Holzgauer „Friedensstifter“ legt Amt nieder, Nachfolger fix

Generationenwechsel in Holzgau: Günter Blaas, der 65-jährige Bürgermeister von Holzgau hat seinen Rücktritt bereits eingereicht, der 29-jährige Vize folgt ihm.

VBM Florian Klotz (l.) und BM Günter Blaas haben abgehoben. Der eine, weil es bei ihm richtig losgeht, der andere, weil er es geschafft hat.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Holzgau –Allfälliges muss keineswegs beiläufig bedeuten. Schon gar nicht heute Abend am Ende der Gemeinderatssitzung in Holzgau. Wenn alle Tagesordnungspunkte abgearbeitet und der Jahresabschluss der 400-Einwohner-Gemeinde mit 2,3 Millionen Euro über die Bühne gebracht sind, wird sich Bürgermeister Günter Blaas erneut zu Wort melden. Der 65-Jährige teilt den Anwesenden mit, dass seine Zeit als Dorfchef von Holzgau bereits in zwei Tagen offiziell zu Ende gehen wird. Vergangenen Freitag hat Blaas bei Vizebürgermeister und Gemeindeamt seinen Mandatsverzicht, der auch das Amt beinhaltet, bekannt gegeben. Eine Woche später, also übermorgen, wird sein Entschluss rechtskräftig werden.

Das Interregnum in der Lechtalgemeinde wird nicht von langer Dauer sein. Schon voraussichtlich am 15. Juni tritt der Gemeinderat erneut zusammen, um den neuen Dorfchef, auf den sich die einzige Liste im Ortsparlament bereits mit größter Mehrheit verständigt hat, zu wählen. In den zwei Jahren vor einer Gemeinderatswahl (die nächste ist Anfang 2022) wird laut Gemeindewahlordnung im Fall des Falles ein neuer Bürgermeister aus der Mitte des Gemeinderats gewählt. Theoretisch hätte auch jede im Gemeinderat vertretene Liste das Vorschlagsrecht für eine zur Wahl stehende Person. Da es aber nur eine Liste gibt und diese sich mit größter Mehrheit schon auf den bisherigen Stellvertreter Florian Klotz festgelegt hat, kann dieser in wenigen Tagen wohl das „Vize-“ bei Bürgermeister streichen.

„Wir haben drei Monate zugewartet"

Der 29-Jährige erklärt gegenüber der TT, dass er am Freitag informiert worden sei. Blaas habe ihm seine Überlegungen schon früher mitgeteilt und er natürlich nachdenken müssen. Aber nachdem er das berufliche Umfeld abgeklärt hatte und vom privaten Zustimmung gekommen sei, habe er mit allen Listenmitgliedern nach einer guten Lösung für die Zukunft gesucht. Aufgrund der positiven Rückmeldungen habe er dann mit Freude zugesagt. „Corona hat dann eine frühere Bekanntgabe verhindert,“ sagt der scheidende Bürgermeister. „Wir haben drei Monate zugewartet. So etwas ist ja nichts für eine Videokonferenz.“

Die Gründe für den – zumindest nach außen – überraschenden Abgang sind laut Blaas vielfältig. „Alles hat seine Zeit und man soll aufhören, wenn etwas gut ist.“ Nun gelte seine ganze Konzentration seinem Privatleben.

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„Wir haben eine brutal gute Jugend“

In die Geschichte der Gemeinde wird Blaas wohl als „Peacemaker“ eingehen. Denn als er 2010 zum Bürgermeister gewählt wurde, war der Ort bereits in jahrelangen Polit-Auseinandersetzungen samt gegenseitiger Anzeigenflut gefangen. Dass es nun wieder weit friedlicher zugehe, sieht er auch selbst als sein großes Verdienst an. „Der Anfang war echt total schwierig, aber ich war ein Teamplayer und habe das Gemeinsame gesucht.“ Um die Zukunft macht er sich überhaupt keine Sorgen. „Wir haben eine brutal gute Jugend“, sagt der ehemalige Tiroler Fußballtorschützenkönig – ein bulliger Stürmer, der Verteidigungslinien in Verlegenheit zu bringen wusste.

Blaas hebt beim großen Danken das Team der Gemeinde hervor, das engagiert und professionell gearbeitet habe. Der Holzgauer war 25 Jahre auch als Betriebsratsvorsitzender der Reuttener E-Werke ein Begriff. Zudem als Ortsfeuerwehrkommandant und Bez.-Kdt.-Stv, als Agrar­obmann, Einsatzstellenleiter der Bergwacht, Arbeiterkammerrat und, und, und – als Funktionär konnte er über 100 Dienstjahre sammeln.


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