Bruder Floyds fordert Ende gewaltsamer Proteste in den USA

Nach den Ausschreitungen infolge des Todes von George Floyd hat dessen Bruder Terrence Floyd ein Ende der Gewalt bei den Protesten in den USA gefordert. Die Demonstrationen müssten friedlich sein, sagte Terrence Floyd am Montag bei einer Mahnwache für seinen Bruder in Minneapolis. George Floyd hätte keine Gewalt gewollt. Terrence Floyd rief dazu auf, wählen zu gehen.

Anwälte der Familie legten unterdessen einen Autopsiebericht vor, der vorläufigen Erkenntnissen der Behörden widerspricht und die Polizei schwer belastet. Unabhängige Gerichtsmediziner seien zu der Erkenntnis gekommen, dass Floyd bei dem brutalen Polizeieinsatz am Montag vergangener Woche in Minneapolis erstickt sei, teilte Anwalt Ben Crump mit. Der von den Anwälten mit Floyds Autopsie betraute Mediziner Michael Baden sagte: „Die Autopsie hat gezeigt, dass es keine Vorerkrankung gab, die zu seinem Tod geführt oder dazu beigetragen hat.“

Der offizielle Gerichtsmediziner hatte auf Grundlage vorläufiger Erkenntnisse Vorerkrankungen für Floyds Tod mitverantwortlich gemacht. Er ging davon aus, dass der 46-Jährige nicht erstickte. Bei dem Polizeieinsatz hatte einer von vier beteiligten Beamten Floyd fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt. Alle Bitten des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte er. Floyds vermutlich letzte Worte „Ich kann nicht atmen“ sind nun Schlachtruf der Demonstranten. Der Mann, der Floyd sein Knie auf den Nacken drückte, wird wegen Mordes angeklagt und ist in Untersuchungshaft.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, forderte indes ein sofortiges Ende der Unruhen in US-Metropolen. „Was wir auf Amerikas Straßen sehen, ist nicht hinnehmbar“. „Plünderungen, Anarchie und Gesetzlosigkeit dürfen nicht toleriert werden.“ US-Präsident Donald Trump fordere Maßnahmen zum Schutz amerikanischer Bürger und Geschäfte. McEnany drängte die Gouverneure der US-Staaten, verstärkt die Nationalgarde einzusetzen.

Sie verteidigte Trump vehement gegen den Vorwurf, er lasse angesichts der Lage Führungsstärke vermissen und schweige zu den Missständen, die von den Demonstranten beklagt würden. Die Sprecherin hielt dagegen, der Präsident habe durchaus Führung gezeigt in den vergangenen Tagen und sei eingeschritten, wo die Gouverneure versagt hätten. „Er arbeitet hart.“ Außerdem habe sich Trump viele Male zu den Vorfällen geäußert und seine Anteilnahme für Floyds Schicksal ausgedrückt. „Dieser Präsident hat nicht geschwiegen.“

In Minneapolis, wo der sich der Vorfall ereignet hatte, flauten die Unruhen mittlerweile ab. „In der zweiten Nacht in Folge hatten wir Sicherheit und Ordnung auf unseren Straßen“, sagte der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz. „Es ist eine sehr harte Woche gewesen.“ Walz urgierte, die Präsenz der Nationalgarde werde reduziert. Die Ausgangssperre für Minneapolis und die Nachbarstadt St. Paul werde aber auch in den kommenden zwei Nächten in Kraft bleiben. Sie werde aber auf die Zeit von 22.00 Uhr (5.00 Uhr MESZ) bis 4.00 Uhr verkürzt. Walz kündigte die Beerdigung und ein Gedenken an Floyd für diesen Donnerstag an. „Es wird ein wichtiges Ereignis sowohl für die Stadt Minneapolis als auch für Minnesota und die Nation.“

Dagegen ist die Ausgangssperre in der US-Hauptstadt Washington verlängert und ausgeweitet worden. Bürgermeisterin Muriel Bowser kündigte ein Ausgangsverbot ab 19.00 Uhr bis Dienstag in der Früh an. Die Sperre wird auch in der Nacht auf Mittwoch gelten. Eine erste Ausgangssperre wegen der Ausschreitungen am Rande von Anti-Rassismus-Protesten war am Sonntagabend um 23.00 Uhr in Kraft getreten. Bowser betonte, die Menschen hätten das Recht auf friedliche Proteste. Plünderungen und das Einschlagen von Fenstern dürften aber nicht zugelassen werden, sagte die Bürgermeisterin.

Auch in der größten US-Metropole New York wurde eine Ausgangssperre verhängt. Bürgermeister Bill de Blasio teilte am Montag auf Twitter mit, diese gelte in der Nacht auf Dienstag von 23.00 Uhr (Ortszeit/5.00 Uhr MESZ) bis 5.00 Uhr. Die Maßnahme werde in Absprache mit Gouverneur Andrew Cuomo ergriffen, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

Die Proteste richten sich gegen Polizeigewalt, Brutalität und Ungerechtigkeit gegenüber Menschen mit schwarzer Hautfarbe. CNN berichtete, seither seien landesweit insgesamt etwa 4.000 Menschen bei Protesten festgenommen worden.

Bei den Unruhen kam es auch mehrmals zu Polizeischüssen auf Journalisten, berichtet das Internationale Presse-Institut (IPI). „Wir rufen die Polizei dringend auf, Reporter nicht mehr ins Visier zu nehmen und sie ihre Arbeit machen zu lassen“, betonte IPI-Vizechef Scott Griffen.

Zudem gab es Übergriffe seitens der Protestierenden auf Medienvertreter. In Washington entrissen Demonstranten dem Fox-News-Journalisten Leland Vittert das Mikrofon und schlugen ihn damit. Außerdem wurde die Zentrale des Fernsehsenders CNN in Atlanta angegriffen. Auch das Regionalmedium Al.com berichtete von gewaltsamen Übergriffen auf ein Team seiner Reportern in Alabama. Protestierende sollen Reporter auch in den Städten Phoenix (Arizona) und Pittsburgh (Pennsylvania) angegriffen haben.

Ex-US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, berechtigte Wut über Missstände im Land auf friedliche Weise für echte Veränderungen zu nutzen. In Großbritannien planen Gruppen gegen Rassismus für Mittwoch einen nationalen Protesttag unter Einhaltung der Corona-Ausgangsbeschränkungen.


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