Alles anders zu Pfingsten „dahoam": Autodisco statt Autostrada in Tirol

Nichts los auf den Straßen, wenig los in den Hotels, viel los in den Einkaufszentren: Pfingsten 2020 war auf vielen Ebenen außergewöhnlich.

Eine Warteschlange vor dem Alpenzoo gab es schon lange nicht mehr – die freien Tage nutzen vor allem Familien für einen Zoobesuch vor der eigenen Haustüre.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Marco Witting

Innsbruck – „Pures Chaos“. Mit diesen zwei Worten konnte das Pfingstwochenende auf Tirols Straßen 2019 zusammengefasst werden. Und letztlich führte dieses Stauwochenende, eines der schlimmsten überhaupt, dazu, dass es zu den bekannten Fahrverboten auf Dörfer- und Landesstraßen kam.

Pfingsten 2020? Das exakte Gegenteil. Die Brennerautobahn präsentierte sich gestern gähnend leer. Die Corona-Krise wirbelte einmal mehr die Gewohnheiten vieler Tiroler durcheinander.

Fernsteinsee statt Gardasee. Schnitzel daheim statt Pizza auf der Piazza. Eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ statt eines Fußballmatches beim traditionellen Pfingstturnier. Alles ist heuer anders. Am augenscheinlichsten merkte man das gestern auf den Straßen. Makus Widmann, erfahrener Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, sagt: „Nicht einmal an total verregneten Pfingstwochenenden war so wenig Verkehr wie gestern.“ Es habe praktisch keinen grenzüberschreitenden Verkehr gegeben. Nur die Lkw rollten durchs Land.

Auf der Brennerstrecke beschränkte sich der Pkw-Verkehr auf die Einheimischen. „Was wir schon gemerkt haben, ist sehr starkes Verkehrsaufkommen rund um die Einkaufszentren“, sagte Widmann.

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Gut eingepackt auf die Berge statt in der Badehose in den Gardasee: Luisa und Fabian waren am Wochenende am Patscherkofel.
© Vanessa Rachlé / TT

Ohne die Möglichkeiten auf eine Shoppingtour wird der Verkehr auf den Straßen heute noch einmal zurückgehen. Da sind neue Wege gefragt. Die ging man gestern etwa in Innsbruck. Zwei Stunden lang hatte man abends die Gelegenheit, bei einer Autodisco den Samstag ausklingen zu lassen. Ganz nach dem Motto: Statt im Stau stehen, am Parkplatz stehen.

Premiere mit guter Laune: Die Autodisco am Hafen in Innsbruck startete gestern Abend mit zahlreichen Partytigern.
© Vanessa Rachlé

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Andere nutzten schon gestern die Möglichkeit für eine kleine Hüttentour und endlich wieder eine Seilbahn als Aufstiegshilfe zu haben. Andere machten einen Ausflug in Tirol. Einige zog es auch über die Landesgrenzen hinaus. TT-Leser berichteten aber erneut von Problemen bei Fahrten über das Deutsche Eck.

So soll einer Tiroler Familie die Weiterfahrt in Richtung Oberösterreich durch Deutschland von den dortigen Grenzbeamten verwehrt worden sein. Obwohl dies eigentlich wieder erlaubt wäre und die Tiroler die entsprechenden Unterlagen mitgeführt haben.

Und die Hotellerie im eigenen Land? Die kämpft am ersten Wochenende mit einem schleppenden Start – selbst wenn es auch einige Gäste aus Deutschland gab (siehe rechts). Nur „vereinzelt“ gab es gestern spontane Gäste in den Hotels. Wenn, dann vor allem in Betrieben, die schon ihren Wellnessbereich aufgesperrt haben. Es blieb insgesamt beim „soft-opening“ in vielen Hotels. Einige Tiroler Familien nutzten dann aber doch die Möglichkeit eines Kurzurlaubs im eigenen Land, wie Mario Gerber, Hotellerie-Obmann, bestätigt. Grundtenor: die heimischen Betriebe unterstützen.

Bei einer Umfrage auf TT.com hatten am Freitag 85 Prozent der Tiroler angegeben, zu Pfingsten zu Hause bleiben zu wollen und es dort ruhig angehen zu lassen.

Die Tiroler bleiben im eigenen Land und nutzen die neue Freiheit für Ausflüge, etwa in den Alpenzoo.
© Vanessa Rachlé

Wie berichtet, wollen heuer rund 40 Prozent der Österreicher ihren Sommerurlaub ja im eigenen Land verbringen. Als einer der Hauptgründe gilt die Angst im Falle einer Ansteckung im Ausland vor der dortigen Gesundheitsversorgung oder Probleme bei der Rückreise.

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