Wer hat wann was gewusst? Ischgl und die Suche nach Antworten

Beschauliche Ruhe in Ischgl. Die Diskussionen um den Skiort reißen aber nicht ab.
© Reichle

Ischgl – Es wird gesucht in Ischgl. Urlaubsgäste findet man derzeit zwar kaum. Dafür braucht der Paznauner Ort Schlagzeilen über sich nicht lange zu suchen. Bei der Aufarbeitung der Corona-Krise Anfang März sucht man weiter nach Antworten. Abseits davon sucht Ischgl auch selbst – in gewisser Weise sich selbst.

Der sonst auf Hochtouren laufende Publicity-Motor des Skiorts stottert. Und das schon länger. Nicht neu ist das jetzt ausgegebene, offizielle Ansinnen, eine Imagekorrektur zu vollziehen. Weg vom Ballermann-Tourismus. Schon seit einigen Tagen läuft eine Befragung bei Einheimischen und Gästen über die Zukunft des Tourismus. Wobei der Ort selbst bei der Antwortsuche einiges vorgibt. Weg vom Halligalli. Mehr Qualität. Weniger Tagestouristen. Bis zum Sommer sollen die Ergebnisse stehen. Bis zum Herbst die Neuausrichtung klar sein.

Dann soll auch der Endbericht der Expertenkommission fertig sein, die das Tiroler Corona-Krisenmanagement untersuchen soll. Gestern fehlte weiterhin eine Zusage.

Wer hat wann was gewusst? Die Suche nach Antworten auf diese Fragen geht unterdessen weiter. E-Mails, die der ZIB2 und dem profil vorliegen, sollen belegen, dass isländische Urlauber bereits am 3. März zwei Corona-Fälle gemeldet haben – die Meldung soll an das Hotel im Paznaun ergangen sein. Unklar ist, was mit der Information dann passierte. Das Land erklärte gestern erneut, dass erst am 5. März die Meldung von infizierten Urlaubern aus Island eingetroffen sei. Aufgetaucht ist in den Protokollen ein bisher unbekannter mutmaßlicher Corona-Fall aus Seefeld. Ein Urlauber aus Belgien war sechs Tage nach seiner Rückkehr in die Heimat positiv getestet worden. Der Fall war bisher nicht bekannt. Das Land Tirol gab an, ihn Anfang März untersucht zu haben. Man habe zudem die Kontakte nachvollzogen und betroffene Personen angewiesen, ihren Gesundheitszustand zu beobachten. Es gab danach in Seefeld keine größere Ansteckungswelle.

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Die FPÖ forderte u. a. den Rücktritt von LR Bernhard Tilg (VP) und Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber. Für Klubobmann Dominik Oberhofer (NEOS) muss die „Landespolitik endlich Verantwortung übernehmen“. VP-Klubchef Jakob Wolf konterte prompt. „Die Tiroler Opposition will keine Aufklärung, sondern ein Scherbengericht.“

Die Causa Ischgl wird auch in Schweden zum Politikum. In einem Interview räumte Staatsepidemologe Anders Tegnell ein, dass die örtlichen Behörde früher damit beginnen hätte sollen, Verdachtsfälle, die im Zusammenhang mit Urlauben in Ischgl standen, auf Covid-19 zu testen. Das geschah erst ab 9. März. (APA, mw)


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