Werbung für Gewerbepark in Kirchdorf sorgt für Verwunderung

Ein Zusammenhang zwischen einer Widmung und einem Einstieg beim Liftprojekt in Kirchdorf wird von allen Beteiligten ausgeschlossen.

Auf dieser Fläche in Kirchdorf soll der Habachpark entstehen.
© Michael Mader

Von Michael Mader

Kirchdorf i. T. – Die Firma Unterberger Immobilien wirbt seit Wochen mit Inseraten um Käufer bzw. Mieter für den so genannten Habachpark in Kirchdorf. Die Krux an der Sache: Den Habachpark gibt es noch gar nicht und das ins Auge gefasste rund 20.000 Quadratmeter große Feld ist auch nicht entsprechend gewidmet.

Kein Wunder, dass in Kirchdorf die Gerüchteküche brodelt: So heißt es, dass die Firma Unterberger als Gegenleistung für die entsprechende Widmung des Grundstücks rund zwei Millionen Euro in das geplante „Projekt 365“ investieren wird. Dabei handelt es sich um eine Ganzjahresattraktivierung des bestehenden Liftes. Dessen Hauptattraktion ist der „Mountain Flyer“, ein „Schienengleiter“ mit dem auf einer Länge von fast zwei Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern ins Tal gerast wird. „Der längste und schnellste der Welt“, bekräftigte Skilift-Geschäftsführer und Gemeinderat Florian Schluifer bei einer Präsentation im Vorjahr.

Bei der Talstation des Sessellifts ist ein Erlebnis- und Gastronomiebereich für bis zu 200 Personen vorgesehen. Weiters wären unter anderem die größte Freiluftschaukel Österreichs und ein Freifall-Erlebnis aus 20 Metern Höhe geplant.

Die Kosten des Gesamtprojekt belaufen sich auf 9,6 Millionen Euro. Derzeit ist der Projektpartner auf der Suche nach Sponsoren für das Unterfangen.

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Vor gut drei Wochen hat es Gespräche mit den Skilift-Eigentümern (70 Prozent Gemeinde, 30 Prozent TVB und Private) gegeben, wie es aufgrund der aktuellen Situation heuer im Winter mit dem Skilift weitergehen kann. „Gerüchte, dass der Lift abgerissen werden soll, stimmen nicht“, sagt Schluifer, will aber keine weiteren Details nennen. Auch aufgrund der Corona-Krise könne er sich vorstellen, dass es eine etwas abgespeckte Variante des Großprojekts geben könnte. Die Sponsorensuche habe die bayerische Firma Sports Unlimited übernommen. Man sei in Gesprächen mit zwei heimischen Größen, Namen wolle Schluifer aber noch keine nennen. Einen Zusammenhang zwischen Widmung und Sponsoring schließe er aber aus.

Ebenso Bürgermeister Gerhard Obermüller: „In Kirchdorf werden mehrere Entwicklungsbereiche untersucht bzw. das Potenzial eruiert, darunter auch das Projekt 365 Tage. Eine Verquickung ist weder gefordert noch gewünscht. Alle Projekte haben eigenständig zu funktionieren, dies ist mit einem Businessplan zu belegen.“

Derzeit liegt die Fläche im Freiland. „Für eine etwaige Umwidmung in Bauland sind weiters noch der positive Gemeinderatsbeschluss (geheime Abstimmung) als auch der Abschluss eines Raumordnungsvertrages mit Höchstpreisbindung und Bebauungsfrist notwendig“, sagt Obermüller.

Josef Feichtner, Geschäftsführer von Unterberger Immobilien, verteidigt das Vorgehen als üblich am Markt: „Wir wollen die Fläche ja optimieren, was den Kauf betrifft, deshalb die Inserate. Die Fläche ist im Raumordnungskonzept ja bereits als künftiges Gewerbegebiet ausgewiesen und es hat ein Architektenwettbewerb stattgefunden.“ Für die Fläche gebe es eine Kaufoption für Unterberger Immobilien. Auch Feichtner kann keinen Zusammenhang zwischen dem Habachpark und dem Liftprojekt erkennen, wiewohl er davon weiß, dass das Projekt an die Firma Unterberger herangetragen worden ist. Er tritt aber auch Gerüchten entgegen, wonach auf der Wiese ein Einkaufszentrum und 100 Wohnungen entstehen sollen.

„Wir planen einen Lebensmittelmarkt, ein Café, ein Restaurant, Büros und eine Schaufläche. Im hinteren Bereich würden sich Wohnungen anbieten, wie viele das sind, kann ich nicht sagen. Es entstehen aber mehr als 100 Arbeitsplätze“, erklärt Feichtner. Auf alle Fälle habe die Gemeinde die Hand drauf, alle Mieter oder Käufer würden mit den Verantwortlichen abgesprochen werden.


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