Kampf gegen den Klimawandel ist Top-Thema für Autobranche

Audi, Volkswagen, Magna Steyr und Fiat: Als Top-Manager blickte Herbert Demel hinter die Kulissen der profiliertesten Automarken.

Der Talk zwischen MCI-Rektor Andreas Altmann und Herbert Demel wurde live übertragen.
© MCI/Koller

Innsbruck – Herbert Demel hat als Auto-Manager und ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer Reihe namhafter Automobilkonzerne – von Audi und VW über Magna bis zu Fiat – Einblick in viele Betriebe gewonnen. Diese Woche stellte sich Demel den Fragen der Studierenden des MCI und den Lesern der Tiroler Tageszeitung in einem Livetalk.

Das Führen eines großen Konzerns vergleicht der Manager mit dem Steuern eines Ozeandampfers, der nur langsam Fahrt aufnehmen oder die Richtung wechseln könne. Dagegen helfe eine dezentrale Unternehmensorganisation mit kleinen Einheiten mit hoher Entscheidungskompetenz. Ein Automobilkonzern definiere sich vor allem über die Marke.

Ein modernes Auto enthält mehr Software als das anspruchsvollste militärische Fluggerät, jedoch sei man von echtem autonomen Fahren noch weit entfernt, sagte Demel. Ähnlich ist seine Einschätzung hinsichtlich des Elektroautos: Die Technologie sei noch viel zu teuer und daher nicht volumentauglich. Ein schneller Umstieg sei nur mit staatlichen Förderungen möglich. Denn dort, wo sich der Elektroantrieb einigermaßen durchsetzt, sei er pro Fahrzeug mit bis zu 7000 Euro gefördert worden, beispielsweise in Norwegen. „Meiner Einschätzung nach werden Neuzulassungen für Elektroautos 2030 eher noch nicht die 50-Prozent-Marke erreichen, es wird wohl 2040 werden“, so Demel. Generell gehe es darum, Öl als Energieträger für Fahrzeuge zu eliminieren und in Richtung regenerativer Energien zu gehen.

Kurzfristig gehe es auch in der Automobilbranche darum, durch die aktuelle Krise zu kommen. Mittelfristig ist jedoch wesentlich, die Klima­krise zu verhindern. Konkrete Zukunftsthemen, mit denen sich die Automobilindustrie auseinandersetzen muss, seien autonomes Fahren bzw. Digitalisierung, betonte der Auto-Manager. Entscheidend sei in Zukunft auch die Kooperationsfähigkeit. Dem stehe jedoch oft noch eine traditionelle Unternehmensphilosophie entgegen. Demel: „Viele Unternehmen sind für Kooperationen zu selbstbewusst, wie Gorillas, wenn jemand in die Nähe kommt, wird er gebissen.“ Jedoch nur wer seine Truppen dazu erziehe, kooperationsfähig zu sein und die richtigen Partner an Bord zu holen, werde in Zukunft erfolgreich sein, so Demels Ausblick. (TT)

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