Verschollenes Fresko kehrt nach 90 Jahren nach Osttirol zurück

Wenn Burg Heinfels am 15. Juli eröffnet, ist auch ein verloren geglaubtes Kunstwerk zu sehen.

Die Kapelle von Burg Heinfels (hier ein Bild nach der Restaurierung) beherbergte einst vier Fresken. Ab 15. Juli werden sie wieder gezeigt.
© Peter Leiter

Von Catharina Oblasser

Heinfels –Sie gilt als kulturelles und historisches Kleinod im Pustertal: die Burg Heinfels, die nach Jahrzehnten des Verfalls seit 2016 restauriert wird. Eigentümer ist der Südtiroler Waffelhersteller Loacker. Inzwischen sind die aufwändigen Arbeiten so gut wie fertig. Die Eröffnung, die für den 6. Juni geplant gewesen wäre, wurde coronabedingt auf den 15. Juli verschoben.

Die kleine Verzögerung wird durch vier außergewöhnliche Exponate wettgemacht. Es handelt sich um vier Fresken, etwa 1,50 mal 1,20 Meter groß, geschaffen um 1460 von Leonhard von Brixen, der ein Lehrer von Simon von Taisten war. Die Vorgeschichte der Kunstwerke, vor allem jene des Freskos „Maria Empfängnis“, ist spannend, weiß Peter Leiter vom Museumsverein Burg Heinfels.

Das Fresko „Maria Empfängnis“ lag unerkannt im Depot des Landesmuseums.

© Tiroler Landesmuseum Ferdinandeu

„Im Jahr 1930 hat der damalige Kurator die vier Fresken abgetragen und in Sicherheit gebracht, weil er befürchtete, dass die Kapelle bald einstürzen würde“, erzählt Leiter. Die Befürchtung hat sich übrigens bewahrheitet. Drei der vier Werke wurden nach Lienz auf Schloss Bruck gebracht. Das vierte war nicht mehr auffindbar und geriet in Vergessenheit. „Man wusste später gar nichts mehr von einem vierten Fresko“, berichtet Peter Leiter. Doch vor Kurzem entdeckte er in einem alten Katalog Hinweise auf die Existenz von „Maria Empfängnis“ und machte sich auf Spurensuche. Das verschollene Fresko ist wohl damals um 1930 dem Kurator als Bezahlung für seine Arbeit geschenkt worden, stellte sich heraus. Deshalb kam es nicht, so wie die anderen drei, nach Lienz. Die „Maria“ blieb in Privatbesitz, bis sie 1970 vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum angekauft wurde. Seither befand sich das Fresko im Depot in Innsbruck.

Doch ab 15. Juli sind alle vier Kunstwerke wieder vereint und werden in der Burgkapelle ausgestellt.


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