Eine Drei-Klassen-Gesellschaft im Tivoli beim Bundesliga-Neustart

Fußball unter Laborbedingungen: Der gestrige Liga-Auftakt zwischen der WSG Swarovski Tirol und St. Pölten ließ so manche Befürchtung wahr werden. Der Ordnungsrahmen wurde eingehalten, zumindest das stimmte.

Bundesliga nach 85 Tagen Corona-Pause: Hände wurden stets desinfiziert.
© gepa

Von Florian Madl

Innsbruck – Die Absperrbänder surrten im Tivoli, die Musik aus den Stadionlautsprechern hallte gespenstisch. Und irgendwann fielen sogar die Tribünen-Fernseher aus, die geschätzten 50 Gäste aus der gelben Gruppe witzelten über das Ambiente. Wer diesem Farbkomplex angehörte, zählte zu den Unterprivilegierten: Lediglich für die Tribüne reichte die Berechtigung, eine Mixed Zone für Journalisten gab es nicht. Videokonferenzen ersetzen dieser Tage persönliche Gespräche. Um in die nächste Kaste, die der „Orangenen“, aufzusteigen, musste man schon Fotograf oder Kamera­mann sein, ein Fragebogen zum persönlichen Befinden stellte diesen Leuten ein Zugangs-Attest aus.

🔗 >>> 0:5-Debakel beim Neustart: WSG Tirol Tabellen-Schlusslicht

Und dann gab es da die Gruppe „Rot“, die sich am Spielfeld tummelte und miteinander sportlich in Kontakt geraten durfte. Obwohl: Stellungsfehler waren gestern unübersehbar, „Social Distancin­g“ galt bisweilen sogar im Strafraum.

Auch die Bälle mussten desinfiziert werden.
© gepa

Es war eine Drei-Klassen-Gesellschaft, die sich im Tivoli-Oval tummelte. Eine, die kein Parkplatzproblem hatte und doch strenger kontrolliert wurde als bei einem gewöhnlichen Spiel. An der Exekutiv­e lag das nicht: Zwei szenekundige Beamte stellten das komplette Aufkommen dar, das hatte man früher selbst bei einem Durchschnittsspiel schon anders erlebt. Doch wer Geisterspiele nur aus dem Fernsehen kannte, wähnte sich gestern bei einer Trainingseinheit. Dabei war es bitterer Abstiegsernst, um den es da ging. Was für ein ungewöhnlicher Fußball-Abend und eigentlich einer zum Abgewöhnen. Aber für WSG-Präsidentin Diana Langes, die dem Spiel selbst fernblieb und von zuhause mit ihren Vorstandskollegen aus die Daumen hielt, war es doch die beste aller Lösungen: „Es ist immer noch am fairsten, die Saison auf diese Weise zu beenden.“ Seit die Wiederaufnahme der Liga beschlossen worden war, hatte man auf diesen Moment hingefiebert, die Corona-Bürokratie sollte das Szenario dann doch noch einmal trostloser gestalten. Die Freude, kommenden Dienstag für das WSG-Heimspiel eine Zugangsberechtigung zu bekommen, hält sich – Gruppe Gelb oder Orange hin oder her – wohl bei den meisten in Grenzen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper
Die Stimmung auf den Rängen hatte etwas Gespenstisches an sich.
© gepa

Kommentieren


Schlagworte