs Traumschiff: Schubert drückte Route Stempel auf

Kaum war das Ausgehverbot aufgehoben, machte sich Ausnahmekletterer Jakob Schubert auf den Weg. Der führte die Olympia-Hoffnung unter anderem auf den Wilden Kaiser und ins Zillertal. Samt Erstbegehung.

Als erst dritter Kletterer durchstieg Jakob Schubert die „Weiße Rose“ am Wilden Kaiser.
© florian murnig

Von Max Ischia

Innsbruck – Was Jakob Schubert mit Johnny Cash am Hut hat? Nicht viel. Und doch animierte die US-Country-Legende den dreifachen Kletter-Weltmeister quasi als Namensgeber für eine 9a-Erstbegehung im Zillertal, die nun den Namen „Walk the line“ trägt. Für weniger kletteraffine Leser: Gelingt einem Athleten eine Erstbesteigung, so kann dieser der Route einen Namen geben. So wie beispielsweise ein Tierforscher, der eine neue Schmetterlingsart entdeckt.

Hauptsache Klettern – Jakob Schubert spulte in den vergangenen Wochen auch am Fels ein bemerkenswertes Programm ab.
© Simon Rainer

Nach 36 Tagen Lockdown und gewiefter Trainingsimprovisation im Garten seiner Wohngemeinschaft war die Freude jedenfalls überbordend, als der freiheitsliebende Kletterstar wieder raus in die Tiroler Felsen durfte. Dass der 29-Jährige vor lauter Hochgefühl beim Rucksackpacken auf die Jause vergaß, ist nicht mehr als eine Randnotiz.

Der Weg führte Schubert erst einmal zum Schleierwasserfall in Going am Wilden Kaiser. Dort thront eine 9a-Route namens „Weiße Rose“. Erstgeklettert von Alex Huber, einem der beiden Huber-Buam. Das war 1994. Da war Klein Jakob gerade einmal drei Jahre alt. Seither wurde diese Route nur noch vom Tschechen Adam Ondra – für Schubert der beste Kletterer der Gegenwart – gemeistert. Und nun also von ihm selbst. „Vor einem Jahr gab es die erste Berührung mit der Route bei einem Fototermin mit Heinz Zak. Ab da war das Feuer der Begeisterung entfacht“, erzählt der Innsbrucker, der sich am 30. April schließlich die „Weiße Rose“ – im insgesamt sechsten Versuch – krallte. Es wäre nicht Schubert, würde er seinem Vorgänger – im buchstäblichsten Sinne des Wortes – Rosen streuen. „Schon sehr beeindruckend, dass Alex Huber eine solch schwierige Tour bereits 1994 geklettert ist.“

🎥 Video: Jakob Schubert – Lockdown to Rock-down

Weiter ging es ins Zillertal, wo sich der Boulder-Vizeweltmeister des Vorjahres just 2019 am Boulder namens „Traumschiff“ die Zähne ausgebissen hatte. Diesmal war der Innsbrucker fit und entschlossen genug und meisterte jedes Problem. Damit nicht genug, drückte er einer neuen 9a-Route seinen Stempel auf und nannte sie – wie anfänglich erwähnt – „Walk the line“.

Mittlerweile ist beinahe wieder so etwas wie Alltag eingekehrt im Leben des Jakob S. „Kann man so sagen“, sagt einer, der dieser Tage halt nur dreimal statt fünfmal im Kletterzentrum Innsbruck trainiert, und das zeitlich beschränkt. „Zusätzlich zu meinen Zweieinhalb-Stunden-Trainings habe ich noch zwei Speed-Einheiten. Das Seltsame ist halt, dass wir in einer komplett leeren Halle klettern.“ Nicht mehr lange: Wie die Schwimmbäder öffnet auch die KI-Halle am 29. Mai.

Im insgesamt sechsten Versuch krallte sich Schubert die "Weiße Rose".
© Florian Murnig

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