Von Gewalt, Widerstand und Verdrängung in Tirol

Ein Hörbild, präsentiert von vier Tiroler Museen, erinnert an Heinz Mayer, der vor 75 Jahren aus dem KZ nach Innsbruck zurückkehrte.

Mutiger NS-Gegner: Heinz Mayer (l.), hier 1989 bei der Verleihung der Befreiungsmedaille der Republik Österreich an drei Unterstützerinnen der Geheimdienstoperation „Greenup“, Maria Hueber (2. v. l.), Ruth Heltzel (3. v. l.) und Margarethe Kelderer (r.), durch LH Alois Partl (3. v. r.) im Beisein von Franz Weber.
© TT-Archiv

Absam, Innsbruck –Vier Tiroler Museen – die Tiroler Landesmuseen, das Noaflhaus in Telfs, das Museum im Ballhaus Imst und das Gemeindemuseum Absam – arbeiten seit Kurzem im Podcast „hörpositionen“ zusammen. Das aktuelle, 36-minütige Hörbild, abzurufen unter https://soundcloud.com/hoerpositionen, wirft ein Schlaglicht auf ein oft verdrängtes Kapitel der Tiroler Zeitgeschichte: Im Fokus steht der Innsbrucker Heinz Mayer (1917–1999), der das KZ Buchenwald überlebte und nach dem Krieg für die Interessen der Opfer und Gegner des Nationalsozialismus kämpfte.

1917 in Innsbruck geboren, trat Heinz Mayer 1931 ins Geschäft seines Vaters ein, der in der Fuggergasse Feuerbekämpfungsartikel verkaufte. Ab März 1938 wurde aus dem Katholiken Mayer gemäß den Nürnberger Rassegesetzen ein „Halbjude“ bzw. „Mischling 1. Grades“ gemacht.

Offiziell als tot gelistet

Bereits im autoritären Ständestaat war Heinz Mayer aktiv gegen die NSDAP und ihre zunehmende Macht in Tirol aufgetreten. Dabei blieb er auch nach dem Anschluss: Im Oktober 1938 wurde er mit seinem Vater wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ festgenommen. Er hatte u. a. Flugzettel gegen den Anschluss hergestellt. Das Geschäft seines Vaters wurde „arisiert“. Durch die NS-Enteignungspolitik gezielt mittellos gemacht – der Vater lebte nun von Almosen –, erhielt Mayer vom Arbeitsamt nur eine Hilfsarbeiterstelle bei einer Baufirma zugestanden. Im Juni 1943 wurde er erneut verhaftet und im Gestapo-Lager Innsbruck-Reichenau eingesperrt. Im August 1943 folgte die Deportation in das KZ Buchenwald.

Vater Ludwig Mayer wurde im Oktober 1944, nach drei Jahren im KZ Theresienstadt, in Auschwitz ermordet. Seinem Sohn retteten in Buchenwald Häftlinge, die illegal in der Lagerverwaltung organisiert waren, das Leben, indem sie seine Häftlingsnummer nach einem Luftangriff vertauschten, sodass Mayer offiziell als tot gelistet wurde.

Weder Innsbruck noch das Land Tirol reagierten

Im April 1945, vor 75 Jahren, wurde Heinz Mayer in Buchenwald befreit. Er kehrte nach Tirol zurück, wo er als Vollinvalide über Jahrzehnte hinweg die sozialen Interessen von NS-Opfern und -Gegnern in zahlreichen Gremien vertrat. Er arbeitete auch an der komplexen gesetzlichen Regelung der Opferfürsorge mit und wurde in den Vorstand des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes berufen.

1991 hat Mayer in langen Interviews über den Nazismus in Tirol vor und nach 1938 sowie über seine Rückkehr aus dem KZ 1945 gesprochen. 1999 starb er in Innsbruck. Seit 2014 erinnert am Waldhüttl bei Mentlberg in Innsbruck ein Tafel an ihn. Auf Heinz Mayers 100. Geburtstag im Jahr 2017 reagierten weder die Stadt noch das Land Tirol. (TT)


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