700 Mio. Besucher: 17-jähriger US-Schüler zieht mit Corona-Webpage die Massen an

Ein junger Computerfreak aus den USA liefert aktuelle Infos über die Ausbreitung von Covid-19. 700 Millionen Besucher haben seine Internetseite schon besucht.

Die Webpage ncov2019.live hält stets aktuell das weltweite Infektionsgeschehen fest.
© Screenshot

Von Markus Schramek

Seattle – Avi Schiffmann ist in den USA ein Medienstar. Zeitungen und TV-Anstalten reißen sich um Interviews mit dem erst 17-jährigen Schüler aus Seattle im US-Bundesstaat Washington an der Nordwestküste.

Via Skype steht Avi Rede und Antwort, routiniert, mit leicht ironischem Unterton, so, als ob es nichts Besonderes sei, das ihm da gelungen ist. Avi verbringt ohnehin die meiste Zeit vor dem Computer. Er programmiert, seit er sieben ist. Doch sein jüngster Output sorgt weltweit für Aufsehen. Unter der Webadresse ncov2019.live hat der jugendliche IT-Tüftler eine Webseite zum Thema Coronavirus entwickelt.

Avi Schiffmann aus Seattle sorgt mit seiner selbst programmierten, ständig aktuellen Corona-Seite für Schlagzeilen.
© Avi Schiffmann

Avis Internetauftritt bietet einen weltweiten Überblick über das Infektionsgeschehen: die Zahl der Fälle je Staat, beginnend mit den am schwersten betroffenen Ländern. Dazu kommen die Zahlen der schwer Erkrankten und der Verstorbenen sowie die aktuelle Coronatendenz, eine Zu- oder Abnahme. Die USA stehen mit bald 1,8 Millionen Infizierten unangefochten an der Spitze.

Avi verzeichnet mit seinem Online-Produkt unfassbare Zugriffsraten. 700 Millionen Besucher waren es bisher insgesamt, im Schnitt sind es 30 Millionen Nutzer täglich. Nicht ganz die Hälfte aller User stammt aus den USA. Der Rest verteilt sich auf die ganze Welt, darunter auch Länder wie Grönland oder der Kongo. Fast jeder zehnte Benützer der Webseite stammt aus Deutschland.

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Alle paar Minuten werden die Daten aktualisiert, vollautomatisch. „Updates erfolgen auch nachts, wenn ich schlafe“, sagt Avi in einem der vielen Interviews, die inzwischen auch auf YouTube hochgeladen wurden.

Die Daten stammen aus verlässlichen, seriösen Quellen: Der junge Mann hat die offiziellen Internetseiten lokaler, regionaler und nationaler Gesundheitsbehörden mit seinem Programm verknüpft, ebenso jene der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Der Programmierer ging dabei nach der Methode „Learning by doing“ vor. „Wenn ich nicht mehr weiter wusste, habe ich eine passende Lösung gegoogelt“, sagt Avi achselzuckend. Durch die regelmäßigen Updates ist der Gesamtüberblick, den ncov2019.live bietet, unschlagbar aktuell.

Die Idee zum Corona-Tracking hatte der Jung- spund schon knapp nach Weihnachten, als in China erste Fälle von Covid-19 bekannt wurden, jedoch niemand an eine weltweite Krise dachte. Seither arbeitet der Schüler tagtäglich an der Optimierung seiner Webpage. Als neuestes Feature gibt es einen „Vaccine-Tracker“: Dieser zeigt den Stand der Forschung nach einem Covid-19-Impfstoff.

Um seine berufliche Zukunft muss Avi nicht bang sein, egal, ob er nach der Highschool studieren wird oder nicht. Denn Jobangebote hat er schon.

Avi konnte es sich leisten, die Platzierung lukrativer Werbeeinschaltungen auf seiner Webpage abzulehnen. Acht Millionen Dollar seien ihm dafür angeboten worden, erzählt er. Doch ncov2019.live bleibt werbefrei und gratis. Wer will, kann den jungen Mann virtuell auf einen Kaffee einladen – in Form einer Drei-Dollar-Spende.


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