Warmer Frühling brachte Dürre und Heuschrecken

Der Lenz 2020 zählt zu den 15 trockensten in Österreichs Messgeschichte. Drastische Folgen von Wärme und Dürre zeigen sich rund um den Erdball.

Das „Schildermeer“ am Wiener Heldenplatz: „Fridays For Future“-Aktivisten fordern, die Vergabe von staatlichen Corona-Hilfsgeldern an ökosoziale Bedingungen zu knüpfen.
© FRIDAYS FOR FUTURE

Von Elke Ruß

Wien, Moskau – Für die Meteorologen geht der Frühling bereits am 31. Mai zu Ende – und die Bilanz ist buchstäblich trocken: März und April waren sehr mild und der Mai etwas zu kühl, in allen drei Monaten blieben die Niederschlagsmengen aber unter dem Soll. Die Temperaturen pendelten zwischen Frost und Sommerhitze. Spitzenreiter war da Imst mit 32,2 Grad am 23. Mai.

Unbeständige und schaueranfällige Wetterlagen im Mai konnten die Lage nur lindern. „Insgesamt fehlen heuer rund 30 Prozent Niederschlag im Vergleich zu einem durchschnittlichen Frühling“, sagte Alexander Orlik von der ZAMG. Der Lenz 2020 zählt zu den 15 trockensten in der heimischen Messgeschichte. „Ähnlich trocken war ein Frühling zuletzt 2003.“

Nur Teile Osttirols, Ober­kärn­tens und der Obersteier­mark bilanzierten ausgegli­chen. Sogar nur 45 bis 55 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge fielen im südöstlichen Nieder­österreich und im Mittelburgenland.

Eine „ökologische Katastrophe“

Die Trockenheit führt nicht nur zu Einbußen auf Feldern: Dramatisch geringe Niederschlagsmengen drosselten den Wasserstand im Neusiedler See auf den niedrigsten Wert seit 1965. Um das einzigartige Landschaftselement vor Austrocknung zu schützen, kündigte das Land Burgenland den Bau einer Wasserzufuhr für den See an. Eine Task Force, in die Ungarn (neben Raab und Donau ein potenzieller Wasserlieferant) eingebunden wird, soll die technische Lösung entwickeln. – Ein Projekt, das der WWF in einer Reaktion eine „ökologische Katastrophe“ nannte.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die Dürre ist Wasser auf die Mühlen von „Fridays for Future“: Mit „Schildermeeren“ an 55 Orten Österreichs, darunter dem Heldenplatz, forderten Umweltaktivisten der Jugendbewegung am Freitag einen „Klima-Corona-Deal“, also ein klimagerechtes Konjunkturpaket. „Die 160 Millionen für Klimaschutz mehr pro Jahr sind ein schlechter Witz, wenn man bedenkt, dass ein Flugkonzern wie die AUA möglicherweise fast die fünffache Summe bekommen soll“, sagte die Grazer Schülerin Clara Leitner, eine der Organisatorinnen.

"Schlimmste Plage seit 27 Jahren"

In Russland als weltgrößtem Getreide-Exporteur machen Experten den ungewöhnlich warmen Frühling für die verheerende Heuschrecken-Plage verantwortlich, die derzeit vor allem die Ernte in den Kaukasus-Regionen Stawropol und Dagestan sowie Gebiete rund um das Altai-Gebirge in Südsibirien bedroht. Laut dem Landwirtschaftsministerium in Moskau haben die Schwärme bereits eine Fläche von mehr als 2500 Quadratkilometern befallen.

„Um Ernteverluste zu vermeiden, sind alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Schädlinge notwendig“, so das Ministerium. Dazu zählt etwa der Einsatz von Chemie. Das sei in 33 Regionen geplant. In vielen Gebieten wurde damit bereits begonnen.

Derzeit ziehen Heuschrecken-Schwärme auch über andere Länder hinweg. Indien spricht von der schlimmsten Plage seit 27 Jahren. In Pakistan haben die Behörden deswegen bereits im Februar den Notstand ausgerufen. Heuschrecken haben in den vergangenen Monaten in Ostafrika ganze Landstriche kahl gefressen.


Kommentieren


Schlagworte