Zwischen Fanatismus und Leichtsinn beim Seilbahnstart in Tirol

Gestern öffneten die Seilbahnen, sogar Skifahren war wieder möglich - in den Gondeln trafen sich fanatische Skifahrer und Mundschutzmuffel.

Mit Mundschutz ging es gestern auf den Innsbrucker Patscherkofel.
© Vanessa Rachlé

Kaunertal, Hintertux, Kitzbühel, Lienz –Jana, Linda, Max und Hieronymus – die vier jungen Rennläufer vom Skiclub Arlberg strahlten über beide Ohren. Dass sie sich so schnell wieder die Brettln anschnallen dürfen, damit hatten sie nicht gerechnet. Kurz nach 7 Uhr machten sie die ersten Schwünge auf dem Kaunertaler Gletscher. Dort startete man gestern noch einmal in die Wintersaison. Zwar nur für zehn Tage, dafür mit umso besseren Bedingungen. „Wie im Winter“, staunte Touristiker Toni Monz über den Schneezustand. Skibegeisterte hatten sogar entlang der Gletscherstraße campiert, um besonders früh auf der Piste zu sein.

Am Kaunertaler Gletscher zog es am Freitag die Wintersportler auf die Piste.
© Reichle

Bei den beiden Innsbruckern Viktoria und Daniel läutete der Wecker bereits um 20 Minuten nach 4. Er war ganz aus dem Häuschen: „Weil’s nett ist. Es geht super und ist voll fein.“ Sie wollte sogar die nächsten Tage am Gletscher bleiben und im Auto übernachten – „wenn das Wetter passt“ –, um noch etwas mehr vom Winter zu genießen. „Letzte Woche bin ich noch in den Bodensee gehüpft, jetzt geh’ ich Ski fahren“, juchzten auch Claus und Heidi Dorner aus Vorarlberg, die auf „Österreichurlaub“ in Tösens sind.

Dass die Tiroler offensichtlich noch nicht genug vom Schnee haben, spürt Marketingleiter Daniel Frizzi schon seit Wochen. „Wir haben fast täglich Anrufe.“ Gestartet wurde nun mit zwei Schleppliften und der Falginjochbahn.

In der Kabine trafen dann Skibegeisterung und Unvernunft aufeinander – die wenigsten hatten einen Mund-Nasen-Schutz auf. Dabei standen die Skifahrer Schulter an Schulter, es wurde geratscht und gelacht. „Ich habe keine Angst und damit ich Luft bekomme am Gletscher“, erklärte einer das Fehlen seiner Maske. „Dabei hätte ich ein Halstuch dabei“, rang ein anderer um eine Erklärung. „Aber es weiß ja jetzt jeder, dass er, wenn er krank ist, nicht in die Öffentlichkeit darf.“ Kopfschütteln beim Kabinenführer, der selbst ein Schild vor dem Gesicht trug. Überall würden Hinweise hängen, aber es bringe nichts, ärgert er sich.

In der Falginjochbahn hatten sehr viele Skifahrer keinen Mundschutz auf.
© Reichle

Als „sehr diszipliniert“ bezeichnet indes Matthias Dengg von den Hintertuxer Gletscherbahnen das Verhalten der Wintersportler in seinem Gebiet. Abstand halten und den Schal über Mund und Nase zu ziehen, sei für die meisten hier selbstverständlich. Über der Nebeldecke Sonne zu genießen, Pistenverhältnisse wie im April und die verlängerte Gültigkeit der Snowcard habe viele bewegt, die Ski nochmal auszupacken. Wenngleich an einem Freitag üblicherweise weniger Gäste als an Wochenenden zu verzeichnen seien.

Am Lienzer Hochstein konnte man gestern nicht mehr Ski fahren, dafür umso besser biken. Der Berg, auf dem jeden zweiten Winter die Weltcup-Rennen der Damen stattfinden, war am Freitag fest in der Hand der Downhill-Radler. Eine Gruppe von jungen Burschen war gerade dabei, die Räder mit Hilfe des Liftwarts an Gondel oder Liftsessel zu befestigen, dann ging es in die Höhe. Am ersten Öffnungstag der Schlossbergbahn sei der Andrang recht groß, sagte die Dame an der Liftkasse. „Hauptsächlich Radler, einige wenige Wanderer und Leute, die sich eine Saisonkarte kaufen wollen.“ Überfüllt war es nirgends, aber etliche Familien nutzten die Gelegenheit.

Vor allem Downhillbiker nützen den ersten Öffnungstag der Lienzer Schlossbergbahn am Hochstein.
© Oblasser

Bei der Kitzbüheler Bergbahn ließ es sich der Vorstand nicht nehmen, die neue Fleckalmbahn selbst in Betrieb zu nehmen. Gemeinsam mit Betriebsleiter Michael Oberacher und dem technischen Leiter Florian Wörgetter nahmen Anton Bodner und Walter Astl die erste Gondel. Zuvor hatten Arbeiter noch Desinfektionsstationen und Abstandspickerl aufgestellt bzw. aufgeklebt. Im Außerfern starten die Tannheimer Bergbahnen erst heute in den Betrieb – bis 14. Juni fahre man bei Schönwetter. Dann durchgehend. (mr, ad, mm, co, fasi)

In Kitzbühel weihten die Vorstände Anton Bodner (3. v. l.) und Walter Astl (2. v. l.), Betriebsleiter Michael Oberacher (l.) und Florian Wörgetter die Fleckalmbahn ein.
© Michael Mader

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