„Buchen, stornieren, buchen“: Tiroler Betriebe bei Neustart verunsichert

Nicht alle, die dürfen, haben ihren Betrieb jetzt aufgesperrt. Es gibt auch Unsicherheiten.

Seit 29. Mai dürfen auch Hotels und Hütten für Übernachtungen aufsperren – nicht alle tun es.
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Innsbruck, Kitzbühel, Mieming, Längenfeld – Beim Wiederaufsperren sind die Kleinen gegenüber den Großen vor allem bei der Beherbergung klar im Vorteil. Theresa Rainer, Obfrau des Verbandes der Tiroler Privatzimmervermieter, sagt dazu: „Bei uns haben alle schon am 29. Mai aufgesperrt. Wir haben den klaren Vorteil, dass wir alles selbst machen und kein Personal zahlen müssen. Viele bieten auch Ferienwohnungen an, in denen sich die Gäste besonders sicher fühlen.“

Etwas anders ist die Situation bei den Hoteliers. Wie ein Rundruf zeigt, hängt es u. a. von ihrer Zusammensetzung der Gäste und auch von der Größe des Hauses ab, ob am Freitag aufgesperrt wurde oder nicht. So gibt es Hotels, etwa im Stubai, die besonders von britischen Gästen gerne gebucht werden – diese Hotels bleiben jetzt geschlossen. „Es war ein Buchen, Stornieren, Buchen ...“, bringt Manuela Pfurtscheller vom Hotel Edelweiß im Stubai die letzten Wochen auf den Punkt. Ihr Haus sperrt mit 20. Juni auf, eine Woche nach dem ohnehin geplanten Saisonstart. Vor allem deutsche Stammgäste wollen kommen. Sie sei zufrieden, zerbreche sich aber den Kopf, was passiert, wenn plötzlich im Haus ein Corona-Fall auftauchen würde.

Unsicher seien auch Hüttenwirte, sagt Peter Kapelari vom Alpenverein. Es würden zwar alle aufsperren, aber: Auch wenn zuletzt die Regeln für Schlafplätze in Lagern gelockert wurden, herrscht Unsicherheit bezüglich der „Risikogemeinschaften“, also der Größe jener Gruppen, die in Zimmern schlafen und an Tischen frühstücken. Die nächsten Wochen werden „ein bisschen ein Experiment“. (pla, lipi)

🗨️ Bärbel Frey, Längenfeld, Aqua Dome:

„Wir hätten mit Ende Mai jetzt auch aufsperren können, aber wir werden es erst mit 26. Juni tun. Nachdem etwa 30 Prozent unserer Gäste aus Österreich kommen und der große Anteil international ist – von Italien, den USA, Ostländern bis hin zu China und Indien –, haben wir uns bewusst dazu entschieden, dass wir noch warten. Es war auch bis zuletzt manches bei den Richtlinien für uns unklar und wir bereiten uns da lieber in Ruhe vor und müssen nicht sofort losrennen und bei den Ersten sein, die aufsperren. Die Buchungen für den Sommer sind aber ganz gut angelaufen, ich denke, wir können zufrieden sein“.

Geschäftsführerin Frey setzt auf volle Sicherheit.
© privat

🗨️ Katharina Pirktl, Mieming, Hotel Schwarz:

„Wir können seit Anfang Mai Massagen, Kosmetik und den Friseur für Einheimische anbieten. Auch das Restaurant ist offen. Das Hotel öffnen wir aber erst am 5. Juni. Das deshalb, weil wir diesen Termin schon überall bekannt gegeben haben und nicht wieder alles ändern wollten. Zudem erwarten wir mit der Grenzöffnung zu Deutschland am 15. Juni, dass das Geschäft erst richtig anläuft. Wir sind dann im Juli und August sehr gut gebucht. Natürlich gab es viele Absagen, aber auch Neubuchungen von Gästen, die heuer nicht wegfliegen, sondern Österreich-Urlaub machen.“

Katharina Pirktl startet den Hotelbetrieb ab 5. Juni.
© Bernhard Stelzl

🗨️ Mario Hueber, Innsbruck, Metropol-Kino:

„Wir diskutieren noch, bis wann wir es schaffen aufzusperren. Warum wir es am Freitag nicht konnten, ist relativ einfach: Die Kinobetreiber haben der Politik immer gesagt, dass sie eine Vorlaufzeit von sechs Wochen brauchen, im besten Fall vier Wochen. Dann sollten wir binnen 48 Stunden aufsperren. Überspitzt gesagt, hätte ich sogar Cola einkaufen müssen. Das Leokino wird subventioniert, daher hat es wohl aufgesperrt. Dazu kommt, wir sind ein Erstaufführungshaus, daher können wir kaum aufs Repertoire zurückgreifen, bis Anfang Juli gibt es aber keine neuen Filme.“

Mario Hueber bietet Autokino, das Metropol ist noch zu.
© metropol

🗨️ Luigi Pasquali, Kitzbühel, Tennerhof:

„Wir öffnen vorerst nur die Tennerhof luxury chalets, den Landsitz Römerhof und das Restaurant in gewohnter Qualität. Meine Strategie ist vorerst, klein und fein zu bleiben. Das Haupthaus wird erst zur Wintersaison eröffnet. Ich habe mich dazu entschlossen, da die Wohnungen dem Sicherheitsbedürfnis der Gäste entsprechen. Dafür habe ich auch ein eigenes Konzept entwickelt. Unser Fünf-Sterne-Hotel müssen wir vorerst geschlossen halten, da wir die Auslastung, die nötig wäre, nicht zu erzielen glauben. Unser Betrieb ist sehr personalintensiv. Ich bin sehr optimistisch, dass es bis Weihnachten ein Medikament, wenn nicht sogar einen Impfstoff gegen Corona gibt.“

Ökonom Pasquali setzt auf ein alternatives Betriebskonzept.
© Pasquali

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