Ruhe vor dem Sturm auf Tirols Seen zum Autakt des Pfingstwochenendes

Beliebte Badeseen im Lokalaugenschein: Tiroler lernen in Corona-Zeiten heimische Gewässer lieben – Ansturm bei Sommerhitze könnte heftig werden.

Mountainbiker am Blindsee im Außerfern.
© Thomas Boehm / TT

Von Thomas Böhm

Imst, Landeck, Reutte – Mangels Hitze zum Auftakt des Pfingstwochenendes hielt sich der Ansturm an den Oberländer Badeseen noch in Grenzen.

Und derzeit gibt es ja auch neue Spielregeln: „Für die Einhaltung der Corona-Regeln an Badeseen sind die Gemeinden verantwortlich“, weiß Ernst Schöpf, Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes und Sölder Bürgermeister: „Auch Badegewässer unterliegen teils dem Bäderhygienegesetz.“ Wobei die Badegäste Eigenverantwortung haben: So muss auch am Badesee der Mindestabstand von einem Meter zu anderen Personen eingehalten werden. Anders sei das beim beliebten Piburger See bei Oetz, wo ja Baden heuer außerhalb der Badeanstalt strikt verboten sei und die Bergwacht streng kontrolliere: „Dort handelt es sich um ein Naturschutzgebiet!“

Ob das ausreicht, um das einmalige Naturjuwel vor den Massen zu schützen, wird sich zeigen: „An schönen Tagen nach dem Lockdown waren am Piburger See schon mehr Leute – aus ganz Tirol und samt Müll – als sonst im Hochsommer“, musste Jakob Pfaundler, Anrainer und Ortsbildpfleger in Oetz, feststellen.

Vom Blindsee am Fernpass lässt sich berichten, dass der Hinweis „Privatgrund – Baden an diesem Seeufer nicht gestattet“ gestern nicht missachtet wurde. Ein paar Wanderer und Mountainbiker genießen die wunderbare Seerunde, prächtig blüht überall gerade die wilde Clematis. Die üblichen wilden Parkplätze entlang der Fernpassstraße waren leer – noch.

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Im Frühjahr waren am Piburger See schon mehr Leute als sonst im Hochsommer.
Jakob Pfaundler (Anrainer und Ortsbildpfleger, Piburg)

Ihren Badesee Sonneck neu schätzen gelernt haben heuer die Freundinnen Celina Pechtl und Jana Tagwerker aus Imst: „Wir wären sonst vielleicht schon in den Süden gefahren, aber hier ist es viel stressfreier als z. B. am übervollen Piburger See. Wenn es warm ist, ist es am Sonneck natürlich auch sehr voll. Für die Jungen ist das der neue Hotspot!“

Jana und Celina am Sonneck-See in Hoch-Imst.
© Thomas Boehm / TT

Die Strahlen der Abendsonne glitzern im Wasser, Stammgast Martin sitzt auf seinem Lieblingsfelsen am Tramser Weiher, dem Naherholungsgebiet oberhalb von Landeck und Zams. Zu Pfingsten wäre er ohnehin nicht weggefahren: „Mein Urlaubsrevier ist die Trams!“ Hier hat er heute ein paar nette Bekannte getroffen. Einer davon, ein älterer Herr, ist nach vier Wochen Klinikaufenthalt wegen seiner Corona-Erkrankung, wieder wohlauf. Social Distancing auf der Trams? „Also wenn die Jungen da zusammensitzen, geht sich das mit dem Meter nicht aus“, zuckt Martin die Schultern.

Eine Gruppe von Männern und Frauen belagern die große Wiese hinter dem Felsen am Tramser Weiher mit Yogamatten, die sie sternförmig um einen Instruktor auslegen. Sie machen Gymnastik. Drei Enten spazieren mitten durch die Gruppe. Zwischen den Trainer und die Abendsportler könnte man locker ein paar erwachsene Elefanten hineinstellen.

Fazit: Die Tiroler haben während des Corona-Lockdowns und durch die Sperre Richtung Süden die heimischen Seen schätzen gelernt. Gröbere Verstöße gegen das Corona-Regime fallen noch nicht auf. In der Sommerhitze und angesichts der Beschränkungen in Schwimmbädern könnte der Ansturm aber noch heftig werden.

Fischer am Piburger See im vorderen Ötztal.
© Thomas Boehm / TT

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