US-Wahlkampfspenden beeinflussen Aktienkurse

Derzeit ist Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Konzerne unterstützen die Kandidaten mit Spenden, das kann die Aktienkurse steigen lassen.

2,4 Mrd. Dollar gaben der jetzige US-Präsident Donald Trump und seine demokratische Rivalin Hillary Clinton im Wahlkampf 2016 aus.
© AFP

Von Frank Tschoner

Innsbruck – „Die US-Politik ist käuflich, käuflicher als bei uns in Österreich“, schildert Jürgen Huber, Leiter des Instituts für Banken und Finanzen an der Uni Innsbruck. In Wahlkämpfen sind Demokraten und Republikaner auf Spenden angewiesen. Da gibt es neben den Kleinspenden auch die sehr großen Schecks, die an die Parteien gehen. Huber und sein Team haben untersucht, welche Auswirkungen die Millionen-Spenden eines Konzerns haben. In einer Studie kommt er zum Ergebnis: Je mehr man gespendet hat und je mehr an den Sieger, umso besser ist das für die Rendite.

Die wirklich spendablen Unterstützer sind Unternehmen, die auf staatliche Aufträge angewiesen sind. Auch dort, wo die Regierung über Regulierungen entscheidet, wird tief in die Geldbörse gegriffen. Hier tun sich besonders Internetkonzerne, Bank- und Finanzinstitute sowie die Ölindustrie hervor.

„Der US-Präsident hat mit seiner Regierung enormen Einfluss auf die Gewinne der Unternehmen“, sagt Huber. Und nennt zwei Beispiele: Georg W. Bush hat der Ölindustrie erlaubt, in Naturschutzgebieten nach Öl zu bohren. US-Präsident Barack Obama entzog Airbus einen Auftrag von Tankflugzeugen im Wert von 40 Milliarden Dollar und schaufelte ihn zu Boeing. „Wenn eine Firma 10 Millionen Dollar gibt, dann ist das kein Geschenk, die Unternehmen sehen das als Investment“, erklärt Huber.

Wer spendet nun für wen? Die Erdöl- und Rüstungsindustrie werden laut dem Wissenschafter eher den Republikanern zugeordnet. Die Demokraten können auf die Sektoren erneuerbare Energie, Hightech und Entertainment zählen.

Und es geht um riesige Spendensummen. So wurden im Präsidentschaftswahlkampf 2016 zwischen Hillary Clinton und Donald Trump rund 2,4 Milliarden Dollar ausgegeben. Jeder der Kandidaten konnte sich laut Huber auf etwa 1,2 Milliarden stützen.

Nachdem der Gewinner der Wahl feststand, hat sich Huber angeschaut, welche Auswirkungen die Spende auf den Aktienkurs des jeweiligen Unternehmens hatte. „Die besonders viel an den Sieger gegeben hatten, deren Aktienkurs entwickelte sich im Schnitt 10 Prozent über dem Marktniveau, die, die den Verlierer unterstützt hatten, blieben bei der Kursentwicklung um 10 Prozent unter dem Markt“, erläutert der Universitätsprofessor. Der Beobachtungszeitraum betrug zwei Jahre.

Es gibt jedoch auch Konzerne, die beide Kandidaten in ungefähr gleicher Spendenhöhe unterstützen. Sie wollen sich auf jeden Fall den Zutritt zum Weißen Haus sichern. Als Beispiel führt Huber den Hedge-Fonds Renaissance Technologies an: Mit 15 Millionen war er die Nummer eins unter den Trump-Spendern, 16,6 Millionen flossen Clinton zu. „Diese Unternehmen, die am meisten gegeben haben, profitieren auch mehr. Ihre Kursentwicklung liegt 15 bis 30 Prozent über dem Markt“, erklärt Huber.

Er selbst ist kein Fan der österreichischen Parteienfinanzierung: „Wenn ich aber die Zustände in den USA sehe, dann ist mir unser System lieber.“ Auch rät er, in Europa den Lobbyismus im Auge zu behalten, „damit er nicht so stark wird“.


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