Großzügig abgespeckt: Festspiele und Theater blicken nach vorn

Die Salzburger Festspiele werden in reduzierter Form von 1. bis 30. August stattfinden. Auch das Burgtheater, wo Direktor Martin Kušej gestern seine zweite Spielzeit präsentierte, rüstet sich für den Neustart.

Das Festspiel-Direktorium: Lukas Crepaz (kaufmännischer Direktor), Helga Rabl-Stadler (Präsidentin) und Markus Hinterhäuser (Intendant).
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Salzburg – Die Salzburger Festspiele trotzen – wie erwartet – der Corona-Krise: Von 1. bis 30. August wird es zum 100-Jahr-Jubiläum Festspiele geben, die nicht mehr viel mit dem zu tun haben, was in den Programmheften steht. Aber: „Sie fallen großzügiger aus, als vermutet wurde, und es wird Aufführungen aller Genres geben, also auch szenische Produktionen im Musiktheater und im Schauspiel“, so Intendant Markus Hinterhäuser.

Das genaue Programm soll Ende kommender Woche präsentiert werden. Statt 200 Vorstellungen an 44 Tagen werden es nun rund 90 Aufführungen an 30 Tagen geben, statt 235.000 Karten nur rund 70.000, und die Zahl der Spielstätten wird von 16 auf sechs reduziert, wobei die drei Festspielhäuser das Epizentrum bilden werden.

Innsbrucker Theater: Kleine Schritte zurück zum Normalbetrieb

Die Pressekonferenz von Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer wurde auch in Tirols Theatern gespannt verfolgt. Und ein erstes Fazit fällt durchaus positiv aus. Expertise und Bemühen seien spürbar, erklärt Landestheaterintendant Johannes Reitmeier. Im Haus am Rennweg wird derzeit intensiv daran gearbeitet, die nun ermöglichten Lockerungen umzusetzen. So sollen ab Juni erste szenische Proben stattfinden. Gearbeitet werde aber vorerst weiterhin in kleineren Gruppen, so Reitmeier. Ein detailliertes Sicherheits- und Hygienekonzept für die verschiedenen Spiel- und Probestätten gibt es bereits.

Dass sich die Corona-Pandemie auf den Spielplan von Tirols größtem Kulturbetrieb auswirken wird, hatte Reitmeier bereits angekündigt. So dürften die von der Theaterschließung Mitte März betroffenen Musiktheaterproduktionen „Katja Kabanowa“ von Leos Janácek und Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ im Herbst doch noch zur Premiere kommen.

Auch Manfred Schild, Leiter des Innsbrucker Kellertheaters, unterstreicht: „Wir wären so weit.“ Er geht aber davon aus, dass es noch Zeit braucht, bis sich auch das Publikum bereit fühlt. „Theater geht in zwei Richtungen. Solange die Zuschauer das Gefühl haben, sich schützen zu müssen, ist Normalität gerade in kleinen Theatern nicht möglich.“ Trotzdem hoffe er, noch vor dem Herbst wieder Programm anbieten zu können.

Neben Oper und Schauspiel soll es Orchester-, Solisten- und Kammerkonzerte geben. Herzstück des abgespeckten Jubiläums wird, auch das hat sich abgezeichnet, der „Jedermann“ auf dem Domplatz sein. Große Produktionen, die heuer nicht stattfinden können, sollen auf 2021 verschoben werden.

Das Budget für heuer, das mit 68,8 Mio. Euro so üppig wie noch nie ausgefallen ist, wird nun auf 38 bis 40 Millionen Euro zusammengestutzt, wobei die Subventionen von Bund, Land, Stadt und Tourismus­förderungsfonds mit 18,8 Mio. Euro unverändert bleiben. Und Rabl-Stadler hofft, auch die Sponsoren bei der Stange halten zu können. (TT, APA)

Wiener Burgtheater: Kein Coronaspielplan, der trotzdem passt

Trotz der derzeitigen Unsicherheit hat man am Wiener Burgtheater Pläne für die Spielzeit 2020/21 geschmiedet und sie gestern öffentlich gemacht. „Ich hoffe, dass die Zeit für uns arbeitet und dass wir im Herbst mit möglichst wenigen Einschränkungen spielen können“, so Direktor Martin Kušej. Eröffnen will er seine zweite Spielzeit am Burgtheater am 11. September mit Calderons „Das Leben ist ein Traum“. Regie führt der Hausherr selbst.

Die ursprünglich geplante Eröffnungspremiere „Maria Stuart“ – eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen – bleibt „in Planung“. Diese Produktion hätte man im April proben müssen, sagt Kušej. Daher habe er das Ruder umgeworfen. Mit seinem Schauspielern und dem technischen Stab will Kušej künftig „wie im Fußball“ kleine Einheiten bilden, die jeweils im Pool getestet werden.

Er habe keinen Corona-Spielplan gemacht, so Kušej. „Im Theater sollte man im Grunde gegen jede Krise gewappnet sein. Daher ist vieles ohne eine Ahnung von Krise geplant worden und passt natürlich trotzdem.“ Zentrales Thema der Saison ist „Politik der Körper“. Ein Schwerpunkt liegt auf Gegenwartsdramatik. Sechs Ur- und zehn Erstaufführungen hat Kušej ­angesetzt. Darunter Stücke von ­Rainald Goetz („Reich des Todes“) und Andreas Melle („Ode“).

Einen theatralen Dialog könnte es mit den Salzburger Festspielen geben. Frank Castorf wird an der Burg Peter Handkes „Zdenek Adamec“ inszenieren. Dessen Uraufführung ist in der Regie von Friederike Heller in Salzburg geplant. Sollte die ausfallen, müsste der Termin wohl überdacht werden: „Wir sind die Nummer zwei – und von Castorf ist kein werkgetreuer Ansatz zu erwarten.“


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