Über die Hälfte der Tiroler Hotels sperrt bis Juni auf, gute Buchungslage

Hotels dürfen ab morgen wieder öffnen, Mario Gerber, Hotellerieobmann, blickt optimistisch in den Sommer. Kritik übt er an Versicherungen.

Derzeit werden Betten überzogen und Zimmer hergerichtet für ein langsames Aufsperren.
© andresr

Von Verena Langegger

Innsbruck – Hoteliers, die morgen aufsperren, sind derzeit im Stress. Denn „ein Hotel kann nicht einfach so aufgesperrt werden“, sagt Mario Gerber, selbst Hotelbesitzer, aber auch deren Vertreter in der Wirtschaftskammer. Geräte müssen eingeschaltet, Zimmer hergerichtet und Mitarbeiter eingeschult werden. Umgebaut muss zur Verhinderung einer Ausbreitung des Coronavirus „glücklicherweise“ nicht, sagt der Hotellerieobmann, der Einbau einer Plexiglasscheibe an der Rezeption sei mit Kosten von rund 250 Euro überschaubar. Und er erwartet weitere Lockerungen. „Ich höre, dass die Maskenpflicht (im Eingangsbereich, Anm.) und die Sperrstunde (23 Uhr, Anm.) diskutiert werden.

Es werde eher ein „Soft Opening“ morgen. Genaue Zahlen gebe es nicht, bis Juni sollen aber über 50 Prozent der Betriebe offen sein. In einigen Regionen gebe es auch schon ab morgen Buchungen. So richtig durchstarten werde die Tiroler Hotellerie aber erst mit der Grenzöffnung am 15. Juni. Und die Buchungslage sei gut, zwei Drittel der geöffneten Hotels seien dann auch ausgelastet, hat Gerber gehört: „Ich bin selber überrascht.“

📽 Video | Hotel-Öffnungen unter strengen Auflagen

"Städtetourismus wird ein Riesendesaster"

Gerber zeigt sich optimistisch für den Sommer, allerdings mit einer Einschränkung: „Der Städtetourismus wird ein Riesendesaster.“ Gerade Ballungszentren, wie Innsbruck, seien im Sommer mit ausbleibenden Touristen­strömen konfrontiert. Optimistisch sieht Gerber auch in die kommende Wintersaison. Es bleibe spannend, und: „Wir werden mit dem Virus leben lernen müssen.“ Die Gesundheit stehe jedoch an erster Stelle, jetzt müsse noch „ein praktikabler Weg“ gefunden werden, den Gästen einen schönen Urlaub zu ermöglichen. Deshalb werde es auch verstärkt Corona-Testungen unter Mitarbeitern geben. Wie diese genau durchgeführt werden, ist noch nicht klar, Gerber „will aber nicht 48 Stunden auf ein Ergebnis warten“.

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„Sanfter Tourismus ist wichtig. Aber zu glauben, dass es ihn überall in Tirol geben wird, ist Blasphemie.“ Mario Gerber
 (Hotelier, WK)
© Gerber

An der Schließung aller Tiroler Hotels am 16. März sei kein Weg vorbeigegangen, „so schmerzhaft das war“, sagt Gerber, „wir hätten sonst das Virus nicht aufhalten können. Das, was in Ischg­l passiert ist (Infektionen von zahlreichen Urlaubern, Anm.), wäre auch in vielen anderen Regionen passiert.“ Zudem stünden 89 Prozent der Hoteliers hinter der Entscheidung.

Auch mit den Hilfsprogrammen der Regierung, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Schließungen abzufedern, sei Gerber als Interessenvertreter „zufrieden“, „es gibt ja nicht wirklich Erfahrungen damit“. Im Hintergrund werde aber daran gearbeitet, „wieviel Entschädigungszahlungen laut Epidemiegesetz (Das Epidemiegesetz wurde von der Regierung durch ein Covid-19-Maßnahmengesetz ersetzt, Erstattung von entfallenen Ansprüchen sind dadurch nicht mehr möglich, Anm.) möglich sind“. Gerber gibt sich kämpferisch.

Kritik an Versicherungen: „Wird auf Paragraphen herumgeritten"

Kritik übt er an den Versicherungen. Viele Hoteliers hätten jahrelang in eine Seuchenversicherung eingezahlt, nur um jetzt „nichts oder sehr wenig zu bekommen“, kritisiert Gerber. Probleme gebe es auch bei Betriebsunterbrechungsversicherungen. Es werde „auf Paragraphen herumgeritten, nur damit nicht gezahlt werden muss“.

Einzig die Tiroler Versicherung habe anstandslos und schnell die vereinbarten Summen ausbezahlt. „Gerade in dieser Ausnahmesituation braucht es schnelle Hilfe“, sagt Gerber und appelliert an die Versicherungen, „zu ihrer Dienstleistung zu stehen“. Für einen kleinen Wirt, der 20 Jahre lang in seine Versicherung eingezahlt hat, sei es eine Katastrophe, wenn diese nicht zahle. Immerhin 30 Prozent der Betriebe hätten diese Versicherungen, rechnet Gerber vor. Für ein Feilschen und Hinauszögern fehle ihm jegliches Verständnis. „Keiner hat gedacht, dass es jemals eine Seuche geben wird.“

Wird der Tourismus in Tirol sich durch Corona verändern und „sanfter“ werden? „Nein“, sagt Gerber. Der Tourismus sei ein Erfolgsrezept, es werde aber permanent an „Stellschrauben gedreht“. „Auch sanfter Tourismus ist wichtig, aber zu glauben, dass es ihn überall in Tirol geben wird, ist Blasphemie.“ Auch Après Ski werde vom Gast nachgefragt.

Zahlen nach Bundesländern

In Südtirol dürfen Hotels seit Montag wieder Gäste empfangen, 80 Prozent blieben laut einer Schätzung des Hoteliersverbandes aber geschlossen. Eine Öffnung sei erst ab 15. Juni geplant. Enttäuscht zeigte sich Hoteliers-Präsident Manfred Pinzger von Österreich, das noch keinen Termin für eine Grenzöffnung nannte.


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