Besuch bei Verwandten in Deutschland als Hürdenlauf für Tiroler

Nach uneinheitlichen Grenzabfertigungen stellt das Land Tirol nun klar, dass es nach einem Besuch von nahen Verwandten in Deutschland keinen Covid-Test benötigt.

(Symbolfoto)
© dpa

Von Reinhard Fellner

Kufstein, Innsbruck – Die Corona-Pandemie stellt so ziemlich alle Teile der Gesellschaft vor Herausforderungen – nicht zuletzt die Behörden, welche sich derzeit in einem wahren Verordnungsdschungel befinden. Rechtsunsicherheit kann freilich auf Bürger zurückfallen, wie in Fällen am Autobahngrenzübergang in Kufstein/Kiefersfelden.

Dort wollte unter anderem ein im Unterland wohnhaftes Ehepaar nach dem Besuch von engen Angehörigen in Deutschland wieder in die Heimat einreisen. Die Polizei leitete den Pkw daraufhin in die Spur der für das Gesundheitsministerium tätigen Miliz weiter. Dort musste das Paar, das zuvor schon zweimal ohne jegliche Beanstandung nach Deutschland ein- und ausgereist war, aber erfahren, dass es nun nur noch mit aufrechter Covid-19-Gesundheitsbescheinigung einreisen dürfe. Alternative: Weiterfahrt mit Auflage einer 14-tägigen Quarantäne oder umgehender Besuch des Hausarztes.

Verdutzt stimmte das Paar den Auflagen zu, um ja noch die Heimfahrt antreten zu können. Zu Hause angekommen, konsultierten die nun plötzlich unter Quarantäne Stehenden gestern Morgen ihren Hausarzt, um sich für einen Covid-Test anzumelden. Dieser schüttelte aber nach der Vorgeschichte nur den Kopf – hatte doch auch er aus den Medien vernommen, dass bei Glaubhaftmachung des Besuchs von nahen Verwandten ein berücksichtigungswürdiger Grund für eine Aus- und Einreise vorliegen würde – bei der Wiedereinreise nach Österreich sei kein Gesundheitszeugnis mehr erforderlich bzw. keine Heimquarantäne mehr anzutreten.

So schreibt es jedenfalls die seit letzten Dienstag gültige Verordnung des Gesundheitsministeriums vor und schließt als familiäre Gründe auch beispielsweise Obsorgepflichten und Familienfeste, wie Hochzeiten und Taufen, mit ein.

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Noch bevor sich das Paar zum Hausarzt begeben hatte, kam ein Anruf der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Mit Bedauern nahm die Behörde die Quarantäne zurück und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten.

Florian Kurzthaler, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Landes: „In diesem Fall ist den Bürgern tatsächlich Unrecht widerfahren. Laut Bezirkshauptmannschaft handelte es sich um einen individuellen Fehler eines Assistenzsoldaten, der gerade frisch seinen Dienst angetreten hatte und offenbar mit der Rechtslage noch nicht ausreichend vertraut war.“ Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer reagierte noch gestern umgehend: „Eine Nachschulung hat bereits stattgefunden“, so Kurzthaler.


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