Überraschender Rücktritt nach Querelen mit der Stadtbaumeisterin

Der Kufsteiner Bauausschuss-Obmann Harald Acherer trat am Mittwochabend in der Gemeinderatssitzung überraschend zurück.

Gemeinderat Harald Acherer legte am Mittwoch mit sofortiger Wirkung die Obmannschaft des Bauausschusses nieder.
© Michael Mader

Von Michael Mader

Kufstein – „Meine Zusammenarbeit als Obmann des Bauausschusses mit dem Bauamt, insbesondere mit der Frau Stadtbaumeisterin, verschlechterte sich in den vergangenen Monaten exponentiell.“ Mit diesen Worten leitete Gemeinderat Harald Acherer (Parteifreie) am Mittwochabend nach einem viereinhalbstündigen Sitzungsmarathon seine Rede ein, an dessen Ende er seinen sofortigen Rücktritt als Bauausschussobmann bekannt gab. Seine Arbeit sei passiv und aktiv sukzessive behindert worden, so sein Vorwurf.

Er glaubt an „Majestätsbeleidigung“, weil er kleine Dinge im Ablauf ändern wollte und im Jänner 2019 eine Liste aller den Bauausschuss betreffenden Eingaben einforderte.

„Mein Ersuchen wurde monatelang ignoriert, auf Nachfrage bei der Stadtbaumeisterin wurde mir in einer gegenüber einem Mandatar unwürdigen Lautstärke erklärt, das Bauamt sei nicht der Lehrling des Bauausschusses, und außerdem fallen solche Informationen unter das Amtsgeheimnis und unterliegen dem Datenschutz“, fährt Acherer fort.

Selbst eine Weisung von Bürgermeister Martin Krumschnabel (Parteifreie), einmal wöchentlich einen Bericht an den Bauausschussobmann über die bei der Stadt eingereichten Anträge zu übermitteln, habe nur knapp einen Monat bis Dezember 2019 gewirkt.

„Das Trauerspiel fand bereits vor Weihnachten seine Fortsetzung, ein Projektwerber, welcher bereits am 14. 11. 2019 sein Projekt mit der Bitte um Präsentation im Bauausschuss im Bauamt eingereicht hatte, fand sich auf keiner mir bis 2. 12. 2019 bekannten Liste. Wiederholungen dieser Vorgangsweise fanden ebenso im Februar des Jahres statt“, beklagte sich Acherer in der Gemeinderatssitzung.

Die Nichtaufnahme in die Liste sei dann noch getoppt worden, indem teilweise Beschlüsse, welche im Dezember-Bauausschuss gefasst worden seien, nicht an den Stadtrat und in weiterer Folge nicht an den Gemeinderat weitergeleitet worden seien.

„Somit wurden Bauprojekte um viele Monate verzögert. Diese Vorgangsweise ist für mich nicht mehr akzeptabel ich ziehe jetzt die Reißleine“, überraschte Acherer mit seinem definitiven Rücktritt die meisten Mandatare.

Krumschnabel bedauerte die Entscheidung und bezeichnete es als gutes Recht Acherers, gewisse Dinge auch ändern zu wollen: „Er hat wesentlich mehr Zeit investiert und offensichtlich auch Nerven, als das durchschnittlich vielleicht der Fall ist. Wir werden uns im Hinblick auf diese Kritikpunkte auch entsprechende Maßnahmen überlegen müssen. Es gibt ohnehin Pläne für eine gewisse Strukturänderung, aber das ist nur eine teilweise Verbesserung von dem, was Harald angedeutet hat. Es kann nicht sein, dass er das hinschmeißt und theoretisch der nächste auch und der übernächste auch, irgendwann gehen uns ja die Leute aus.“

Er habe selbst auch viel Zeit verbracht, um das Ganze in Schwung zu bringen. Das würden auch die vielen Tagesordnungspunkte betreffend Bausachen im Gemeinderat belegen.

Die Stadtbaumeisterin war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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