Corona macht Unterführung in Prutz Dampf

Seit über 30 Jahren ringt Prutz um eine Lösung. Ab dem kommenden Jahr soll die Unterführung für die Reschenstraße gebaut werden. BM Kofler erhofft sich Sicherheit, LH Platter einen Wirtschaftsimpuls.

Ab 2021 wird die Kreuzung an der Reschenstraße entschärft. Prutz bekommt eine lang gewünschte Unterführung.
© Land Tirol

Von Matthias Reichle

Prutz – Sie kommt also doch – später als ursprünglich geplant, aber früher als zuletzt befürchtet. Die Corona-Krise gibt der Unterführung in Prutz Rückenwind. Das Großprojekt an der Reschenstraße wird ab Mitte 2021 gebaut – das verkündete Landeshauptmann Günther Platter gestern bei einem Lokalaugenschein.

Es ist eine überraschende Wende, mit der so wohl die wenigsten gerechnet haben. Der Prutzer Bürgermeister Heinz Kofler strahlte. Vergangenen Herbst waren die Gesichter noch lang, als der Baustart nach jahrelangem Ringen kurz vor der Realisierung stand – dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben worden war.

Das Land räumte der Landecker Schlossgalerie höhere Priorität ein. Nun der Schwenk – und der hat mit der Corona-Krise zu tun. „Das Geld kommt aus dem Konjunkturpaket. Es soll damit die Wirtschaft angekurbelt werden“, erklärt Platter. Landtagsvize Toni Mattle begrüßte den Impuls als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit. Die Summe ist eine ordentliche: 35 Mio. Euro soll das Vorhaben kosten.

Die Reschenstraße wird dabei – dort, wo sie Prutz passiert – 7,5 Meter in die Tiefe gelegt. Geplant ist eine 920 Meter lange Unterführung. Ein Kreisverkehr mit 35 Meter Durchmesser ersetzt die bestehende Kreuzung. Und die war vor allem Bürgermeister Kofler und der Bevölkerung des Weilers Entbruck, die sie regelmäßig überqueren muss, ein Dorn im Auge. „Seit 1988 wird daran herumgedoktert. Die Kinder gehen dort zweimal am Tag drüber“, betont Kofler.

Darüber hinaus gibt es in der Urlaubszeit lange Staus an der Ampel. Vor einer Entlastung kommt nun aber zunächst eine Belastung auf die Prutzer zu: Und zwar eine drei bis dreieinhalb Jahre lang dauernde Baustelle. „Wir versuchen, den Verkehr zweispurig aufrechtzuerhalten“, erklärt Chefplaner Robert Zach von der Verkehrsabteilung. Eine Herausforderung wird der Reiseverkehr zu den Skigebieten, weil man wegen der Nähe zum Inn im Winter bauen muss. Derzeit ist man dabei, die Einreichungen für die letzten Genehmigungsverfahren vorzubereiten. Zeit wird die Ausschreibung kosten, die aufgrund der Größe EU-weit erfolgt.

Verpufft dabei der Impuls möglicherweise im Ausland? „Theoretisch ist das möglich, praktisch nicht, weil auch ausländische wie auch große österreichische Bauunternehmen örtliche Subunternehmen brauchen“, so Zach.

Die geschätzten Kosten für die Unterführung haben sich in den letzten sechs Jahren mehr als verdoppelt. Neben der Konjunktur gab es Überraschungen bei den Bodenuntersuchungen, die den Bau teurer machen.


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