Rundblick am Öffnungstag: Noch wenige Hotel-Gäste in Tirol, aber viele Sorgen

Noch nicht viel los: Das freut die Gäste in den heimischen Betrieben und sorgt die Hoteliers. Ein Rundblick durch das Land zeigt, dass das Offenhalten „eher als Hobby zu sehen ist und kein Geschäft“.

Walter und Helen Haas aus Lermoos beim Einchecken im Kohlerhof in Fügen mit Rezeptionisti­n Kinga Szekeres (r.)
© Dähling

Innsbruck –Umhausen statt Gardasee: Ellen Moll und Alexander Schrempf-Moll aus Innsbruck haben ihre üblichen Pfingstpläne 2020 kurzerhand geändert und gleich am ersten Tag der Hotel­öffnungen gestern im Vivea-Hotel im Ötztal eingecheckt. „Weil es ein wunderschöner Platz ist, sind wir schon öfter da gewesen. Zum Übernachten allerdings das erste Mal. Wir bleiben noch bis Sonntag und genießen das Wellness­angebot.“

Auch Johanna und Heinz Lehner aus Bad Leonfelden/Oberösterreich übernachten erstmals im Ötztal. „Wir kommen mehrmals jährlich nach Tirol und das bleibt auch so.“ Nur: Die Anreise war gestern so schnell wie noch nie. Kein Stau. Keine Pfingstreisewelle. In vielen Tourismusbetrieben in Tirol aber eben auch nur wenige Gäste.

Johanna und Heinz Lehner aus Oberösterreich genossen die Sonnenstrahlen im Ötztal.
© Parth

Als „trist“ bezeichnet der Innsbrucker Hotelier August Penz die derzeitige Buchungslage in seinen Häusern. „Wir hatten für die kommenden Woche extrem viele Stornierungen und kaum neue Reservierungen“, erklärt Penz. Er rechnet mit einer Auslastung von lediglich 15 bis 25 Prozent im heurigen Sommer. Trotzdem sperrt er seine Hotels schrittweise wieder auf.

Das „Stage 12“ hat mit dem gestrigen Tag geöffnet, seine anderen Betriebe folgen erst. Für August Penz sind geöffnete Hotels in Innsbruck notwendig, „um das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wieder in Schwung zu bringen. Gäste bringen Kaufkraft und Atmosphäre in die Stadt.“ Für die kommenden Monate wünscht sich der Hotelier wieder möglichst viele Veranstaltungen unterschiedlichster Art. „Damit die Gäste auch ein Motiv haben, wieder gerne zu uns zu kommen“, sagt Penz.

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Ortswechsel: Zillertal. In der Ferienregion Mayrhofen-Hipp­ach haben seit gestern etwas über die Hälfte der Beherbergungsbetriebe geöffnet, erklärt TVB-GF Andreas Lackner. Ab Mitte Juni würden es 70 Prozent sein. „Bei uns im vorderen Zillertal öffneten etwa 20 Prozent der Beherbergungsbetriebe ihre Pforten“, informiert Manfred Pfister, Geschäftführer des TVB Erst­e Ferienregion im Zillertal. Einer davon ist das Vier-Sterne-Hotel Kohlerhof in Fügen.

„Wir hatten durchgehend offen, weil wir eine gewisse Kliente­l an Geschäftsreisenden und Arbeitern haben“, erzählt Hotelier Friedrich Heim. Doch das Offenhalten sei eher als Hobby zu sehen und kein Geschäft. „Wir hatten schon über 60 Prozent Stornos in der ersten März­woche. Und ich rechn­e mit 70 bis 80 Prozent Umsatzeinbußen von Juni 2020 bis Juni 2021“, blickt Heim düster in die Zukunft. Gestern reisten rund 20 Gäste aus Österreich an. Zum Vergleich: 300 Betten hat das Haus.

In Fügen nehmen bei Friedrich Heim und Tochter Daniela die telefonischen Anfragen wieder zu. In den Rezeptionen wird auf Hygiene geachtet.
© Dähling

„Die Gäste bekommen ein Upgrade, die besten Zimmer im Haus“, sagt Heim. Von den 75 bis 80 Mitarbeitern, die sonst im Sommer beschäftigt sind, sind derzeit zwischen 15 und 18 im Einsatz. „Einige gute, langjährige Kräfte, die ich entlassen musste, werde ich leider wohl nicht wieder bekommen“, bedauert er. Immerhin: „Seit vorgestern nehmen die Anfragen zu – auch aus Deutschland. Selbst Tiroler fragen bei uns an. Alle wollen mal einen Tapetenwechsel“, erklärt Tochter Daniela. Auf Sauna-Besuche müssen die Gäste des Wellnesshotels derzeit verzichten. „Die Auflagen dafür sind streng, alles muss ständig desinfiziert und gelüftet werden. Das ist derzeit nicht machbar“, erläutert Friedrich Heim. Gäste in Fügen sind Helen und Walter Haas aus Lermoos. Selbst vermieten sie Ferienwohnungen und wollen sich, bevor es mit dem Vermieten losgeht, eine Auszeit gönnen. „Tirol ist so schön, man muss nicht weit fahren“, sagen sie.

Der mediale Lärm um Ischg­l ist weiter groß. Ansonsten ist es im Paznaun dieser Tage aber ruhig. Der Ort war gestern wie ausgestorben. In Restaurants stapelten sich die Stühle auf den Tischen, Sofas und Lampen waren mit weißen Tüchern verhängt. „Kein Hotel hat geöffnet“, bestätigt Tourismusdirektor Andreas Steibl – „aber das ist bei uns normal. Nach einer langen Wintersaison hat bis Ende Jun­i alles zu. Nichts ist offen – auch nicht die Seilbahn.“ Die Ischgle­r wollen Ende Juni wieder starten. Die großen Events hat der Tourismusort heuer aber abgesagt. „Es wird aber Infrastruktur geben“, so Steibl. Auch die Silvretta­bahn fährt ab 3. Juli wieder auf den Berg.

Viel Lärm um Ischgl in Europa: Im Paznauner Ort selbst herrschte gestern Beschaulichkei­t und Ruhe.
© Reichle

Seit bekannt geworden ist, dass die Grenzen ab 15. Juni öffnen, sei die Nachfrage wieder gestiegen. „Euphorisch bin ich aber nicht“, so Steibl. Viele warten ab, ob sie tatsächlich einreisen dürfen.

Zurück ins Ötztal. Roland Haslwanter und seine Tochter Teresa vom Habicher Hof beschäftigen derzeit zwölf Mitarbeiter im Hotel. Für aktuell vier Gäste. „Wir wollen einerseits als engagierte Touristiker mit gutem Beispiel vorangehen. Je mehr Betriebe geöffnet haben, umso besser“, ist Roland Hasl­wanter überzeugt. Ihm geht es auch darum, sein Stammpersonal zu halten: „Zusammen mit unserem Café in Oetz beschäftigen wir momentan rund 30 Mitarbeiter, statt wie üblich um diese Jahreszeit 50. Wenn man ehrlich ist, waren auch in den vergangenen Jahren der Mai und der Juni eher verhaltene Monate. Am Ende der Saison wird abgerechnet, heißt es bei uns im Ötztal.“ (top, ad, dd, mr)

Roland Haslwanter und seine Tochter Teresa vor dem Habicher Hof.
© Parth


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