Mazda6 Sport Combi: Ein unterschätzter Allrounder

Die Mittelklasse hat viel von ihrer Bedeutung verloren, Kombis sind als Karosserievariante nicht annähernd so gern gesehen wie ein SUV oder ein Crossover – der Mazda6 Sport Combi kämpft gegen den Trend an.

So attraktiv können Langheckmodelle sein: Ein spannungsreicher Vorderwagen, eine gebogene Dachlinie und ein eher flaches Heckfenster stehen für eine dynamische Optik.
© Markus Höscheler

Von Markus Höscheler

Innsbruck – In den guten alten Vor-Corona-Zeiten – sie sind erst ein paar Wochen her – hat es Mazda nicht verschwiegen, dass hierzulande gut die Hälfte des Markenabsatzes auf eine Karosserieversion zurückzuführen ist: auf Sport Utility Vehicles. Den Rest teilen sich Klein- und Kompaktwagen (Mazda2 und Mazda3) sowie der Nischen-Bestseller MX-5 und der bald zur Nische verkommende Mittelklasse-Vertreter Mazda6. Der war einst, insbesondere als Limousine, das wahre und stolze Flaggschiff des japanischen Labels, nun muss er eher aufpassen, nicht zum Ladenhüter zu verkommen. Das liegt keinesfalls an einem Mangel an Qualitäten des Fahrzeugs – zu diesen kommen wir ohnehin später – sondern am Markt. Der verlangt ganz offensichtlich immer mehr nach aufgebocktem Fahrbaren, also nach hoher Sitzposition und vermeintlich viel Übersicht, am besten garniert mit einer scharfen Optik.

Zumindest den letzten Punkt kann der Mazda6 Sport Combi beherzt aufgreifen: Der 4,81 Meter lange Japaner streckt selbstbewusst seinen dominanten Kühlergrill nach vorn, verbindet ihn dank einer geschwungenen, durchgehenden Chromspange auf elegante Art und Weise mit den scharf angespitzten Frontscheinwerfern. Die Kotflügel erfahren eine außergewöhnliche Betonung dank einer Sicke, die sich bis in die Vordertür ihren Weg bahnt. Vergleichsweise bescheiden fallen die Seitenschweller aus – sie überlassen der coupéförmig geschwungenen Dachlinie und dem angeschlossenen, schräg stehenden Heckfenster die Show. Durchaus stimmig ist in diesem Zusammenhang die von Mazda gepflegte Rot-Lackierung, die dem dynamischen Auftritt eine zusätzliche Note verleiht.

Das Kodo-Design überzeugt – doch wie steht es um das Fahren, das Raumgefühl, die Variabilität? Nun mögen Mazda-Fahrer sich in einem CX-30, einem CX-3 oder einem CX-5 schon wohlfühlen, wenn es vorwärts, um die Ecke oder bergwärts geht. Erst recht trifft dies auf den Mazda 6 Sport Combi zu, wenn er, wie unser neuer Dauertestwagen, mit einem 184 PS starken 2,2-Liter-Turbodiesel und einem Allradantrieb bestückt ist. Die beiden Achsen nehmen das überreichliche Drehmomentangebot von 445 Newtonmetern wohlwollend auf und lassen das Langheckmodell recht zügig und spursicher abrollen. Die Laufkultur des Selbstzünders stellt sich uns als eine gehobene dar, das Ansprechverhalten und das Durchzugsvermögen finden unsere Akzeptanz. Auch die an Bord befindliche Sechsgangautomatik wissen wir zu schätzen, wenngleich wir einem fortschrittlicheren achtstufigen Getriebe nicht abhold wären.

Wie immer ein Gedicht bei Mazda, empfehlen sich die direkt-präzise Lenkung und die ausgewogene Fahrwerksabstimmung. Dies trifft auf Anerkennung seitens der Insassen in beiden Reihen, die sich über das Raumangebot ebenfalls freuen: Kopf- und Beinfreiheit gehen in Ordnung, ebenso das Ladeabteil, das wenigstens 522 Liter offeriert (maximal sind es 1648 l – bei umgelegten Rücksitzlehnen). Noch erfreulicher sind die technischen Beigaben für den Mazda6 Sport Combi, zumal wir es hier mit dem hohen Ausstattungsniveau Revolution Top zu tun haben. Dass Mazda dafür etwas mehr als 50.000 Euro haben möchte, überrascht keineswegs.

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Die Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel

Hubraum: 2191 ccm

Drehmoment: 445 Nm bei 2000 U/min

Leistung: 135 kW/184 PS

L/B/H: 4805/1840/1475 mm

Gewicht: 1635/2260 kg

Kofferraumvolumen: 522 – 1648 l

Tankinhalt: k. A.

Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h

0 – 100 km/h: 9,7 Sekunden

Verbrauch: 6,8 l/100 Kilometer

Kraftübertragung: Allradantrieb

Preis: 50.180 Euro

CO2-Emission: 142 g/km


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